Das Wetter fuhr während dem Frühlingsfest ebenfalls Acherbahn. An einem Tag war Sommer, am nächsten Herbst, zwischendrin mal Frühling. Foto: dpa

Das 74. Stuttgarter Frühlingsfest auf dem Cannstatter Wasen geht an diesem Sonntag zu Ende.

Stuttgart - So schön ist es auf dem Stuttgarter Frühlingsfest, dass Petrus auch vorbeischaute. Er kam, sah, fuhr Achterbahn. Und mit ihm das Wetter. An einem Tag war Sommer, am nächsten Herbst, zwischendrin mal Frühling. Die Launen der Natur waren ständiges Gesprächsthema in den vergangenen drei Wochen auf dem Wasen. Nun mag man denken, wer übers Wetter redet, hat sonst nichts zu erzählen. Doch bei den Wirten, Imbissbetreibern und Karussellbesitzern liegt der Fall anders, sie sind besonders bewandert in der Wetterkunde, weil damit ihr wirtschaftlicher Erfolg zusammenhängt. Scheint die Sonne, kommen die Menschen, regnet es, bleiben sie zu Hause.

Auch Andreas Kroll kennt sich, seid er Chef der Wasenveranstalterin in.Stuttgart ist, gut aus mit Niederschlägen und Temperaturen: „Wir haben die Besucherzahlen vom Vorjahr gehalten, obwohl wir damals eine unvergleichlich stabilere Hochdrucklage hatten.“ Trotz des Aprilwetters werden bis zum Festende am Sonntag gut 1,4 Millionen Besucher gekommen sein. „Das zeigt, das Frühlingsfest ist präsent.“ Wenn ein Besuch geplant sei, lasse sich der Gast nicht von den Wetterkapriolen davon abhalten.

Außerhalb des Wasens näherten sich die Messwerte den 70 Dezibel

Dass man dann aber schnurstracks ins Zelt rennt, hilft den Schaustellern draußen auf dem Platz wenig. Aber auch deren Vertreter zeigten sich zufrieden. Joachim Hohl vom Schaustellerverband Südwest sagte: „Da hilft uns die Dauer von 23 Tagen. Schlechte Tage lassen sich da ausgleichen.“ Was offenbar gelungen ist, denn „wirtschaftlich haben sich unsere Erwartungen erfüllt“.

Das bestätigt auch Nico Lustnauer vom Verband der Schausteller und Marktkaufleute. Die Menschen seien gerne gekommen, was seiner Meinung nach damit zu tun hat, dass es auf dem Platz ruhiger ist. „Ich habe von Besuchern sehr oft gehört, dass es sehr angenehm sei, dass es nicht so laut ist.“ Die Gäste haben richtig gehört.

Während des Frühlingsfests streiften Mitarbeiter eines Ingenieurbüros durch die Gassen, ihre Lärmmessungen ergaben auch des Abends auf den Straßen vor den Fahrgeschäften Mittelwerte von 76 bis 78 Dezibel. Also unterhalb der geduldeten 80 Dezibel. Außerhalb des Wasens näherten sich die Messwerte den 70 Dezibel. Kroll: „Alle Beteiligten haben sich eingebracht, die Wirte etwa auf die Außenbeschallung verzichtet.“ Doch die Nagelprobe steht beim Volksfest bevor. Ist es möglich, bei sieben Zelten und vier Millionen Besuchern die Grenzwerte einzuhalten? „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Kroll, „allen ist klar, dass sie etwas tun müssen.“

Das Rote Kreuz verzeichnete weniger Einsätze

So wie dies auch beim Thema Sicherheit vor Jahren war. Was fruchtete. Aus dem Schmuddelkind Frühlingsfest ist der kleine Bruder des Volksfests geworden. Ohne frühere Exzesse wie Massenschlägereien. Das Rote Kreuz verzeichnete weniger Einsätze. „Rohheitsdelikte“ seien um 50 Prozent zurückgegangen, sagte Thomas Engelhardt, Leiter des Bad Cannstatter Polizeireviers. Im Vorjahr gab es noch 240 gefährliche Körperverletzungen, heuer 200. Auffällig aber, dass die Übeltäter sich häufiger gegen die Polizei wehrten, 26 statt 13 Widerstände verzeichnete die Polizei. Auch die Zahl der ­Beleidigungen stieg von 43 auf 54.

Polizisten darf man nicht beschimpfen, das Wetter schon. Was mancher Ballonfahrer tun wird. Denn ihren Start an diesem Samstag hat man wegen der ungünstigen Wetterprognose abgesagt. Petrus fährt halt gerne Achterbahn.

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