In der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen sorgt ein direkt verwandelter Eckball für Jubel, aber auch für großen Unmut. Derweil ist ein Aufsteiger neuer Spitzenreiter.
Wachablösung am 12. Spieltag der Fußball-Bezirksliga Stuttgart/Böblingen. Nach sechs Wochen in Folge heißt der Tabellenführer nicht mehr TV Darmsheim. Der Landesliga-Absteiger kassierte eine überraschende 1:4-Niederlage und ist auf den dritten Platz abgerutscht mit nun 23 Punkten. So viele Zähler haben drei weitere Teams bislang ebenfalls ergattert, sodass in dieser Spielzeit im Titelkampf für so viel Spannung gesorgt ist wie selten zuvor – und ein Überraschungsteam nun der Gejagte ist.
SV Nufringen – TSV Jahn Büsnau
Die geballte Spitzenkompetenz führt nach dem 5:2-Sieg beim SV Nufringen mit dem Aufsteiger TSV Jan Büsnau ein Team an, mit dem vor der Spielzeit keiner gerechnet hat – selbst in den eigenen Reihen sorgt dies für große Verwunderung. Auch wenn Trainer Dominik Lehnhardt für die Situation typisch von „einer Momentaufnahme“ spricht, will er seinen Spielern die Qualität aber auch nicht absprechen. „Wir stehen nun oben, irgendwie müssen wir da ja auch hingekommen sein“, sagt er. Unter anderem auch mit einem gefährlichen Sturm: 38 Treffer bedeuten Liga-Höchstwert. Gelungen scheinen also die internen Umbauarbeiten, um nach dem Abgang des 31-Tore-Mannes Cedric Hornung zum Landesligisten SV Böblingen nicht in die eigene Toredepression zu verfallen. „Wir sind durch diverse Umstellungen variabler in Sachen Toreschießen geworden“, sagt Lehnhardt, dessen Aussage durch fünf unterschiedliche Schützen beim jüngsten Sieg unterstrichen wird. Darunter auch der beste interne Torschütze Marc Hetzel mit nun acht Treffern und der zweitbeste, Lehnhardts Bruder Sebastian (6 Tore), der in der Anfangsphase der Nufringen-Partie sogar einen Foulelfmeter verschossen hat.
Besagte Momentaufnahme soll auf weitere Momente ausgedehnt werden. Der Überraschungsspitzenreiter hat nämlich vorerst keine Lust, die Poleposition zu räumen. Sieben Punkte sollen es laut dem Büsnauer-Coach aus den noch drei Spielen bis zur Pause werden. Keinesfalls überheblich, sondern die logische Konsequenz des bisherigen. Alle Heimspiele hat der Aufsteiger bislang gewonnen, zwei stehen noch aus.
VfL Oberjettingen – Spvgg Cannstatt
Mit dem gleichen Torverhältnis trotz des 7:1-Siegs beim Schlusslicht VfL Oberjettingen, aber weniger erzielter Treffer als der neue Klassenprimus aus Büsnau, belegt die Spvgg Cannstatt im Kreise der 23-Punkte-Kandidaten Platz zwei. „Es macht aktuell riesigen Spaß“, sagt denn auch Cannstatts Coach Damian Nagler. 6:1 in der Vorwoche gegen Dagersheim, nun sogar ein Treffer mehr, da werden auch die Nerven des Übungsleiters nicht strapaziert, verbringt er gechillte Spielenachmittage. „Die Jungs machen es einfach gut, haben Oberjettingen kaum am Leben gelassen, hoch gepresst, Bälle ergattert und schnell Richtung Tor umgeschaltet“, freut sich Nagler. Und wie gesagt, dann auch noch siebenmal getroffen – das Ganze bei sechs unterschiedlichen Schützen. Einzig Aimar Lizoain Garayoa schnürte den Doppelpack. Seine Torpremiere in seinem zweiten Spiel für die Hofener-Straßen-Elf feierte Dennis Schmidt, garniert mit einem Sonderlob seines Trainers. „Was er auf der Sechserposition gelaufen ist und Löcher gestopft hat, sensationell.“
Nun also Platz zwei nach zwölf Spielen. Es ist bei den Cannstattern an der Zeit, das Saisonziel zu korrigieren, den Klassenverbleib als erledigt abzuhaken – oder Damian Nagler? „Ja, sicherlich. Ob wir aber nach ganz vorne schielen, das zeigt sich nach den drei noch ausstehenden Partien vor der Winterpause.“ Als Erstes steht am Sonntag das Heimspiel gegen den SV Bonlanden und das Wiedersehen mit Ex-Coach Carmine Napolitano auf dem Programm. Im Anschluss empfängt die Spvgg den Landesliga-Absteiger SV Rohrau und geht es zum Abschluss des Spieljahrs noch nach Holzgerlingen.
