Markus Eisenbraun übernimmt den Chefposten von Franz Lutz im August. Foto: Lichtg/Piechowski

Im Polizeipräsidium geht im Sommer ein Führungswechsel über die Bühne, der wohl recht unaufgeregt läuft: Der neue Polizeipräsident Markus Eisenbraun ist schon im Haus, als Vizepräsident.

Wirklich überraschend war die Entscheidung nicht, die am Donnerstag bekannt wurde: Der neue Stuttgarter Polizeipräsident heißt Markus Eisenbraun, am 1. August tritt er das Amt an. Dabei muss er nicht weit umziehen: Einmal über den Flur vom Büro des Vizepräsidenten in das des obersten Chefs im Stuttgarter Polizeipräsidium. Überrascht ist Eisenbraun dennoch ein bisschen: Er hatte nicht jetzt schon mit der Entscheidung gerechnet.

 

Die „Krönung“ der Laufbahn bei der Polizei

„Es ist für mich die absolute Krönung der Laufbahn“, sagt der 53-Jährige. In Stuttgart geboren, aufgewachsen, hier lebend und hier auch in den Polizeidienst gekommen, freut Markus Eisenbraun sich über die Berufung zum Polizeipräsidenten in der Stadt, der er sich „als Polizist wie als Bürger verpflichtet“ fühlt.

Wie „der Neue“ tickt, das wissen im Polizeipräsidium und in den Revieren der Stadt schon viele. „Ich hab ja schließlich damals auch hier in der Hahnemannstraße angefangen“, sagt Eisenbraun. Das helfe bei der täglichen Arbeit. Er kennt viele Kolleginnen und Kollegen in den Revieren. „Meine Generation ist jetzt an vielen Stellen in den Führungspositionen, das hilft natürlich auch“, sagt er. Dass man ihn auf die eine oder andere Anekdote aus frühen Jahren anspricht auf den Fluren, daran ist er auch ein bisschen selbst schuld. Als er im Winter 2020 aus dem Landeskriminalamt ins Präsidium kam, konnte er sich pandemiebedingt nicht persönlich vorstellen. Also schickte er eine Rundmail durchs Haus, in der er unter anderem erwähnte, wie er als junger Beamter beim Einparken im Osten einen Polizei-VW-Bus demoliert habe. VW-Bus fährt er immer noch gern, inzwischen aber ausschließlich privat.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Wie die Stadt im Sommer sicher werden soll

Man kennt ihn nicht nur, man weiß auch schon ein bisschen, wie er agieren wird. Nicht nur Insider können die Handschrift des nächsten Polizeipräsidenten schon lesen. Auch wer die Diskussionen und Beschlüsse des Gemeinderats und die Zusammenarbeit der Akteure für das Sicherheitskonzept in der City kennt, kennt Markus Eisenbraun schon recht gut: Das Sicherheitskonzept, sprich: der Anteil der Polizei daran, trägt seine Handschrift.

Er habe sich „den operativen Bereich Innenstadt ein bisschen auf die Fahne geschrieben“. Denn als er vor eineinhalb Jahren in den zweithöchsten Job im Präsidium kam, war die Krawallnacht noch nicht lange her. Er habe gemerkt, dass da noch viel zu regeln gewesen sei: in der Aufarbeitung, aber auch in der Gestaltung der Zusammenarbeit. Im vergangenen Sommer, als es zwar nicht so wild zuging wie in der Krawallnacht, aber einige Male rund um den Schlossplatz brenzlig wurde, habe ihn gestört, dass „wir immer nur reagiert haben und es so lange gedauert hat, bis sich alle abgestimmt haben“.

Nun hat die Polizei sich schon im Frühjahr in die Karten schauen lassen, wie sie diesen Sommer reagieren wird, wenn es an den Hotspots zu heiß hergeht. Und sie hat zusammen mit der Stadt ein Stufenkonzept entwickelt, was wann passiert. Gut vorbereitet und transparent im Vorgehen, unaufgeregt, aber deutlich in der Ansage: So gefällt es dem Noch-Vize und künftigen Chef der Polizei besser als das Vorgehen im vergangenen Sommer. Mit einer voraussichtlich noch im Sommer eingeführten Waffenverbotszone setzt er eine weitere Marke. Dass man ihn bei dieser Klarheit im Vorgehen als sehr liberalen Kopf an der Polizeispitze wahrnimmt, gefällt dem Stuttgarter. „Das trifft es ganz gut“, sagt Eisenbraun.

Einen ruhigen Führungswechsel hat es bei der Polizei lange nicht gegeben

Das Amt von seinem Vorgänger übernimmt Markus Eisenbraun am 1. August, dann geht Franz Lutz in den Ruhestand. Es ist ungewöhnlich, dass der Stellvertreter der neue Präsident wird. Vorteile hat es auf jeden Fall, das haben Lutz und Eisenbraun ganz offenkundig in den zurückliegenden Monaten erkannt: Der Präsident überließ seinem Vize gelassen das Feld der Beruhigung der Innenstadt, so kann er daran im Sommer – wenn beziehungsweise falls es da wieder turbulenter wird – nahtlos weitermachen.

Es ist seit Langem mal wieder ein Amtswechsel, der regulär und in aller Ruhe im Präsidium über die Bühne geht. 2011 war der Polizeipräsident Siegfried Stumpf nach den Wirren um den Polizeieinsatz am Schwarzen Donnerstag vorzeitig aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand gegangen. Das Amt blieb zwei Monate unbesetzt, bis im Juni Thomas Züfle, bis dato Chef der Polizeidirektion Tübingen, kam. Zwei Jahre später kam Züfle bei einer privaten Motorradtour ums Leben. Im August 2013 wurde Franz Lutz sein Nachfolger, er geht nun nach neun Jahren im Amt in den Ruhestand.