Im vergangenen Jahr mussten Wasenbesucher bis zum Cannstatter Bahnhof gehen, um Chancen auf ein Taxi zu haben – oder sie wurden überhaupt nicht fündig. Das soll sich ändern Foto: lichtgut/Max Kovalenko

Beim Volksfest im vergangenen Herbst traten die Taxifahrer in Streik und protestierten vor dem Rathaus. Aus ihrer Sicht gibt die Stadt ihnen keine geeigneten Standplätze am Wasen. Das soll sich jetzt ändern. Beim Frühlingsfest wollen die Beteiligten einen neuen großen Taxiplatz direkt am Festgelände testen.

Stuttgart - Frühlingsfestbesucher sollen in diesem Jahr nicht vergeblich nach Taxis Ausschau halten müssen. Nach einem jahrelangen Streit zwischen der Taxibranche einerseits sowie der Stadtverwaltung und der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart andererseits haben sich die Beteiligten bei einem Treffen im Rathaus geeinigt. Demnach sollen zum Frühlingsfest rund 50 zusätzliche Standplätze direkt am Festgelände eingerichtet werden.

„Wir werden den Parkplatz P 10 auf dem Wasen als Aufstell- und Anfahrfläche mitnutzen“, sagt in.Stuttgart-Geschäftsführer Andreas Kroll. Die Zufahrt für Taxis soll dann über die Talstraße und den Tunnel aus der Benzstraße möglich sein. Das Frühlingsfest vom 18. April bis zum 10. Mai eigne sich gut, um die neue Regelung für das um einiges größere Volksfest im Herbst zu testen. „Im Frühjahr haben wir deutlich weniger internationale, ortsunkundige Gäste“, so Kroll. Bewährt sich die neue Lösung, soll sie in leicht abgewandelter Form auch beim Volksfest angewandt werden.

Die bisherigen Taxiflächen an der Daimlerstraße und im Veielbrunnenweg bleiben erhalten. Die Taxibranche hatte sich zuletzt massiv darüber beschwert. Zu klein und zu schlecht ausgeschildert, so lautete die Begründung. Kroll versichert, dass der zusätzliche Standplatz auf dem Wasen massiv beworben werden soll: „Wir werden auch die Festwirte und Schausteller darüber informieren, so dass sie die Neuerung an ihre Gäste weitergeben können.“

Auf die Lösung haben sich die Beteiligten bei einem Treffen auf Einladung von Ordnungsbürgermeister Martin Schairer verständigt. Mit am Tisch saßen Vertreter des Ordnungsamts, der Polizei, der Taxi-Auto-Zentrale Stuttgart und von in.Stuttgart. „Es bleibt eine beengte Situation am Wasen, aber gerade im Hinblick aufs Volksfest muss man jetzt mal schauen, ob die Lösung funktioniert“, sagt Manfred Hülsmann, Vorstandsmitglied der Taxi-Zentrale. Das Gespräch sei sehr konstruktiv gewesen. Das betont auch Kroll: „Es ging vor allem darum, für die Besucher eine gute Lösung zu finden. Die sachliche Atmosphäre hat mich wirklich gefreut.“

Dieser gute Austausch ist zuletzt nicht selbstverständlich gewesen. Der Streit um die Taxi-Stellplätze am Wasen schwelt seit Jahren. Die Fahrer beschuldigten die Stadt, keine geeigneten Flächen zur Verfügung zu stellen, Stadtverwaltung und in.Stuttgart dagegen klagten, die Taxler wollten schlicht das Festgelände nicht anfahren und müssten die Versorgungslücken beseitigen. Die Auseinandersetzung gipfelte in einem Streik der Taxifahrer während des Volksfests im vergangenen Oktober. Die Zentrale stellte die Vermittlung ein, 300 Autos fuhren im Protestzug zum Marktplatz.

Dort wäre es beinahe zur Eskalation gekommen. Nachdem die Rathaustüren angesichts des Protests vorsichtshalber geschlossen worden waren, kochte die Wut der Demonstranten hoch. Erst als Oberbürgermeister Fritz Kuhn auf den Marktplatz kam und ein Treffen zusicherte, beruhigte sich die aufgeheizte Situation wieder.

Zu ähnlichen Szenen soll es beim Frühlingsfest nicht kommen, da sind sich alle Beteiligten einig. Ganz zufrieden allerdings ist die Taxibranche nicht. Denn die zweite grundlegende Forderung wird nicht erfüllt. „Nach wie vor will die Stadt das Ein- und Aussteigen an der Mercedesstraße nicht erlauben. Genau das aber fordern die Kunden“, sagt Hülsmann. „Polizei und Straßenverkehrsbehörde haben Bedenken in puncto Sicherheit und Verkehr“, entgegnet Schairer. „Das bleibt für uns ein großes Manko“, so Hülsmann.

Alle Beteiligten wollen nun genau beobachten, wie sich die Lage während des Frühlingsfests entwickelt. „Wir müssen die Resonanz von den Fahrgästen abwarten“, sagt Hülsmann. Und: „Ob die Lösung geeignet ist, muss man sehen.“

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