Heute daddelt man sich mit dem Smartphone durch das Verkehrsregelwerk. Bei der Anmeldung für die Theorieprüfung hapert es aber bei der Software gewaltig. Foto: dpa

Das Warten nimmt kein Ende: Bis zu zwei Monate müssen sich Fahrschüler bei einem Termin für die theoretische Prüfung gedulden. Reichen künftig die Kapazitäten?

Stuttgart - Im Juni hatte der Tüv-Süd eine neue Software eingeführt, die den Buchungsprozess für Fahrprüfungen erleichtern sollte. Was folgte, war für die Stuttgarter Fahrlehrer und -schüler alles andere als eine Erleichterung.

Fehler in der Software und ein erhöhtes Fahrschüleraufkommen hatten zur Folge, dass die Fahrschüler vor den Sommerferien teils bis zu zwei Monate auf einen Prüfungstermin warten mussten. Die Fahrlehrer forderten beim Technischen Überwachungsverein (Tüv), der als einziger in Baden-Württemberg Fahrprüfungen abnehmen darf, Verbesserungen. Obwohl dieser nach eigenen Angaben bis September 2,4 Prozent mehr Prüfungen durchführte als im gleichen Zeitraum 2017 und bereits zu Jahresbeginn neue Mitarbeiter eingestellt hatte und diesen Personalaufbau auch weiter vorantreibe, hat sich die Situation kaum entspannt.

„Wir sind auf dem Weg zur Normalität, aber dort angekommen sind wir noch lange nicht“, erklärt Fahrlehrer Roland Herter, während er auf dem Bildschirm seines Computers versucht, einen Prüfungstermin außerhalb seiner Exklusivtermine zu buchen. „Hier, bis Kalenderwoche 50 ist nichts verfügbar. Und wenn man beim Tüv anrufen möchte, erreicht man nie jemanden.“ Herter sieht die Situation dennoch relativ gelassen, das sei aber nicht bei allen seinen Kollegen der Fall, berichtet er weiter: „Viele meiner Kollegen sind immer noch sehr sauer“.

Tüv soll Last-Minute-Prüfplätze anbieten

Aufgrund der zugespitzten Lage zwischen Fahrschulen und Tüv sah sich nun das Verkehrsministerium Baden-Württemberg gezwungen zu handeln: Der Tüv-Süd wurde unlängst zum Gespräch mit Amtschef Uwe Lahl zitiert. Als Grund für die Notwendigkeit dieses Treffens gibt das Verkehrsministerium die zwar verbesserte, aber noch nicht zufriedenstellende Terminverfügbarkeit sowie die schwere Erreichbarkeit an. Der Tüv habe im Laufe des Gesprächs die Auflage erhalten, sein Beschwerdemanagement zu verbessern und so genannte Last-Minute-Prüfplätze freizugeben, teilte das Ministerium mit.

Als Sofortmaßnahme müssen bis Ende März 2019 außerdem mindestens fünf neue Prüfer eingestellt werden. Zur Unterstützung möchte das Verkehrsministerium prüfen, ob „die Zugangsvoraussetzungen für Fahrerlaubnis-Prüfer im Wege von Ausnahmegenehmigungen“ erleichtert werden können, heißt es aus der Pressestelle. Aber auch die Fahrschulen seien in der Pflicht, Prüfplätze nicht zu „bunkern“.

Sanktionen gegen Tüv möglich: Ende der Monopolstellung

Dass der Tüv in der Lage ist, diese Forderungen zu erfüllen, daran glauben in den Stuttgarter Fahrschulen wenige: „Die Meinung ist, dass der Tüv einfach nicht die Kapazitäten hat, um die immer weiter ansteigende Anzahl an Fahrprüfungen abzudecken,“ erzählt Fahrlehrer Herter. Hinzu käme, dass kurz vor der Weihnachtszeit erfahrungsgemäß wieder ein größerer Bedarf an Prüfungen zu erwarten sei. Dann bestünde die Gefahr, dass die Situation, die sich jetzt langsam beruhige, wieder verschärfe.

Was passiert, wenn der Tüv die gestellten Forderungen nicht erfüllt, dazu möchten sich auf Nachfrage unserer Zeitung weder Verkehrsministerium noch Tüv äußern. Vermutungen gibt es jedoch viele: Von einer drohenden Aufhebung der Monopolstellung des Tüv ist unter Experten die Rede. Doch ob das realisierbar und von Vorteil für das Fahrprüfungssystem wäre. ist auch umstritten.

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