Kolumnist KNITZ über das wohlklingende Italienisch. Warum man die Sprache nicht in jedem Fall verstehen muss. Aber wie man sich dennoch damit für eine lästige Putzarbeit motivieren kann.
Drei Frauen eines Putzgeschwaders unterhalten sich. Auch wenn KNITZ ihrer Sprache nicht mächtig ist, er würde eine Tiefkühlpizza darauf verwetten, dass das Italienisch ist.
Zudem kommunizieren sie so, wie das KNITZ von waschechten Italienerinnen erwartet: mit viel Emotionen, reichlich Drama, gesprochen wird mit Händen und Füßen. Im Grunde bekommt KNITZ beim Vorbeigehen eine Minioper geboten. Am liebsten würde er stehen bleiben und einfach nur zuhören. Aber das traut er sich nicht.
Auch KNITZ ist nicht frei von Vorurteilen
Was die Frauen da gerade wohl verhandeln? Gibt es Ärger mit dem Chef? Mit ihren Männern? Mit dem Fiat? Oder diskutieren sie gerade die neuesten CD von Eros Ramazzotti. Sie merken, liebe Leserinnen und Leser, selbst KNITZ ist nicht frei von Vorurteilen und Klischees.
Eine andere Szene kam ihm in den Sinn, die er an dieser Stelle womöglich schon erwähnt hat. Am Lago Maggiore logierte er mal in einem Haus, das an das Grundstück von zwei passionierten Tischtennisspielern grenzte. Klick, klack, klick, klack. So ging das von morgens bis abends.
Offenbar trafen die älteren Herren den Ball mit schlafwandlerischer Sicherheit, denn während des Spiels führten sie anregende Gespräche. Vor allem die Stimme eines Mannes hatte es KNITZ angetan. Sie klang so warm, so voll.
Vermutlich, dachte KNITZ, handelt es sich bei den Herren um zwei Schöngeister, die sich über Literatur auslassen. Oder um Philosophen, die den Sinn des Leben reflektieren. Bis ihn eine Freundin, die des Italienischen mächtig war, aufklärte: Nein, im Grunde gehe es in dem Gespräch ständig ums Essen. Vorzugsweise um Tomatensorten.
Ein Wort stach aus dem Wortschwall heraus
Seit diesem Erlebnis weiß KNITZ: Manchmal ist es einfach schön, sich einer wohltemperierten Sprache wie dem Italienischen hinzugeben – ohne sie zu verstehen. Erst neulich wurde ihm das wieder vor Augen geführt, als im Fernsehen die Billy-Wilder-Komödie „Avanti, Avanti!“ von 1972 lief. Die Dialoge auf Italienisch ließ der Regisseur einfach so stehen, verzichtete sogar auf Untertitel. Bella Italia!
Doch zurück zu den diskutierenden Putzfrauen. Auch wenn KNITZ, wie gesagt, kein Wort verstand, ein Begriff, den er beim Vorbeigehen aufschnappte, kam ihm doch Spanisch vor, also in dem Fall eher Deutsch. Er stach heraus aus dem Wortschwall wie ein Fremdkörper: Grundreinigung.
Nun könnte man als Mensch, der im Glauben aufgewachsen ist, dass die Kehrwoche eine urschwäbische Erfindung sei, auf den Gedanken kommen, dass es im Italienischen keinen Begriff für Grundreinigung gibt. Warum auch? Natürlich sind die Italiener reinliche Leute, aber vermutlich haben sie keinen Putzfimmel wie wir auf aseptische Sauberkeit bedachten Deutschen. Sie wenden sich lieber dem Dolce Vita zu.
Pulizia di primavera klingt einfach schöner
Weit gefehlt. Google bietet KNITZ als Übersetzung „pulizia di base“ an. Eine Freundin stieß in einem Wörterbuch auf „pulizia profonda“ für Grundreinigung.
Das brachte KNITZ auf eine Idee: Sollte er am Wochenende zum Putzlappen greifen, um im Haus die Spuren des Winters zu beseitigen, dann nennt er das „pulizia di primavera“. Klingt doch besser als Frühjahrsputz.