Erwin Staudt ist bis 2011 Präsident des VfB Stuttgart gewesen. Foto: dpa

Unter der Führung von Erwin Staudt erlebte der VfB Stuttgart nach der Jahrtausendwende eine der erfolgreichsten Phasen seiner Geschichte. Staudt pflegte dabei auch die persönliche Seite.

Leonberg - Als Erwin Staudt noch ein Kind war, kam der große FC Chelsea mal nach Leonberg. Auf dem Fußballplatz des TSV Eltingen absolvierte der englische Spitzenclub sein Sommer-Trainingslager. Der fußballbegeisterte Staudt schaute zu und ging danach mit seinen Freunden ins Freibad, weil sich dort auch die Stars der Blues erfrischten. „Da waren wir dann mit denen im Schwimmbecken“, sagt Staudt, der an diesem Sonntag seinen 70. Geburtstag feiert, und schwärmt noch heute davon.

Viele Jahre später, als Staudt schon Präsident des VfB Stuttgart war, trafen die Schwaben im Frühjahr 2004 im Champions-League-Achtelfinale auf Chelsea. Staudt hatte den Cluboberen die Anekdote aus seiner Kindheit erzählt. Und was machten die Engländer? Ließen beim Bankett nach dem Rückspiel an der Stamford Bridge die früheren Stars auflaufen und sagten: „Da sind sie, deine Kumpels.“ Für Staudt war das eines der schönsten Erlebnisse seiner rund achtjährigen Amtszeit als VfB-Chef.

Es sind auch solche Geschichten, die Staudts Wirken kennzeichneten. Denn beim früheren Chef der IBM Deutschland ging es immer auch um zwischenmenschliche Dinge. „Meine Stärke ist, dass ich einen guten und direkten Zugang zu Menschen habe. Ich mag Menschen“, sagt er.

Meisterschaft 2007 das „schönste Erlebnis“

Das „mit Abstand schönste Erlebnis“ aber sei die deutsche Meisterschaft 2007 gewesen. Der VfB holte diesen Titel überraschend mit den „Jungen Wilden“ um Sami Khedira, Timo Hildebrand, Mario Gomez, Serdar Tasci und dem heutigen Kapitän Christian Gentner. Rund 250 000 Menschen säumten damals beim Auto-Corso die Stuttgarter Straßen.

Neben dem Titelgewinn und der Marke der „Jungen Wilden“ steht Staudt für den Umbau des Stuttgarter Stadions in eine reine Fußballarena. Zudem stieß der VfB unter dem Motto „Wir packen Schalke“ eine enorme Entwicklung bei den Mitgliederzahlen an. Unter seiner Führung spielte der Club dreimal in der Champions League. Staudt schwärmt noch heute von den Duellen mit Manchester United, Barcelona - oder Chelsea.

Nach dem Titelgewinn geht es abwärts

Doch auch unter Staudt, den der VfB als einen seiner erfolgreichsten Clubchefs zum Ehrenpräsidenten ernannte, lief nicht alles glatt. Schon vor der Meisterschaft hatte es in der Saison 2005/2006 das sportliche Missverständnis mit Star-Trainer Giovanni Trapattoni gegeben, den Staudt mit dem an die Papstwahl angelehnten Satz „Habemus Mister“ begrüßt hatte.

Und wenige Jahre nach dem Titelgewinn setzte ein Abwärtstrend ein, der den Verein auch finanziell schwer belastete. Im Sommer 2011 stellte sich Staudt daher nicht mehr zur Wiederwahl. „Es hat mich emotional sehr beeindruckt, dass es zu Ende war“, sagt er heute. Aber er habe damals gedacht, dass er Erfolge wie die Meisterschaft und den Stadionumbau nicht mehr wiederholen könne.

Seinem Geburtstag schaut er mit gemischten Gefühlen entgegen und wird ihn im Kreis der Familie mit seiner Frau, den drei Kindern und vier Enkeln feiern. „70 ist eine Größenordnung, an die ich mich noch gewöhnen muss. 70 waren für mich immer ganz alte Leute, aber so fühle ich mich gar nicht.“

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