Das denkmalgeschützte Garnisonsschützenhaus am Dornhaldenfriedhof steht seit fünf Jahren leer. Foto: Achim Zweygarth

Mehrere Stuttgarter Initiativen haben Vorschläge für eine Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes am Dornhaldenfriedhof eingereicht. Die involvierten städtischen Ämter geben jedoch bisher anderen Interessenten den Vorzug.

S-Süd/ Degerloch - Einen Ort der Ruhe, der Stille und der Einkehr soll es werden. Schließlich befindet das ehemalige Garnisonsschützenhaus zwischen Degerloch und dem Stuttgarter Süden direkt neben dem Dornhaldenfriedhof und liegt zudem im Landschaftsschutzgebiet. Momentan steht das Gebäude leer, derzeit verhandelt die Stadt aber mit Interessenten über die zukünftige Nutzung. Dies soll aber die Umgebung des Gebäudes mit berücksichtigen.

Vor einem Jahr wurde eine Gruppe Stuttgarter auf das verfallende Gebäude am Dornhaldenfriedhof aufmerksam. In einem offenen Brief wandte sich die Initiative – bestehend aus Kreativen, Kulturschaffenden, Historikern und anderen Bürgern – an die Stadt und den Gemeinderat. Sie wiesen auf den schlechten Zustand des Gebäude-Ensembles hin und zugleich auf die historische Bedeutung des 1893 entstandenen Garnisonsschützenhauses. Die Stadt solle ein Zeichen setzen und die Bürger bei einer Nutzung beteiligen.

Fünf Interessenten haben ihre Vorschläge eingereicht

Einen offenen Ideen- und Konzeptwettbewerb wünschte sich diese Gruppe um den Stuttgarter Christian Dosch. Den hat es nun auch gegeben: Drei Initiativen – unter anderem die Gruppe um Dosch – haben im Sommer ein Konzept bei der Stadt eingereicht. Sie planen kleinere Veranstaltungen, Lesungen oder Austellungen dort. Zusätzlich haben ein Architekt und ein Steinmetz ihr Interesse an den Gebäuden bekundet. Inzwischen haben die vier beteiligten Ämter ihre Präferenzen abgegeben – bisher nicht öffentlich. Die Konzepte der beiden gewerblich ausgerichteten Interessenten kommen dabei nach Informationen unserer Zeitung sehr gut weg. Die Ideen der drei gemeinnützig orientierten Gruppen werden eher negativ bewertet.

Bei deren Konzepten befürchtet das Baurechtsamt einen Konflikt mit dem Friedhof und dem Landschaftsschutzgebiet. Die Straßenverkehrsbehörde sieht eine Nutzung des Friedhofsparkplatzes für regelmäßige Besucher kritisch. Das Stadtplanungsamt ist gegen bauliche Änderungen im Inneren des denkmalgeschützten Gebäudes, die bei zwei Konzepten vorgesehen sind. Ferner bemängelt das Garten-, Forst- und Friedhofsamt, dass die Planungen sich nicht mit dem geforderten Abstand zum Wald vertragen und kritisiert Eingriffe im Außenbereich.

Im Februar soll eine Entscheidung fallen

Entschieden ist aber bisher nichts. Die Besprechung der Konzepte wurde in der letzten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Wohnen im Jahr 2014 aus Zeitgründen vertagt. Nun soll in der Sitzung am 6. Februar über das Thema diskutiert werden. Bei einigen Interessenten hat sich jedoch bereits Enttäuschung breit gemacht. „Es ist schon etwas absurd, dass in einem Verfahren, das als Konzeptvergabe angekündigt war, am Ende in der Bewertung der Verwaltung inhaltliche Aspekte anscheinend keine Rolle spielen“, sagt Christian Dosch. Seine Initiative für das Garnisonsschützenhaus“ hatte ein „Haus der Ruhe“ vorgeschlagen. Verärgert ist er zudem darüber, dass dieses Beispiel zeige, wie wenig bürgerschaftliches Engagement in Stuttgart gefördert werde. „Als Bürger wird man mit der Frage zurückgelassen, ob es sich lohnt, sich für die Stadt zu engagieren“, sagt Dosch. Unabhängig von den Interessen seiner Initiative werbe er jedoch dafür, das historische Ensemble nicht zu verkaufen oder gar aufzuteilen.

Der Gebäudekomplex steht seit Jahren auf der Verkaufsliste der Stadt. Bisher war es wegen der eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten ein Ladenhüter. Gegen einen Verkauf sind auch einige Parteien im Gemeinderat. In einem gemeinsamen Antrag forderten die SPD und die Fraktionsgemeinschaft SÖS-Linke-Plus Ende November, die Gebäude nur in Erbpacht zu vergeben. Das Garnisonsschützenhaus und die dazu gehörige Wache haben für die Landeshauptstadt eine kulturhistorische Bedeutung, so die Begründung. Durch eine Vergabe in Erbpacht gehe das Gebäude-Ensemble der Stadt nicht verloren und der Denkmalschutz werde strikt eingehalten, sagte Udo Lutz von der SPD-Fraktion im Dezember unserer Zeitung.

Kommentar: Wenig experimentierfreudig

Außergewöhnliche Nutzungsvorschläge für historisch bedeutsame Gebäude in Stuttgart schätzt die Stadtverwaltung nicht.

Am Ende war der Einsatz wohl umsonst. Seit fünf Jahren steht das Garnisonsschützenhaus auf der Verkaufsliste der Stadt Stuttgart. Niemand wollte es haben, es geriet in Vergessenheit. Erst eine Gruppe engagierter Bürger machte auf die historischen Fachwerkbauten am Dornhaldenfriedhof aufmerksam. Inzwischen haben sich bei dem Konzeptvergabeverfahren drei private Interessenten die Mühe gemacht, Vorschläge einzureichen. Darin stecken viel Hirnschmalz und freiwilliges Engagement für das kulturhistorisch bedeutsame Gebäudeensemble. Nach der bislang inoffiziellen Bewertung durch die Verwaltung deutet aber alles daraufhin, dass das Engagement der Bürger eigentlich nie gewünscht war. Warum man ihnen überhaupt die Chance gab, Vorschläge einzureichen, ist im Nachhinein unklar: Denn bei der Bewertung der Konzepte spielen offensichtlich inhaltliche Kriterien keine große Rolle. Die einzigen Argumente der Verwaltung sind der Denkmal- und der Umweltschutz. Dass aber eine öffentliche Nutzung mit mehr Verkehr und Besuchern einhergeht, versteht sich von selbst.

Schade, dass die Stadtverwaltung so wenig offen ist, kreative und außergewöhnliche Nutzungsmöglichkeiten zu erproben – zumal das Gebäude derzeit verfällt. Dabei scheint der Denkmalschutz keine Rolle zu spielen. Man fragt sich, warum eben dieser und die Lage im Landschaftsschutzgebiet aber gegen eine öffentlichen Nutzung ins Feld geführt werden. Zumal alle eingereichten Konzepte die besondere Lage der Gebäude berücksichtigen.

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