Ronald, Sabine und Kevin Biebach schmeißen das Feinkostgeschäft Fruchtkörble als Familie. Jetzt feiert der Laden sein 40-jähriges Bestehen. Foto: Simon Granville

Seit 40 Jahren führt Familie Biebach das Feinkostgeschäft „Fruchtkörble“. Ehepaar Sabine und Ronald meistern die Gratwanderung zwischen Job und Beziehung – mit klaren Regeln.

Der Wecker von Ronald Biebach klingelt jeden Morgen um 3.30 Uhr. In der Dunkelheit macht sich der 64-Jährige auf den Weg zum Stuttgarter Großmarkt. Dort angekommen inspiziert er die Waren, prüft Tomaten auf unschöne Druckstellen, sucht im Salat nach welken Blättern und sortiert schrumplige Kartoffeln aus. Dann geht es auf den Weg zurück nach Weil der Stadt: Im Fruchtkörble, dem Feinkostgeschäft der Familie Biebach, wandert das gerade erstandene Obst und Gemüse in die Auslagen. Dann ist es 9 Uhr, und die Türen des Geschäfts öffnen auch für die Kunden.

 

„Aber wenn man das klar trennt, wann ist man Chef, wann ist man Ehepartner, dann funktioniert’s.“

Sabine Biebach über die gemeinsame Arbeit als Ehepaar

Ronald Biebach folgt dieser Routine gerne. „Wenn man dem Papa den Großmarkt wegnimmt“, kommentiert Sohn Kevin Biebach, der Senior vervollständigt den Satz: „Dann gehe ich ein wie eine Primel.“ Seit 40 Jahren gehört der Familie – zu ihr gehört auch Ehefrau Sabine Biebach – das Feinkostgeschäft Fruchtkörble, wenn auch nicht immer an Ort und Stelle in der Stuttgarter Straße in Weil der Stadt.

45 Quadratmeter waren dem Feinkosthändler schnell zu klein

„Wir haben 1986 in Magstadt angefangen“, erinnert sich Ronald Biebach. 45 Quadratmeter hatte das Obst- und Gemüsegeschäft dort. „Mir war das nach ein paar Jahren zu wenig.“ Feinkost sollte auch ins Sortiment wandern, Oliven, Peperoni – „damals noch exotische Sachen“, sagt Biebach. Durch Zufall ergatterte er eine Ladenfläche am Weiler Marktplatz, zog später in die Stuttgarter Straße. Und Sabine Biebach, die anfangs noch zur Sicherheit in ihrer Festanstellung blieb, stieg ebenfalls mit ein.

Inzwischen ist auch der Sohn der Biebachs, Kevin, Teil des Geschäfts. „Ich bin hier aufgewachsen“, berichtet er. Zwischen Obstregalen und Käsetheke sei sein Kinderzimmer gewesen, scherzt der Vater. „Als Eltern hat man da manchmal ein schlechtes Gewissen“, sagt Sabine Biebach. Sohn Kevin sieht das aber anders – seine Eltern, betont er, seien immer tolle Vorbilder gewesen.

Jede der 100 Käsesorten hat die Familie selbst probiert

Dass die beiden auch jetzt, wo Kevin Biebach mit ins Familiengeschäft eingestiegen ist, greifbar für Ratschläge sind, ist für alle drei derweil ein Vorteil. „Man kann auch auf dem kurzen Dienstweg den Chef und Papa fragen, weil er die Erfahrung hat“, sagt Kevin. Und auch Sabine und Ronald Biebach arbeiten seit fast vier Jahrzehnten gut zusammen, nicht nur als Eheleute, sondern auch im Geschäft. „Natürlich ist es manchmal nicht einfach“, erzählt Sabine Biebach. „Aber wenn man das klar trennt, wann ist man Chef, wann ist man Ehepartner, dann funktioniert’s.“

