Nadine Berneis heute und als Miss Germany von 2019. Foto: Privat/dpa

Nadine Berneis spricht über ihre Schwangerschaft dank künstlicher Befruchtung. Die Miss Germany von 2019 will ein sensibles Thema enttabuisieren, von dem viele betroffen seien.

Manchmal fühlt sich Nadine Berneis, Miss Germany des Jahres 2019, „wie eine erwachsene Version von Pippi Langstrumpf“. Sich selbst beschreibt die 36-Jährige so: „Etwas wild, etwas eigen – und irgendwie genau richtig.“ Obendrein hat die Polizistin, die beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg arbeitet, Sommersprossen und eine Zahnlücke wie die literarische Figur von Astrid Lindgren. Wer die Stuttgarterin reden hört, versteht schnell, was sie ausmacht: Sie ist authentisch, selbstbewusst und ein wenig unkonventionell.

 

Nadine Berneis teilt ihre emotionale Kinderwunsch-Reise

Jetzt teilt Nadine Berneis auf Instagram ihr bisher persönlichstes Kapitel: die Reise zum Wunschkind. Nach der 15. Schwangerschaftswoche machte sie ihr Glück öffentlich – und erzählt dabei offen von den Höhen und Tiefen, die sie und ihr Mann auf diesem Weg erlebt haben.

Ihre etwa 135 000 Followerinnen und Follower nimmt sie mit bei diesen ganz privaten Erlebnissen mit. „Lange habe ich überlegt, ob und wie wir das erzählen sollen“, sagt sie. Die vergangenen Monate seien „emotional unglaublich intensiv“ gewesen. Doch sie habe sich bewusst für die Öffentlichkeit entschieden, weil das Thema Kinderwunsch noch immer tabuisiert werde. „Viele gehen damit still um und denken, sie seien allein“, sagt Nadine Berneis. „Dabei sind wir so viele.“

Nadine Berneis: Kinderwunschklinik bringt ersehnten Erfolg

Auf natürlichem Weg konnte Nadine, die mit ihrem Mann seit zehn Jahren zusammen ist, nicht schwanger werden. „Die Situation war sehr belastend“, sagt die frühere Miss Germany. „Es hat gedauert, bis wir beschlossen haben, uns professionelle Hilfe zu holen.“ In einer Kinderwunschklinik in Esslingen habe schließlich alles gepasst – und die ersehnte Schwangerschaft stellte sich ein.

Auf Instagram schreibt Berneis: „Wir werden mit 36 und 49 Jahren zum ersten Mal Eltern. Nein, das ist nicht zu spät. Es ist unser Zeitpunkt. Lebenswege sind unterschiedlich. Manche werden früh Eltern, manche spät – und das ist beides völlig normal. Wir sollten aufhören, das Alter beim Elternwerden zu bewerten.“

Nadine Berneis erreicht fast eine Million mit Kinderwunsch-Post

Der erste Post, in dem sie offen über die Schwangerschaft nach einer Behandlung in der Kinderwunschklinik spricht, erreichte fast eine Million Menschen. „Wir merken, wie viele betroffen sind“, sagt Nadine. Viele der Nachrichten, die das Paar erreichen, seien emotional und oft traurig. Mit ihrer Offenheit wollen die beiden zeigen, dass es Wege gibt – und auch darüber aufklären, wie eine künstliche Befruchtung funktioniert.

Die wichtigsten Fakten: Gesetzlich sind die Krankenkassen verpflichtet, die Kosten einer künstlichen Befruchtung mindestens zur Hälfte zu übernehmen. Viele Kassen beteiligen sich inzwischen sogar zu 100 Prozent. Voraussetzung ist, dass beide Partner mindestens 25 Jahre alt sind, die Frau höchstens 40 und der Mann höchstens 50 Jahre.

„Lob für meine Zähne“: Berneis über Miss-Germany-Erfahrung

Über ihre Zahnlücke, über die bei der Miss-Germany-Wahl viel diskutiert wurde, ärgert sich Nadine Berneis schon lange nicht mehr. „Ich habe damals viel Lob für meine Zähne bekommen – und das hat sich bis heute nicht geändert“, sagt sie. Der Veranstalter der Miss-Wahl habe den Wettbewerb neu ausgerichtet – es gehe weniger weniger um Perfektion als um Persönlichkeit. Die Jury kröne Powerfrauen, keine Püppchen.

Nadine Berneis bei ihrer Arbeit im Landeskriminalamt Foto: Lichtgut

Dass Influencerinnen in der Öffentlichkeit oft kritisch gesehen werden, wissen Nadine und ihr Mann. Klar sei aber auch: Wer regelmäßig postet und eine hohe Reichweite erzielt, könne damit viel Geld verdienen. „Aber darum geht es uns nicht“, sagt Nadine Berneis. Ihnen sei es wichtig, „ein Tabu-Thema sichtbar zu machen, aufzuklären und eine Debatte anzustoßen“.

Berneis bricht Tabus: „Es gibt keinen richtigen Lebensentwurf“

Mit ihrer Offenheit setzt Berneis bewusst einen Kontrapunkt zum perfekt inszenierten Familienglück in sozialen Netzwerken. Sie spricht über Zweifel, Umwege und Hilfe – und macht deutlich: Es gibt nicht den einen richtigen Lebensentwurf. Eltern zu werden kann früh passieren, spät oder auch gar nicht. Entscheidend sei, sagt sie, den eigenen Weg anzuerkennen – ohne Bewertung, ohne Scham, ohne Verstecken.