Helfer wie Saskia Schwabl gehören in der Fellbacher Fröbelschule zum Team – dieses Jahr haben sich dort erst sehr wenige junge Menschen für FSJ und BFD beworben. Foto: Gottfried Stoppel

FSJler und Bufdis sind wichtig für die Fröbelschule in Fellbach. In diesem Jahr gibt es kaum Bewerber auf die Plätze – spielt das Ende der Coronamaßnahmen in der Lebensplanung junger Menschen eine Rolle?

Sie helfen den körperlich oder geistig behinderten Kindern beim Essen, beim Umziehen für den Sportunterricht oder unterstützen in der Nachmittagsbetreuung: Absolventen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) oder des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) sind in der Fröbelschule in Fellbach unverzichtbare Helfer. Seit Jahren gehören die Männer und Frauen, die meisten sind jünger als 22, zum Team des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums.

 

Von neun Stellen sind vier noch unbesetzt

Noch vor ein paar Jahren war das Interesse an einem FSJ oder BFD an der Fröbelschule groß. „Wir hatten mehr Bewerber als Stellen und konnten immer eine Auswahl treffen“, sagt die Schulleiterin Silke Lang. „Aber seit etwa vier Jahren nehmen die Bewerberzahlen kontinuierlich ab.“ Derzeit sei die Lage besonders prekär: Von neun Stellen seien noch vier unbesetzt. Und das, obwohl die Fröbelschule seit Jahren wächst: Besuchten im Jahr 2015 noch 98 Schüler das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum, werden es im Schuljahr 2022/2023 wohl 170 sein. „Und es gibt so wenige Bewerbungen auf FSJ- und BFD-Stellen wie noch nie“, klagt Silke Lang.

Die Schulleiterin erzählt, die meisten der bisherigen Helfer hätten die Zeit an der Fröbelschule in Fellbach als Bereicherung gesehen. Auch auf der Webseite der Fröbelschule sind einige ausgewählte Erfahrungsberichte zu lesen: „Für mich war das komplette Jahr eine super Erfahrung und hat mich total weitergebracht“, schreibt eine junge Frau. Ein anderer Ehemaliger meint: „Die Arbeit mit den Schülern macht ungemein glücklich, auch wenn es natürlich auch stressige Momente gibt. Ich habe in dem Jahr viel über mich selbst gelernt, aber auch über andere Menschen.“

Mit dem Bewerbermangel ist die Fröbelschule nicht alleine. Beim Landratsamt in Waiblingen heißt es, bisher habe man zwar die FSJ- und Bufdi-Stellen, derzeit sind es 37, in jedem Jahr besetzen können. „Dieses Jahr läuft es bei allen Einrichtungen aber eher schleppend, weshalb es noch freie Plätze gibt“, so eine Sprecherin der Behörde. Sowohl sie als auch die Schulleiterin Silke Lang können über die Gründe jedoch nur mutmaßen: „Während der Coronajahre haben viele Bewerber in Vorstellungsgesprächen erwähnt, dass sie eigentlich einen Auslandsaufenthalt geplant oder beispielsweise keine Ausbildung gefunden haben. Ein Freiwilligendienst schien also als Überbrückung zu dienen“, so die Sprecherin des Landratsamts. Nun sei es möglich, dass junge Leute die Möglichkeit zu Auslandsaufenthalten wieder stärker in Anspruch nähmen.

Vielleicht werden die aktuellen Jahrgänge auch abgeschreckt von den nicht ganz so einfachen Aufgaben, die es an der Fröbelschule natürlich auch gibt. Die körperliche Nähe, etwa bei der Unterstützung beim Toilettengang, dürfte zum Beispiel so ein Punkt sein. „Und wir haben auch Kinder, die aggressiv gegen sich selbst oder andere sind“, erzählt Silke Lang.

Ein anderer Faktor könnte sein, dass FSJ und BFD zu wenig finanzielle Anreize bieten. „Man kriegt ja auch nur ein Taschengeld“, erklärt Silke Lang. Dieses beträgt mindestens 360 Euro plus eventuellen Zuschlägen – reich wird man davon nicht. Doch in den vergangenen Jahren, als die Bewerberzahlen noch höher waren, war die Bezahlung von Bufdis und Co. auch nicht höher. Zumal es jenen Menschen, die bisher an der Fröbelschule ein FSJ oder ein BFD absolviert haben, ohnehin nicht vorrangig um das Geld ging. „Die meisten wachsen in dieser Zeit sehr stark, sie gewinnen an Stärke und Selbstvertrauen“, sagt Silke Lang.

Ein verpflichtendes Orientierungsjahr für junge Männer und Frauen, wie der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier es jüngst vorgeschlagen hat – das fände sie „absolut wichtig“. Immer wieder habe sie erlebt, dass FSJler eigentlich vorhatten, später ein techniklastiges Fach zu studieren – und sich dann wegen der Erfahrungen, die sie an der Fröbelschule gemacht hatten, doch für Sonderpädagogik oder Heilerziehungspflege entschieden hätten.

Dienst für die Gesellschaft

FSJ
Das Freiwillige Soziale Jahr gibt es seit dem Jahr 1964. Die Bezeichnung ist etwas irreführend, da ein FSJ sechs bis 18 Monate dauern kann. Das Höchstalter für FSJler ist 26 Jahre, das Absolvieren eines Freiwilligen Sozialen Jahres ist – ein anerkannter Träger vorausgesetzt – auch im Ausland möglich.

BFD
Einen Bundesfreiwilligendienst können Personen in jedem Alter leisten. Im Gegensatz zum FSJ, das nur einmal geleistet werden kann, sind mehrere BFDs möglich. Für Ältere sind die Konditionen leicht geändert: Wer älter als 26 Jahre ist, kann einen BFD beispielsweise auch in Teilzeit leisten.

Fakten
In den vergangenen Jahren ist die Zahl der zu besetzenden FSJ-Stellen bundesweit leicht gestiegen, im Rems-Murr-Kreis waren es jedoch stets um die 14 Stellen. Die Zahl der angebotenen BFD-Stellen ist im Landkreis deutlich auf derzeit 23 gestiegen, während sie bundesweit abgenommen hat.