Thomas Hitzlsperger strebt nach seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender beim VfB Stuttgart einen neuen Lebensabschnitt an. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit, meint unser Sportredakteur Carlos Ubina.
Stuttgart - Thomas Hitzlsperger hat sich das alles gut überlegt. Seine bedachten Worte und sein zurückhaltendes Auftreten. Das macht er immer so. Denn er mag es nicht, unvorbereitet zu erscheinen. Und nun will der Vorstandschef erhobenen Hauptes aus dem Amt scheiden. Ein selbst gewählter Abschied beim VfB Stuttgart, wo die Präsidenten, Trainer und Manager ansonsten davongejagt werden. Das ist die Botschaft. Nach sechs intensiven Jahren, wie Hitzlsperger betont. Mit dann 40 Jahren strebt er einen neuen Lebens- und Berufsabschnitt an.
Das ist sein gutes Recht. Doch Hitzlspergers Argumentationslinie offenbart Risse und wirkt deshalb an entscheidenden Stellen schwach. Der AG-Boss will partout den Eindruck vermeiden, er flüchte vor den veränderten Machtverhältnissen beim VfB. Für Kontinuität und nachhaltigen Erfolg wollte er sorgen, und gerade als die Stuttgarter nach langer Zeit des Irrlichterns ein Fundament für die nächsten Jahre gegossen haben, verlässt einer der Architekten das Haus mit dem roten Clubdach. Das passt nicht, wenngleich die Beweggründe redlich sein mögen.
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Vielmehr ist es so, dass der ehemalige Nationalspieler den Führungsstreit mit dem Präsidenten Claus Vogt nicht vergessen kann. Woraus sich ableitet, dass für Hitzlsperger eine ehrliche und konstruktive Zusammenarbeit mit dem wiedergewählten Vereinschef unvorstellbar bleibt. Denn allein, was sich auf der Mitgliederversammlung im Juli auf der Bühne und hinter den Kulissen abspielte, war scheinheilig. Ein Zusammenschluss wurde demonstriert, aber Hitzlsperger fühlte sich mit seinen wirklichen Anliegen alleingelassen.
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Vor diesem Hintergrund ist Hitzlspergers Entscheidung konsequent. Doch für den VfB wird es nun darauf ankommen, dass er von der Nachfolgediskussion sportlich unberührt bleibt. Zunächst in der laufenden Saison, die schwierig genug erscheint, und später darüber hinaus. Denn die Stuttgarter sollten rasch die Rahmenbedingungen verbessern, um weiter an ihrer Mannschaft der Zukunft bauen zu können. Dafür ist nicht wichtig, wer geht, sondern, wer kommt.