SV Bonlanden – TV Echterdingen II
Zu dem Spitzen-Viererpack zählt auch derTV Echterdingen II. Zwar patzte das Filderteam, reichte es im Derby beim SV Bonlanden nur zu einem 1:1 und kam es zum ersten Punktverlust nach sieben Pflichtspielsiegen inklusive zwei Pokalauftritten. Doch was heißt da „nur“, gibt Coach Sascha Blessing zu bedenken: „Bonlanden ist eine Topmannschaft und ich denke, das Remis geht in Ordnung.“ Probleme der Seinen am vergangenen Spieltag: Man habe anders als zuletzt nicht richtig ins Spiel gefunden, somit auch nicht den richtigen Zugriff bekommen, so Blessing. Derweil Hadern auf der anderen Seite. „Es läuft aktuell irgendwie komisch, wobei ich meiner Mannschaft gar keinen Vorwurf machen kann, sie spielt gut“, sagt der Coach Carmine Napolitano. Ganz und gar nicht komisch fand der Bonlandener Übungsleiter die Rote Karte gegen seinen Sechser Dawid Lebkuchen kurz vor der Pause. Nach dessen Trikotzupfer habe der Schiedsrichter nach Rückfrage auf Vereitelung einer Torchance aber nicht Notbremse entschieden, obwohl noch ein anderer unserer Akteure hätte eingreifen können, wundert sich Napolitano. Für den Übeltäter bedeutet dies erneutes Zuschauen. Er kam erst von einer Gelb-Rot-Sperre zurück. Blessing kann indes den Ärger seines Kollegen verstehen. „Keine eindeutige Situation, wir hätten uns wohl auch geärgert.“ Zu diesem Zeitpunkt stand es nach dem Gäste-Führungstreffer durch Wesley Acholonu – „ein ganz starker Spieler“, lobt gar Napolitano – und dem Ausgleich von Bonlandens Torjäger Agonis Berisha 1:1.Derweil begann die Partie munter. „So nach 40 Sekunden“, verriet Blessings Blick auf die Uhr, kam es prompt zu gegenseitigen Hallo-Wach-Aktionen. Zwei Großchancen für die Heimelf, unter anderem lenkte Gästeschlussmann Max Winkler einen Abschluss von Lukas Tschentscher aus kürzester Entfernung noch an die Latte, im Gegenzug scheiterte Acholonus aussichtsreich. Bleibt noch die Frage nach der Überzahl in Hälfte zwei? „Wie gesagt, unser Motor stotterte dieses Mal und wir agierten vorsichtig, weil Bonlanden immer wieder Nadelstiche setzte.“ Beim Blick auf die Tabelle ist Napolitano dann erneut etwas Komisches aufgefallen. Vor drei Wochen noch sieben Zähler hinter dem Tabellenführer, nach „drei Remis in Serie nun nur noch sechs. Wie geht das denn?“, fragt er lachend.
Croatia Stuttgart – SV Vaihingen
Derweil eine Premiere und dann gleich was für eine, gab es für Maxim Haug. Dieser durfte erstmals in dieser Spielzeit die Ecken ausführen und verwandelte in der sechsten Minute der Nachspielzeit direkt zum 2:1-Siegtreffer seines SV Vaihingen bei Croatia Stuttgart. Ein wichtiger Treffer, reihen sich die Vaihinger doch mit einem Punkt Rückstand hinter den aktuell „Top-Vieren“ ein. Jedoch ein Tor, das für die Gastgeber nicht nur vom Zeitpunkt her unglücklich war, sondern auch deren Puls bis zum Anschlag hochschlagen ließ und für Zündstoff sorgte. Stein des Anstoßes war nicht der Treffer selbst, vielmehr die Szene, die zum Eckball führte. Laut Croatia-Trainer Niki Oroz war ein Vaihinger Spieler zuletzt am Ball, dieser sah das aber anscheinend anders. „Wir haben in der ersten Hälfte einen falsch gegebenen Einwurf korrigiert, die Gäste in dieser Situation den Fair-Play-Gedanken nicht berücksichtigt“, ärgert er sich. Generell war Oroz in seinem fünften Spiel als Croatia-Chef mit dem Auftritt seiner Truppe zufrieden, haderte aber einmal mehr mit der Chancenverwertung. „Wir müssen die Partie entscheiden, ehe Vaihingen richtig aufgekommen ist.“ Bezeichnend für die fehlende Zielgenauigkeit der Elf vom Frauenkopf: Die Führung der Seinen besorgte Nenad Stevanovic nach 54 Minuten, seines Zeichens Innenverteidigung. Mehr noch: aktuell bester Croatia-Schütze mit vier Treffern. Erst danach und mit der Umstellung auf zwei Stürmer – Rüchan Pehlivan bekam Unterstützung vom eingewechselten Maximilian Eisentraut – „wurden wir zwingender und drückten auf den Ausgleich“, konstatiert der Vaihinger Co-Trainer Marco Eichler. Dieser fiel durch Vincent Moser (76.) nach Steckpass des späteren Siegtorschützen Maxim Haug. „Gefühlt an Dreiviertel des Croatia-Teams vorbei“, so Eichler. Auch Oroz bestätigt: „Echt schön herausgespielt.“ Ebenso bestätigt er den Bärendienst, den Filip Rajic seinem Team erwiesen hatte. Zur 70. Minute gekommen ging dieser bereits 18 Minuten später wieder per Ampelkarte. Beide Gelbe Karten seien korrekt gewesen, aber in einem so kurzen Abstand nicht nachvollziehbar.
