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Mit beleidigenden Worten lästert die US-Spitzendiplomatin Victoria Nuland inmitten der ukrainischen Krise am Telefon über die EU-Partner in Brüssel. Die EU reagiert gelassen. Aber wer hat den Telefonmitschnitt veröffentlicht?

Washington/Berlin - Victoria Nuland (52) hat mit ihrer früheren Chefin Hillary Clinton viel gemein. Die neue Ministerialdirektorin für Europa teilt nicht nur deren Vorliebe für Hosenanzüge, sondern auch ihre wenig diplomatische Sprache hinter den Kulissen. Insider berichten, Ex-Außenministerin Clinton habe intern ständig das „F-Wort“ im Munde geführt. Ein Stil, der offenbar auf ihre einstige Sprecherin abfärbte.

In dem abgehörten Gespräch zwischen Nuland und dem US-Botschafter in der Ukraine Geoffrey Pyatt fällt ihre „Fuck the EU“-Bemerkung (deutsch etwa: „Scheiß’ auf die EU“) fast beiläufig. Nuland betont auch, sie halte den von EU-Ländern geförderten ukrainischen Oppositionspolitiker Vitali Klitschko für nicht regierungstauglich. Klitschko bezeichnete in der „Bild“-Zeitung die Veröffentlichung des Telefonats als Provokation und als Falle.

Die beiden Diplomaten hatten vorher ausführlich ihre Strategie in der ukrainischen Krise diskutiert. Die ukrainische Opposition demonstriert seit mehr als zwei Monaten gegen die Führung um Präsident Viktor Janukowitsch­, weil diese auf Druck Russlands ein Partnerschaftsabkommen mit der Europäischen Union (EU) verweigert hatte. Die EU und die USA wollen in der Krise vermitteln. Darüber redeten Nuland und Pyatt, als die Diplomatin sagte: „Fuck the EU.“

Moskau schweigt

Der Satz reflektiert dabei das anhaltende Unverständnis von US-Politikern über das langsame Mahlen der Mühlen in Brüssel. Der Fauxpas von Präsident Barack Obamas Top-Beraterin kommt nach deren transatlantischer Entschuldigungstour in Sachen NSA eher unpassend als das er ernsthafte Seelenerforschung auslöste. Von Zerknirschung keine Spur. Nuland habe sich bei den entsprechenden Stellen entschuldigt, heißt es aus dem Außenministerium lapidar.

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel seien die Bemerkungen aber „absolut unakzep­tabel“, so eine Regierungssprecherin am Freitag in Berlin. Die EU reagierte hingegen demonstrativ gelassen auf die Äußerungen.

Statt sich selber an die Nase zu fassen, gehen­ die Amerikaner in die Offensive. Das Außenministerium zeigt mit dem Finger nach Russland, dem Psaki vorhält, bei der Veröffentlichung des abgehörten Telefonats auf dem Internetportal „You Tube“ mitgemischt zu haben. Aus Sicht von US-Analysten spricht auch der Zeitpunkt eindeutig für einen Job der russischen Geheimdienste. Hielt sich Nuland am Tag der Veröffentlichung doch zu Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten und der Opposition in Kiew­ auf. Das Außenministerium in Moskau wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern.

Nuland: Das gehört zum Job

Auch die Veröffentlichung eines zweiten abgehörten Telefonats zwischen der stellvertretenden EU-Außenbeauftragten Helga Schmitt und dem EU-Botschafter in der Ukraine Jan Tombinski ziele eindeutig darauf ab, einen Keil zwischen die transatlantischen Partner zu treiben.

Nuland selbst lässt die Aufregung an sich abperlen. Auf den Fauxpas angesprochen, reagiert sie laut „New York Times“ mit einem Lächeln. „Das gehört zum Job.“

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