Durch eine Gesetzesänderung zu Automatikfahrzeugen werden E-Autos für die Betriebe interessant.
Waiblingen - Vor gut anderthalb Jahren hat Bernd Gutbrod den ersten E-Golf für seine Fahrschule in Waiblingen angeschafft – als Ersatz für einen alten Diesel. „Wir haben ein neues Automatikauto gebraucht, und weil ich sowieso gerne ein E-Auto wollte, haben wir uns für den E-Golf entschieden“, sagt der Fahrlehrer. „Das hat sich unter den Fahrschülern rumgesprochen, viele wollen mit diesem Auto fahren.“
Gerade junge Führerscheinanwärter, meint Bernd Gutbrod, seien oft sehr umweltbewusst und interessierten sich für Elektromobilität. Doch obwohl das Thema immer mehr an Bedeutung gewinnt, haben noch lange nicht alle Fahrschulen ein Elektroauto in ihrer Fahrzeugflotte. Und das hat dem Waiblinger Fahrlehrer Frank Häußermann zufolge seine Gründe. Einer davon sei die aktuelle Gesetzgebung. Denn wer in Deutschland in einem Auto mit Automatikgetriebe, also auch in einem E-Auto, den Führerschein macht, darf kein Auto mit einer manuellen Schaltung fahren – außer, er absolviert eine zusätzliche, kostenpflichtige praktische Prüfung mit einem Auto mit Schaltgetriebe. „Für die meisten ist eine Prüfung im Automatik-Auto deshalb keine Option“, sagt Häußermann. „Aber die Gesetzeslage soll sich ja bald ändern.“
Zusatzprüfung an Schaltgetrieben einfacher
Die EU-Kommission hat inzwischen grünes Licht für die Abschaffung der Automatik-Regel bei der Fahrprüfung gegeben. Künftig müssen Fahrschüler keine separate Prüfung mehr ablegen, um Autos mit Schaltgetriebe zu fahren, sondern sie müssen lediglich zehn Fahrstunden à 45 Minuten in einem Fahrzeug mit Schaltgetriebe nachweisen. Hinzu kommt ein 15-minütiger Fahrtest.
Diese Neuregelung könnte es auch für Frank Häußermanns Fahrschüler interessanter machen, ihre Fahrstunden im E-Auto zu absolvieren. In den nächsten zwei Jahren will auch er sich ein neues Auto anschaffen – entweder ein Elektro-, ein Hybrid- oder ein Wasserstoff-Fahrzeug. Doch er zögert noch, denn: „Ich finde, solange man hier keinen Ökostrom tanken kann, sondern auf Kohlekraft angewiesen ist, macht das ökologisch keinen Sinn“, sagt Häußermann. „Wasserstoff wäre wohl derzeit ökologischer, aber da ist man noch nicht so weit.“ Außerdem sei die Reichweite von E-Fahrzeugen für den Fahrschulbetrieb oft zu gering, meint Häußermann. Und nicht alle seien als Prüfungsauto zugelassen. „In einem E-Smart zum Beispiel hätte der Prüfer keinen Platz“, berichtet er.
Verband: Zukunft wird e-mobil
Bernd Gutbrod will seine Fahrzeugflotte indes weiter mit Elektroautos aufstocken, er plant bereits den Kauf des zweiten E-Fahrzeugs. Für ein bestimmtes Modell hat er sich noch nicht entschieden. Wichtig ist ihm aber, dass der Akku eine große Kapazität hat. „Wir fahren mit dem Fahrschulauto häufig die Strecke Richtung Ulm und Merklingen“, sagt Gutbrod. „Hin und zurück wird das mit dem E-Golf schon oft knapp. Aber wir können an Ladesäulen zwischenladen, das muss man halt mit einplanen.“
Auch andere Fahrschulen gehen offenbar die nächsten Schritte in Richtung Elektromobilität. Wie der Branchenverband Moving International Road Safety Association mitteilt, wollen viele deutsche Fahrschulen in den nächsten Jahren deutlich in Sachen E-Mobilität aufrüsten. Eine Umfrage des Vereins im vergangenen Jahr ergab, dass rund 40 Prozent der Fahrschulen das Thema als wichtige Herausforderung sehen. Ein Jahr zuvor lag dieser Anteil lediglich bei 24 Prozent.
Auch Bernd Gutbrod glaubt, dass die Fahrschulen in Zukunft vermehrt auf Elektromobilität setzen. „Bisher sind E-Autos in den Fahrschulen noch nicht so verbreitet, aber ich denke, das kommt“, sagt er. „Gerade auch durch die Neuregelung bei der Führerscheinprüfung.“
Einbrüche wegen Corona
Das Thema Elektromobilität ist jedoch nicht das einzige, das die Fahrschulen derzeit beschäftigt. Auch die Corona-Krise hat in der Branche ihre Spuren hinterlassen. Frank Häußermanns Fahrschule war sieben Wochen lang wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Inzwischen sei aber wieder „die Hölle los“, erzählt er. „Viele konnten ihren Führerschein wegen der Corona-Krise nicht fertig machen, jetzt nimmt der TÜV aber wieder Fahrprüfungen ab“, sagt Häußermann. „Entsprechend wollen jetzt natürlich alle rasch fertig werden.“
Auch Bernd Gutbrod musste seine Fahrschule aufgrund der Corona-Krise acht Wochen lang dichtmachen, seine Mitarbeiter musste er in dieser Zeit in Kurzarbeit schicken. Zwar sei auch bei ihm die Nachfrage jetzt wieder sehr groß, erzählt er. Aber durch die Hygieneauflagen sei vieles komplizierter geworden. „Wir müssen die Fahrzeuge jetzt nach jedem Fahrschüler desinfizieren und mit Maske fahren“, berichtet Gutbrod. „Und pro Auto ist nur noch ein Fahrschüler erlaubt. Das heißt, wir müssen die Schüler jetzt an einem Haltepunkt, zum Beispiel am Bahnhof, absetzen und abholen und nicht mehr zu Hause.“ Und das gilt natürlich für alle Fahrschulautos – ob mit Verbrennungs- oder Elektromotor.