Zum Anstoßen gibt’s auch etwas. Foto: Simon Granville

Jeder hat sein Spezialgebiet: Ronald kümmert sich um den Einkauf der Frischwaren, Kevin um die Regalware, Sabine um das Zusammenstellen von Geschenkkörben, die inzwischen zu einer wichtigen Sparte für das Geschäft geworden sind. Im Sortiment des Feinkostladens sind neben frischem Obst und Gemüse auch zahlreiche Antipasti, Wein, Olivenöl, Aufstriche oder Süßes zu finden. Und Wurst und Käse. Angefangen habe die Familie mit acht Käsesorten, berichtet Kevin. Jetzt sind es bis zu 100. Jede einzelne davon hat die Familie probiert. „Nur so kann man dem Kunden beschreiben, wie es schmeckt“, betont Sabine Biebach.

Am Anfang waren es acht, heute bis zu 100 Käsesorten. Foto: Simon Granville

Feinkosthandel Fruchtkörble: nicht mit Preis, sondern mit Qualität bestechen

Beratung und Qualität sind die Stichworte, die für das Familiengeschäft besonders wichtig sind, um in der Konkurrenz mit Supermärkten nicht unterzugehen. Denn wer bei Biebachs einkauft, muss schon mehr Budget mitbringen als für den Besuch bei Rewe oder Edeka. Deshalb läuft einiges anders im Fruchtkörble: Neben Obst und Gemüse weisen Schilder darauf hin, dass die Ware nicht angefasst werden soll – stattdessen verpacken die Mitarbeitenden Zucchini, Äpfel oder Avocado. „Die Kunden freuen sich, dass hier nicht alles von allen angefasst wird“, sagt Ronald Biebach.

Im Supermarkt kämen Obst und Gemüse außerdem oft verpackt in Plastik. „Man kauft eine Schale Mandarinen und muss schon zwei wegschmeißen“, so Ronald Biebach. „Bei uns wird jede einzelne angeschaut.“ Wenn doch mal etwas schlecht ist, könne man das bei den Händlern auf dem Großmarkt, die Ronald Biebach längst gut kennt, reklamieren. Und auch sonst könne man nach 40 Jahren im Geschäft gut kalkulieren, damit am Ende des Tages nicht viel weggeschmissen werden muss, versichert die Familie. Was dennoch übrig bleibt, geht an die Tafel oder wird weiterverarbeitet. Und auch in den Regalen landet nur, wovon die Biebachs überzeugt sind. Viele Produkte gibt es aber schon lange, oft war die Familie selbst beim Produzenten, konnte probieren und die Herstellung beobachten. „Bei Goufrais“, sagt Ronald Biebach und zeigt auf eine Packung Schokoladenkonfekt, „haben wir die Kundennummer 17. Die sind schon so lange im Geschäft wie wir.“

Vor dem Einkauf gibt es erst mal einen Espresso

Guten Sekt gibt’s hier ebenfalls. Foto: Simon Granville

Viele Kunden kämen deshalb oft, häufig schon seit Jahren. „Gefühlt 90 Prozent kenne ich beim Namen“, sagt Kevin. Ist der Lieblingskäse dann mal aus, seien die Kunden verständnisvoll und offen für Alternativen. „Und nach vielen Jahren kennt man die Geschmäcker gut“, sagt Sabine Biebach. Ohnehin sei das Einkaufen im Feinkostgeschäft viel entspannter als im Supermarkt. Am Wochenende würde mancher seinen Einkauf mit einem frischen Croissant und Espresso an der kleinen Theke starten.

Der Jubiläumswein wird bald schon abgefüllt

Für die Familie Biebach steht jetzt das Jubiläumsjahr an. Zwar ohne große Feier. „Aber der Jubiläumswein steht kurz vor der Abfüllung“, berichtet Ronald. Für ihn und seine Frau ist auch nach 40 Jahren an Aufhören noch nicht zu denken. „Es wird die Zeit kommen, wo man vielleicht einen Schritt zurücktritt“, sagt er. Noch ist sie nicht da - stattdessen wird sein Wecker noch eine Weile um 3.30 Uhr klingeln.