Das Frühlingsfest soll später öffnen, um Kosten zu sparen? Wirt Karl Maier ist strikt dagegen. Der Mittagstisch auf dem Wasen hat auch Stammgäste.
Von der Party am Abend ist noch nichts zu spüren: „Ist die Lautstärke ok für euch“, fragt der Sänger, als er durch die Tischreihen läuft. Im Zelt sitzt um 12 Uhr niemand, aber der Biergarten von der Almhütte Royal ist gut gefüllt. Tabletts voller „Tageskracher“ tragen die Bedienungen heraus: montags bis freitags gibt es von 12 bis 15 Uhr eine ganze Haxe oder ein halbes Göckele und eine Halbe Bier für 15,90 Euro. Zu späterer Stunde kostet das Hühnchen 14,50 Euro, eine Halbe etwa 7,40 Euro. „Das Angebot ist sehr beliebt“, sagt Milos Vujicic, der für die Verköstigung in der Almhütte Royal sorgt. In den anderen drei Festzelten auf dem Frühlingsfest werden Essen und Trinken zur Mittagszeit ähnlich günstig kalkuliert.
„Ein ordentlicher Gockel zu einem volkstümlichen Preis, das gefällt den Leuten“, sagt Karl Maier. Von den Ideen, aus Kostengründen den Betrieb auf dem Wasen erst später zu starten, hält er deshalb nichts. Beim Göckelesmaier läuft der Grill schon um 11 Uhr an, denn eine halbe Stunde später „will der Schwabe essen“. Für 9,90 Euro bekommt er oder sie das halbe Hühnchen in seinem Festzelt – für fünf Euro weniger als nach 15 Uhr. Eigentlich wäre eine Erhöhung notwendig gewesen, „weil auch der Züchter mehr Geld braucht“, für die Gäste verzichtet Karl Maier dieses Mal noch darauf. Getränke müssen sie sich zu den regulären Preisen bestellen, zum Beispiel 0,4 Liter Apfelschorle für 5,90 Euro. Außerdem bietet der Wirt einen wechselnden Mittagstisch, zu 11,90 Euro Spaghetti Bolognese, Hühnerfricassée mit Reis und freitags einen Backfisch mit Kartoffelsalat und Remoulade, eine Suppe gibt es für drei Euro mehr dazu. Das Tagesgericht müsste er sowieso anbieten als Kantinenessen für seine rund 200 Mitarbeiter. Viele Schausteller kommen ebenfalls mit ihren Angestellten zum Essen vorbei.
Viele ältere Herrschaften, Handwerker, ein paar Familien, Handwerker, Arbeitnehmer und die ein oder andere Gruppe lockt der günstige Mittagstisch auf den Wasen. „Du hast mich 1000-mal betrogen“, singt eine Männerrunde um 13 Uhr Beim Benz begeistert mit – zu Hähnchen, Haxe, Kässpätzle, Linsenteller oder Fleischküchle mit Getränk (0,4 Liter) für 16,50 Euro. Der Deal gilt in dem Festzelt sogar bis 16 Uhr. Ordentlich groß ist die Portion Linsen, auf den Spätzle liegt ein Klacks buttrige Schmelze, dazu 70 Gramm Bauchspeck und 125 Gramm Saiten. Vom späten Nachmittag an schlägt allein das Gericht mit 17,80 Euro zu Buche und ein Liter Festbier mit 14,90 Euro. Die Band Vollesbrett serviert dazu einen Vorgeschmack auf den Abend mit dem üblichen Prosit auf die Gemütlichkeit, aber auch niveauvoller Blasmusik zwischendurch.
Mittags sitzen die Gäste lieber vor dem Festzelt
„Freie Platzwahl“, sagt der Kellner im Wasenwirt. Die Popmusik kommt vom Band. Die Mittagstisch-Gäste sitzen lieber draußen im Sonnenschein. Fleischküchle mit Rahmwirsing und Salzkartoffel bereitet die Küche an dem Freitag zu, Rahmschnitzel mit Nudeln steht am Montag auf der Tafel vor dem Festzelt. Mit 9,80 Euro ist der Teller zehn Cent billiger als bei der Konkurrenz, mit einem alkoholfreien Getränk (0,4 Liter für 5,40 Euro) landet der Gast bei bei 15,20 Euro – ohne Trinkgeld, was nur im Zelt von Marcel Benz mittags in dem Preis von 16,50 Euro inkludiert ist. Die Buletten bringen 160 Gramm auf die Waage, im Wirsingkraut steckt zusätzlich etwas Speck.
Wer sich an Fleisch satt essen will, sollte sich an eine Schweinshaxe halten. Das Exemplar von der Almhütte Royal wiegt knapp 800 Gramm. Ein Brötchen und drei Kirschtomaten gibt es dazu. Abgesehen vom Gewicht ist die Haxe außerdem finanziell das größere Schnäppchen, nach 15 Uhr kassiert der Kellner 19,90 Euro dafür. Obwohl das halbe Göckele mit 340 Gramm nur halb so viel zu bieten hat, haben die Gäste laut Milos Vujicic kein eindeutiges Lieblingsgericht in der Almhütte: „Am einen Tag dominiert das Göckele, am anderen die Haxe“, berichtet der Multigastronom, der unter anderem den Stuttgarter Ratskeller betreibt, „das lässt sich nicht vorhersagen.“
Vorhersagen lässt sich allerdings eine Sache: „Wenn es regnet, ist Essig“, sagt Karl Maier. Bei Sonnenschein befüllt „eine sehr treue Stammklientel“ seinen Biergarten vor dem Festzelt. Der Mittagstisch würde zwar keinen Spitzenumsatz generieren, aber bei 15 Werktagen während des Frühlingsfestes „läppert es sich“ – zumal er sein Personal über die gesamte Dauer des Frühlingsfestes anstellen und Kosten wie das mittlerweile auf 140 000 Euro angestiegene Platzgeld sowieso tragen müsse. Der Göckelesmaier-Wirt rechnet mit zwei bis drei Hektoliter Bier, die in der Zeit zu den günstigen Göckele getrunken werden. Erst um 13 oder 14 Uhr zu starten, passt für ihn nicht mit den Essgewohnheiten der Schwaben zusammen.
Sparangebot treffen seiner Ansicht nach eher den Geschmack der Bevölkerung: Montags ist das Göckele bei Karl Maier ganztätig für 9,90 Euro zu haben, dienstags wird die Maß für 8,90 Euro ausgeschenkt und beim Maiertag mitten in der Woche bekommt jeder, der Maier (egal in welcher Schreibweise) heißt, das Hähnchen geschenkt. „Damit kriegen wir das Zelt nicht voll, aber so bleiben wir im Gespräch“, sagt er.