TSV Musberg – ASV Botnang
Weit entfernt von den Spitzenteams ist derTSV Musberg nach dem 2:0-Heimsieg über den Aufsteiger ASV Botnang denn auch nicht. Es sind gerade mal fünf Zähler. Doch damit beschäftigt sich Musbergs Coach Christopher Eisenhardt nach eigener Aussage „überhaupt nicht“. Nach drei sieglosen Spielen mit zwei Unentschieden lag das Interesse am Gewinnen, weniger an der Art und Weise. Nicht wunderschön spielen sei gefragt gewesen, sondern eklig sein, diszipliniert agieren und kompakt stehen. „Das ist uns gut gelungen und ich glaube, wir haben auch verdient gegen einen unangenehmen und guten Aufsteiger gewonnen.“ Auch Eisenhardts Botnanger Kollege Alexander Schweizer hält den Hausherrensieg für gerechtfertigt: Die Seinen hätten mehr Spielanteile gehabt, Musberg aber die besseren Chancen. Wie auswärts üblich, habe man keinen Erwachsenen-Fußball gezeigt, sei in entscheidenden Situationen zu naiv gewesen. Zudem gesellte sich Pech. Ein Eckball sprang Yasir Aouini unglücklich ans Bein und von dort aus ins eigene Tor. Wobei Schweizer gesteht: „Die Musberger Standards sind verdammt gut.“ Pech aus Schweizers Sicht auch wegen einer Schiedsrichterentscheidung in Minute 25. Sein Akteur Ari Ilhan sei außerhalb des Strafraums von Musbergs Schlussmann Giorgi Alber gefoult worden. „Warum es dafür nur Gelb anstatt Rot gegeben hat, keine Ahnung.“ In Gleichzahl ging’s weiter und nach der Pause schloss Julien Kappeler einen schönen Spielzug nach Vorarbeit von Ahmet Keseroglu zur Entscheidung ab.
Die Statistik zum 12. Spieltag
SV Nufringen – TSV Jahn Büsnau 2:5. Tore: 0:1 Bauer (28.), 1:1 Ludolph (35.), 1:2 Sebastian Lenhardt (40.), 1:3 Specht (56.), 1:4 Hetzel (62.), 1:5 Azizu Anaba (63.), 2:5 Tauber (78., Handelfmeter). Besonderes: Sebastian Lenhardt scheitert per Foulelfmeter an Schäble (7.).
Spvgg Holzgerlingen – SV Rohrau 3:3. Tore: 1:0 Mayer (38.), 2:0 Yilmaz (41.), 3:0 Kislat (46.), 3:1 Simon Kamm (54., Foulelfmeter), 3:2 Krägeloh (81.), 3:2 Fiscella (83.). Besonderes: –
SV Bonlanden – TV Echterdingen II 1:1.Tore: 0:1 Acholonu (10.), 1:1 Berisha (42.). Besonderes: rote Karte für Lebkuchen (Bonlanden, 44./Notbremse)
VfL Oberjettingen – Spvgg Cannstatt 1:7. Tore: 0:1 Ziegler (7.), 0:2 Ipowitz (21.), 0:3 Lizoain Garayoa (44.), 0:4 Lizoain Garayoa (50.), 1:4 Leidner (55.), 1:5 Schulz (56.), 1:6 Schmidt (70.), 1:7 Nimigean (88.). Besonderes: Gelb-Rot für Wolfer (Oberjettingen, 89.)
TSV Dagersheim – VfL Herrenberg 2:9. Tore: 0:1 Baurycza (7.), 0:2 Kugel (9.), 0:3 Abaliogu (21.), 0:4 Abalioglu (23.), 0:5 Abalioglu (26.), 0:6 Hartmann (34.), 0:7 Andritschke (37.), 1:7 Neumann (50.), 1:8 Vargas Müller (52.), 1:9 Baurycza (58.), 2:9 Neumann (60.). Besonderes: –
SV Deckenpfronn – TV Darmsheim 4:1. Tore: 1:0 Wetsch (6.), 1:1 Lindner (20.), 2:1 Christmann (47.), 3:1 Schwarz (49.), 4:1 Kevin Wolf (69.). Besonderes: Gelb-Rot für Schwarz (Deckenpfronn, 68.)
TSV Musberg – ASV Botnang 2:0. Tore: 1:0 Aouini (8., Eigentor), 2:0 Kappeler (64.). Besonderes: –
Croatia Stuttgart – SV Vaihingen 1:2. Tore: 1:0 Stevanovic (54.), 1:1 Vincent Moser (76.), 1:2 Haug (90.+6). Besonderes: Gelb-Rot für Rajic (Croatia, 88.)