Wie laut geht das denn? Drei Dezibel mehr Bass in den Festzelten findet bei Cannstatts Anwohner wenig Gefallen Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die allermeisten Bezirksbeiratsmitglieder in Bad Cannstatt sind unzufrieden mit dem, was bei der Eindämmung des Lärms vom Cannstatter Wasen erreicht worden ist. Es ist gar die rede von einem "rechtsfreien Raum" zur Wasenzeit.

Stuttgart - Das offiziell genehmigte Hochfahren der Bässe aus den Lautsprecheranlagen der Festwirte halten die Bezirksräte für nicht sachgerecht: Die Verwaltung gebe einer besseren Klangqualität in den Zelten durch mehr Bässe und dem Eventcharakter von Volks- und Frühlingsfest den Vorrang vor der Gesundheit von Besuchern, Arbeitskräften und Anwohnern – und das sei falsch, erklärten beispielsweise die Grünen.

Der Hintergrund: Die Stadtverwaltung hatte bei den Basswerten sogar drei Dezibel mehr zugelassen als zuvor, weil es den vom menschlichen Ohr zu vernehmenden Gesamtlärmpegel vermutlich nicht erhöhe. An anderer Stelle sei man strenger geworden.

So groß die Unzufriedenheit auch war – der Bezirksbeirat nahm die Mitteilungsvorlage über die Lärmsituation zur Kenntnis und formulierte keine Anträge. Dabei blitzte in der Debatte durchaus die Idee auf, den zulässigen Gesamtlärmpegel vor den Fahrbetrieben und Festzelten auf 75 statt den momentanen 80 Dezibel festzusetzen. Dann könne man nämlich die Basswerte belassen und habe dennoch einen technischen Schallmix, der bessere Klangqualität ergibt – aber weniger Lärm.

Andreas Kroll, Chef der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart und Hausherr auf dem Wasen, versuchte die Einschätzungen zu korrigieren: Im Vergleich zu 2011 habe man durch kontinuierliche Neuerungen eine „wesentliche Verbesserung“ erreicht. Er bekam zu hören, dass er die Lage schönfärbe. Die Festwirte würden nicht, wie von Kroll dargestellt, mitziehen, sondern die Bemühungen unterlaufen.

Aber nicht nur wegen des Lärms herrschte dicke Luft. Moniert wurde auch, dass Kroll und die Behörden zur Volksfestzeit einen „rechtsfreien Raum“ hinnähmen. Illegales Parken, wildes Pinkeln und Verdreckung hätten keine Folgen. In Unterführungen sowie am Eingang zum Wasen gebe es Sicherheitsrisiken.

Dorothea Koller, die Leiterin des städtischen Ordnungsamtes, räumte ein „Vollzugsdefizit“ ein, weil sich die Polizei mangels Personal aus der Verkehrsüberwachung zurückziehe. Man müsse den Wasenbesuchern besser aufzeigen, dass es für sie neben dem Wasen keine Parkplätze gibt, gab sie zu. Die Unterführung an der Ecke Mercedes- und Kegelenstraße sei „kritisch“. Im Prinzip müssten die Treppenstufen einer Rampe weichen. Das Sicherheitskonzept insgesamt stimme aber, sagte Dorothea Koller.

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