Generationengerechte Führungsstrategien – klingt trocken, ist es aber nicht, wie Jörg Veit dem Publikum bewies. Foto: Stefanie Schlecht

Liegen zwischen Boomern und der Gen Z wirklich Welten? Das Thema beschäftigt viele Führungskräfte, wie ein Event bei Elektro-Breitling in Holzgerlingen eindrucksvoll belegte.

„Das Zuhören und das sich Auseinandersetzen mit Menschen ist ein ganz wichtiges Thema in der Führung“, unterstreicht Jörg Veit, Geschäftsführer Personal bei der Holzgerlinger EB-Gruppe, zu der unter anderem Elektro-Breitling gehört.

 

Mit rund 60 Gästen, darunter auch Landrat Roland Bernhard, teilt er am Mittwochabend bei einem Event der Wirtschaftsförderung des Landkreises gemeinsam mit der Initiative Zukunftsfähige Führung (IZF) seine Gedanken zum Thema „Wenn Babyboomer auf Gen Z treffen – generationengerechte Führungsstrategien im Betrieb“.

Die Resonanz lässt tief blicken

Obwohl die Diskussion über die Tücken der Zusammenarbeit von Jung und Alt nicht neu ist, beschäftigt das Thema viele Führungskräfte, wie die Resonanz zeigt: „Die Veranstaltung war total schnell ausgebucht“, berichtet Petra Bösner-Handelmann, Schatzmeisterin der IZF. Der seit mehr als zehn Jahren bestehende Verein mit rund 140 Mitgliedern deutschlandweit versteht sich als Impulsgeber für Führungskräfte aller Branchen, indem er diesem in unterschiedlichen Formaten die Möglichkeit zum Austausch gibt, erläutert dessen Vorstandsvorsitzender Michael Walz.

Das Interesse an der Veranstaltung war groß. Auch der Landrat war dabei (erste Reihe im braunen Anzug) Foto: Stefanie Schlecht

Miteinander ins Gespräch zu kommen sei das A und O, denn die grundlegenden Werte der Gen Z (Jahrgänge 1996 bis 2010) und Älteren würden sich oftmals stärker überschneiden als angenommen, so Veit. Dass diese These stimmt, zeigt er dann mit einem kleinen Experiment: Mit einem Online-Voting-Tool können die Teilnehmenden, die überwiegend Boomer sind (geboren zwischen 1955 und 1969) und Gen X (Jahrgänge 1966 bis 1979/80) aus einer Liste auswählen, welche Werte ihnen besonders wichtig sind. Im Vergleich mit einer Azubi-Befragung der IHK zeigt sich anschließend, dass es bei der Rangfolge mehr Überschneidungen gibt als gedacht. So stehen ein eigenständiges Leben sowie Verlässlichkeit und Vertrauen bei Jung und Alt hoch im Kurs.

Ein einprägsames Beispiel

Um vom Schubladen-Denken wegzukommen, helfe nur „reden, reden und nochmals reden“. Als Beispiel berichtet er von einem 16-jährigen Auszubildender, der den Meister gleich morgens gefragt hat, wann er heute Feierabend mache. Nach dem dritten Tag informierte der Meister die Ausbildungsabteilung, dass der Azubi wohl nicht motiviert sei. In einem Gespräch stellte sich dann heraus, dass dieser nur wissen wollte, ob der Meister Überstunden machen will, was er selbst nicht durfte. Denn wenn dies der Fall war, wollte seine Mutter gleich morgen wissen, dass sie ihn von der Baustelle abholen muss.

Auch im anschließenden Austausch zwischen den Generationen in Gestalt der beiden EB-Mitarbeiter Ida Teschner (Social-Media-Managerin, Gen Z) und Christoph Kolz (Ausbildungsleiter, Boomer-Generation), unterstrichen diese beiden, wie wichtig der Austausch sei. Deshalb gibt es im Azubi-Vesperraum jetzt auch ein Handyverbot. Zudem bräuchten junge Leute Orientierung, so Veit weiter. Wenn einer mal nichts sage, dann könne dies einfach an Verunsicherung liegen: „Man muss sie an die Hand nehmen.“ Denn wenn diese von zu Hause nicht wüssten, was eine Kombizange ist, dann könnten sie nicht sehen, wo Zupacken angesagt ist.

Die Gruppe macht viel richtig

Dass die EB-Gruppe, die aus zehn Unternehmen besteht und einen Jahresumsatz von mehr als 80 Millionen Euro hat, mit ihrer Art des Umgangs mit jungen Leuten vieles richtig macht, spiegeln auch einige Zahlen: So sind unter den 371 Beschäftigten 91 Auszubildende in sieben Ausbildungsberufen, was einer Quote von rund 24 Prozent entspricht. „48 Prozent der Belegschaft haben wir selbst ausgebildet“, berichtet Klaus Finger, geschäftsführender Gesellschafter.

Die Umfragen brachten interessante Ergebnisse. Foto: Stefanie Schlecht

Die verschiedenen Standorte, die über die Region verteilt sind, sind ein weiteres Pfund, mit Blick auf die Gen Z, so Klaus Finger weiter. Entstanden ist das Standortnetz durch die Übernahme einiger Firmen wie Elektro-Schneider in Deckenpfronn im Jahr 2011. Der damalige Inhaber habe keinen Nachfolger gefunden und er habe Personal gesucht, blickt der Firmenchef zurück. Dadurch, dass die Firma als eigenständiges Unternehmen in der Gruppe erhalten bleibt, könne er nun jungen Leuten die Perspektive aufzeigen, dass auch im Handwerk eine Karriere möglich ist.

Viele Standorte gleich viele Vorteile

Ein weiteres Plus mit Blick auf die junge Generation, die kurze Wege zwischen Arbeit und Wohnen schätzt, ist das Standortnetz rund um Stuttgart. Dadurch sind für Wege für die Beschäftigten zur Arbeitsstelle und den Kunden kurz. Und falls ein Angestellter umzieht, dann müsse dieser nicht mehr das Unternehmen wechseln, sondern nur den Standort.