Ernst, nicht hoffnungslos – lautet die Vorhersage der Wirtschaftsforscher Stefan Ederer (WIFO), Torsten Schmidt (RWI), Stefan Kooths (Kiel Institut für Weltwirtschaft), Timo Wollmershäuser (Ifo), Geraldine Dany-Knedlik (DIW Berlin) und Oliver Holtemöller (IWH, von links). Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Die Frühjahrsprognose der führenden deutschen Wirtschaftsforscher steht auf wackligen Beinen. Niemand weiß, wie es im Iran-Krieg weiter geht, meint unser Autor.

Kann man Donald Trump noch etwas abnehmen? Die Bandbreite seiner aktuellsten Äußerungen zum Krieg reicht von iranischen Wünschen nach einer Waffenruhe bis zur Drohung, das Land weiter in die Steinzeit zurück zu bomben. Alles scheint möglich. Verlässlichkeit? Fehlanzeige.

 

Von Fakten hängt aber ab, wie es mit der Weltwirtschaft weitergeht, sodass auch die Frühjahrsprognose der führenden deutschen Wirtschaftsforscher auf wackligen Beinen steht. Die Institute flüchten gerne in Szenarien, klar ist aber bereits heute: Die ersehnte Erholung ist für dieses Jahr fast schon erledigt – die Prognosen aus dem Herbst werden quasi halbiert. Zu stark treibt der Energiepreiskrieg die Kosten in die Höhe.

Deutsche Wirtschaft im Zangengriff

Die neuen Unsicherheiten der Unternehmen dämpfen die Investitionsbereitschaft, während der private Konsum massiv unter der Inflation leidet, die von den Forschern für 2026 schon bei 2,8 Prozent gesehen wird. Gut möglich, dass die Europäische Zentralbank mit einer Leitzinserhöhung reagiert und geliehenes Geld wieder teurer macht. Unter diesem Zangengriff kann die ohnehin mit vielerlei Problemen kämpfende deutsche Wirtschaft nicht auf Trab kommen.

Von Anfang an war klar: Die globalen Lieferketten sind so eng verknüpft, dass es nicht bei der Rohstoffknappheit bleiben wird. Nun geht es auch um begrenzte Frachtkapazitäten, höhere Transportkosten, steigende Lebensmittelpreise und vieles mehr. Wer weiß, ob nicht – je nach Kriegsdauer – noch ein Chipmangel folgt. Die führenden Ökonomen setzen zwar auf einen lediglich temporären Schock – nach dem Motto: Es wird schon nicht schlimm kommen wie bei Corona oder dem Ukraine-Krieg. Dies erscheint freilich allzu optimistisch, macht sich doch eine fatale psychologische Wirkung breit, wonach die Signale wieder in Richtung Abschwung und Wohlstandsverlust weisen.

Rundum-sorglos-Mentalität nicht zu bewältigen

Längst ist der Krieg im Alltag angekommen, und die Rufe nach Entlastung werden immer lauter. Einer Umfrage zufolge rügen vier von fünf Bürgern, dass die Regierung zu wenig gegen den Preisanstieg unternehme – fast ebensoviele befürworten geringere Steuern und Abgaben auf Benzin und Diesel. Das Spritpreispaket gilt schon als unzureichend, obwohl es erst seit dem 1. April wirken kann.

Tatsächlich hat die Politik zu viel Angst vor Eingriffen in den Markt, wie sich im Vergleich mit anderen Ländern zeigt. Doch einer Rundum-sorglos-Mentalität der Bevölkerung kann sie nicht Herr werden. Denn da sind einige Ideen im Umlauf, die den Staat Milliarden kosten, aber wenig zielgenau erscheinen. Besonders kurios ist selbst die vom Kanzler beförderte Idee, die Pendlerpauschale anzuheben. Der Ertrag käme beim Bürger erst mit der Steuererklärung frühestens in einem Jahr an. Aktuell würde es wenig Entlastung bringen.

Auf den sozialen Ausgleich für weniger Haushalte beschränken

Auch Spritpreisdeckel und die Abschaffung der CO2-Abgabe würde falsche Zeichen aussenden und die Klimawende nicht forcieren. Sinnvoller wäre es, das Auto weniger zu bewegen. Die Unternehmen könnten dazu einen Beitrag mit mehr Homeoffice leisten.

Ein „Energiekrisengeld“ für alle wäre ebenso verfehlt, weil die meisten Menschen ohne direkten Zuschuss klarkommen. Um Mitnahmeeffekte zu unterbinden, sollte sich die Regierung auf den sozialen Ausgleich für Haushalte beschränken, die den Preissteigerungen am wenigsten entrinnen können.

Im Sinne knappster Staatsfinanzen wäre es besser, das Pulver trocken zu halten, um Spielraum für effektive Maßnahmen zu erhalten. Selbst wenn Trump das Bomben einstellt, ist nicht alles gut. Viel Infrastruktur muss erneuert werden. Sollten zudem der Iran und Israel ihr Erpressungspotenzial bewahren wollen, dann sind auch die neuen Wirtschaftsprognosen bald Makulatur.