Umjubelter Star-Gast bei der Vorstellung des neuen Projekts: VfB-Maskottchen Fritzle stellte seine fußballerischen Qualitäten unter Beweis. Foto: Günter Bergmann

Der Waldebene-Verein ruft mit Kooperationspartnern den FSV Unified ins Leben, ein Fußballangebot für Menschen mit und ohne Behinderung.

VfB-Maskottchen Fritzle ist keine zwei Minuten in der Halle, da klatscht und lacht es überall. Umarmungen, Handschläge, kurze „Na, alles klar?“-Momente. Über dem Kunstrasen im Fellbacher Soccer-Olymp hängen Nationalflaggen von der Decke, viele Farben, viele Herkunftsorte. Genauso vielfältig soll es auch auf dem Platz sein. Es ist ein Mittwochabend, und der FSV Waldebene Stuttgart-Ost stellt mit zahlreichen Teilnehmenden sein neuestes Projekt vor: den FSV Unified, ein inklusives Fußballangebot.

 

Letzteres soll Schritt für Schritt wachsen, vom Kennenlernen bis zum verlässlichen Trainingsbetrieb.„Wir wollen, dass alle rausgehen und sagen: Das hat Spaß gemacht, ich komme wieder“, sagt Leon Renner. Der Trainer, der sonst eine U-14-Junioren-Mannschaft betreut, kennt Ergebnisdruck und Ehrgeiz. Hier sei der Maßstab ein anderer. „Sportlich steht nicht im Vordergrund, wer gewinnt und wie viele Tore man schießt“, sagt er. „Das Ziel ist, dass alle beteiligt sind.“ Heißt: Sportlerinnen und Sportler mit und ohne Behinderung, unabhängig von der Form ihrer Beeinträchtigung. Und auch unabhängig von ihrem fußballerischen Leistungspotenzial.

Dass ein Amateurverein so etwas aufzieht, sei noch immer die Ausnahme. „Für mich war das komplett neu“, erzählt Renner und spricht über seine Berührungsängste. Vorab habe er sich einen Kopf gemacht: „Mache ich etwas falsch, worauf muss ich achten?“ Aber: „Wenn man es dann erlebt, merkt man schnell: Im Umgang ist es am Ende kein wirklicher Unterschied.“ „Wenn man Berührungspunkte schafft, öffnet das bei vielen etwas“, sagt Renner. Besonders die Spielweise findet der Trainer auffällig. „Im Abschlussspiel gab es kein einziges Foul“, stellt er fest. Da werde sehr aufeinander geachtet. Der Umgang sei kameradschaftlich.

Entstanden ist das Angebot in Kooperation mit dem „Projekt für inklusive Fußballförderung“ (PFIFF) der VfB-Stiftung „Brustring der Herzen“ – deshalb auch der Gast-Besuch von Fritzle. Der PFIFF-Trainer Fritz Quien konstatiert: „Wir schreiben 2025, und beim Thema Inklusion ist der Fußball in Deutschland noch immer erstaunlich rückständig.“ Das zeigt sich aus seiner Sicht auch ganz konkret im Raum Stuttgart, wo es weiterhin zu wenige passende Fußballangebote für Menschen mit Behinderung gebe. Es brauche deshalb Projekte, die nicht nur als Aktionstag funktionieren, sondern dauerhaft. „Dann wird Inklusion normal“, sagt Quien.

Unter den Teilnehmern an diesem Abend ist auch Abdalla, mit 22 Jahren einer der Ältesten. Er arbeitet in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen und braucht im Alltag Unterstützung, etwa beim Anziehen. Begleitet wird er zum Training von seinem Bruder Karim, der gemeinsam mit der Mutter viel Verantwortung übernimmt. Abdalla ist großer Fußballfan, verbringt fast jeden Abend damit, sich Spiele anzusehen. Viele Möglichkeiten, in einem geeigneten Umfeld selbst am Ball aktiv zu werden, hatte er bislang jedoch nicht. Für Menschen wie ihn soll mit dem FSV Unified ein verlässlicher Termin entstehen.

Nächster Schnuppertermin im Januar

Finanziell bekommt das Projekt Rückenwind: Die „Andreas-und-Romana-von Holtzbrinck-Stiftung“ fördert Aufbau und Entwicklung, und das Software-Unternehmen „enventa Group“ stellt Trikots für Training und Spielbetrieb. Das nächste Schnupperevent ist am Mittwoch, 28. Januar, voraussichtlich erneut an angemieteter Stätte in der Fellbacher Soccerhalle. Etwa von März an soll das Ganze dann festere Konturen erhalten. Die Tendenz: dann, wenn es das Wetter erlaubt, mit Treffzeiten auf der heimischen Waldebene.