Der DRSF kämpft mit den Folgen der FTI-Insolvenz. Wann gibt es Geld zurück? Foto: dpa/Sven Hoppe

Hoffnung für Geschädigte der FTI-Insolvenz: Es gibt 250.000 Pleite-Betroffene, für deren Rückzahlungen nun bald ein Zeitplan stehen soll. Auf Anfrage hat der Deutsche Reisesicherungsfonds (DRSF) Details bekannt gegeben.

Nach der FTI-Insolvenz glühen beim Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF) in diesen Tagen die Leitungen. Zur Bearbeitung der zahlreichen Medienanfragen wurde eigens die PR-Agentur fischerAppelt engagiert, die sich ebenso wie der FTI-Firmensitz in München befindet.

Im Eiltempo und ganz ohne Komplikationen wird die Rückzahlung für Pauschalreisen wohl nicht vonstattengehen, obwohl der Reisesicherungsfonds über genügend Mittel für die FTI-Pleite verfügt: „Der Erstattungsprozess startet, sobald alle Voraussetzungen erfüllt sind: Unter anderem müssen die Daten zu Buchungen aus 44 Ländern und für 105 Destinationen aufbereitet werden. Zudem ist es unsere Aufgabe, sicherzustellen, dass die Erstattungsprozesse den zeitgemäßen Anforderungen an IT-Sicherheit, Datenschutz und Compliance entsprechen“, teilt Dr. Holger Handstein von fischerAppelt auf StZN-Anfrage mit.

FTI-Rückzahlung bis Herbst?

Dennoch zeigt man sich beim DRSF optimistisch, nachdem bereits 60.000 Reisenden geholfen werden konnte, die zum Zeitpunkt der FTI-Pleite am 3. Juni weltweit unterwegs waren. 250.000 Reisen konnten gar nicht stattfinden und mussten nach dem Insolvenzantrag storniert werden. „Der Erstattungsprozess für alle weiteren Reisen ist in Vorbereitung und wird in wenigen Wochen beginnen. Im Herbst soll der Großteil der Erstattungen ausgezahlt sein“, heißt es von Dr. Handstein. Zudem verfüge der DRSF über eine bestehende IT-Plattform, die derzeit im Hinblick auf die Daten der FTI-Gruppe angepasst werde.

Prinzip des DRSF sei es, im Insolvenzfall eine sogenannte Zusatzorganisation zu aktivieren, die auch aus externen Dienstleistern besteht. Diese Zusatzorganisation sei nun aktiviert worden.


FTI-Rückerstattung nach doppelter Zahlung?

Laut Reisesicherungsfonds sind weniger als 100 Langzeiturlauber noch unterwegs und werden ihre Reisen voraussichtlich wie geplant beenden. Der DRSF konnte die Betreuungs- und Rückführungsmaßnahmen für Pauschalreisende, die zum Zeitpunkt der Insolvenz bereits ihren Urlaub angetreten hatten, nach eigenen Angaben weitgehend abschließen.

Im Rahmen der ersten Phase habe der DRSF auch Zahlungen an Hotels in den Urlaubsgebieten getätigt. Allerdings hat das laut Medienberichten nicht alle Betroffenen davor geschützt, vor Ort in manchen Hotels den Aufenthalt erneut bezahlen zu müssen. Entsprechende Medienberichte gibt es unter anderem aus Ägypten und von den Kanaren. Mallorca und die Nachbarinseln waren indes nicht betroffen. Eine der beiden geleisteten Zahlungen kann der DRSF nachträglich zurückerstatten, falls alles ordentlich dokumentiert ist.

Reisesicherungsschein von DRSF und FTI

„Von der FTI-Insolvenz betroffene Kunden sollten in jedem Fall den Reisesicherungsschein des DRSF, ihre Buchungs- und Zahlungsbelege und gegebenenfalls weitere Belege bereithalten, sofern während der Reise vor Ort Zahlungen geleistet wurden“, rät fischerAppelt. Der DRSF werde Betroffene zusätzlich darüber informieren, welche Daten für den Rückerstattungsprozess benötigt würden.

Von eigenmächtigen Rückbuchungen bei Pauschalreisen raten Juristen im Übrigen ab, da sonst die Entschädigungsansprüche aus dem DRSF in Gefahr sind. Ohnehin kann eine Rückbuchung von Kreditkartenzahlungen bis zu zwei Monate in Anspruch nehmen. Bis dahin wird der Reisesicherungsfonds möglicherweise schon mit der Rückerstattung begonnen haben.

FTI-Einzelleistungen vs. Pauschalreise

Anders sieht es laut den Anwälten möglicherweise mit Einzelleistungen wie Mietwagen oder Hotel aus, da solche Reisebestandteile nicht versichert sind, wenn nicht mindestens zwei Komponenten (zum Beispiel Hotel und Transfer) in der Buchung enthalten sind. Nur dadurch ist die Definition einer „Pauschalreise“ erfüllt.

FTI hat nach Informationen aus der Reisebranche von sich aus viele (wenn nicht alle) ausstehenden Einzelleistungen storniert. In diesem Fall ist eine Rücklastschrift innerhalb einer Frist von acht Wochen denkbar, während Überweisungen in keinem Fall rückgängig gemacht werden können. Bei Kreditkartenzahlungen sind es in der Regel 120 Tage – im Reklamationsformular der Bank dann mit dem Vermerk „Leistung nicht erbracht“ (§ 323 BGB), wobei der Storno rechtssicher belegt sein muss und Institute sowie Kartenanbieter mitspielen müssen. Nicht in allen Fällen geht das glatt: „American Express hat sich hier als der hartnäckigste Kreditkartenanbieter herausgestellt und verweigert das Chargeback-Verfahren bei Insolvenz. Dabei verweisen sie auf eine aus meiner Sicht unwirksame AGB-Klausel. Aus diesem Grund gehe ich mit meinen Mandanten gegen ebendiese AGB-Klausel vor“, so Reiserechtsanwältin Anna Kiehl (Kanzlei Henkelfrau in Kaarst) auf StZN-Anfrage.

FTI-Insolvenztabelle

Ansonsten müssen Rückforderungen für nicht erbrachte Einzelleistungen zur Insolvenztabelle angemeldet werden. Das Insolvenzverfahren wird – anders als die Rückerstattung über den DRSF - allerdings frühestens im September beginnen, heißt es. Solche Verfahren dauern oft Jahre und enden für die Gläubiger meist mit geringen prozentualen Quoten im ein- bis zweistelligen Prozentbereich.

Wer gehört zu FTI?

Die FTI Group ist ein deutscher Reisekonzern aus München. Die FTI Touristik GmbH ist die Konzernobergesellschaft. Auf der Seite des Unternehmens heißt es: „Generell betroffen sind alle bei dem Reiseanbieter FTI Touristik GmbH gebuchten Leistungen.“ Konkret gehören dazu die folgenden Marken:

  • FTI in Deutschland
  • FTI Österreich
  • FTI Niederlande
  • 5vorFlug in Deutschland
  • BigXtra GmbH
  • DriveFTI (Mietwagen)
  • Cars and Camper (Wohnmobile)

Die entsprechenden Reisen oder Dienstleistungen hätten Kunden auf verschiedenen Wegen buchen können, so FTI. Neben Reisebüros und den FTI-Plattformen könnten das etwa die folgenden Online-Buchungsplattformen sein:

  • Sonnenklar.tv
  • Check24 Ab-In-den-Urlaub
  • HolidayCheck

Nicht betroffen seien laut FTI gebuchte Leistungen bei Drittanbietern (wie etwa TUI, Alltours, DERTOUR, vtours, ...), die über die Portale der FTI Touristik gebucht wurden.

Wann kommt FTI-Rückerstattung vom DRSF?

Und wann gibt es für versicherte Pauschalreisen nun Geld aus der FTI-Pleite zurück? Dr. Holger Handstein von fischerAppelt will sich nicht genau festlegen: „Eine Insolvenz vergleichbarer Größenordnung in der Reiseindustrie hat es in Deutschland noch nicht gegeben. Der DRSF hat Erfahrungswerte aus vergangenen Insolvenzen anderer Reiseanbieter. Allerdings waren diese kleiner und dadurch weniger komplex und lassen deswegen keine Schlussfolgerungen auf den aktuellen Prozess zu.“

Praktische Erfahrungswerte mit dem Reisesicherungsfonds, der erst seit November 2021 existiert, gibt es dennoch: Die Abwicklungsdauer beim DSRF habe sich von mehreren Wochen bis zuletzt 1,5 Jahre bewegt, heißt es aus der Branche etwas desillusioniert. Wer zum Kreis der FTI-Geschädigten zählt und diesen Sommer noch reisen will, der sollte sich also schleunigst nach einer alternativen Finanzierung umsehen.