Locken down im Lockdown. Friseure dürfen seit Mitte Dezember keine Kunden bedienen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Seit Mitte Dezember müssen Friseurläden geschlossen bleiben. Ob das vorerst so bleibt, wird beim Coronagipfel am 10. Februar entschieden. Wie geht es Betrieben vor Ort? Wir haben mit drei Friseuren gesprochen. Einer hat sich getraut, im Dezember neu zu eröffnen.

Möhringen/Vaihingen - Yasin Unutkan hat sich einen Traum erfüllt: Er hat seinen eigenen Friseursalon auf dem Fasanenhof eröffnet. Alles habe gepasst: die Lage, die Ladenmiete. Relativ spontan habe er sich für die Räume, in denen früher die Post war, beworben. „Ich dachte: Jetzt oder nie.“ Es sei Glück gewesen, dass er den Zuschlag bekommen habe.

Doch das Glück ist schnell verflogen. Nur wenige Tage nach der Eröffnung musste Unutkan seinen Salon wieder schließen. Eröffnet hat er am 8. Dezember, ab 16. Dezember mussten bundesweit alle Friseure ihre Arbeit ruhen lassen. Lockdown, der zweite. Für Unutkan kam das überraschend. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Friseure noch mal schließen müssen“, sagt der Hairstylist. Bereut hat er seine Entscheidung trotzdem nicht.

Natürlich sei er angespannt und habe Ängste, wie es weitergeht. Einen Monat könne er noch durchhalten, „dann wird’s kritisch“. Bisher habe er keine staatliche Hilfe beantragt, und er wisse auch nicht, ob er wegen der Neueröffnung darauf Anspruch habe. „Ich muss es so hinnehmen, man kann es nicht ändern.“

Keine Angestellte: ein Glücksfall

Seine Kollegin Sabine Lehmann betreibt seit mehr als 25 Jahren den Haarsalon Haarlekin in Möhringen. Seit zweieinhalb Jahren arbeitet sie alleine ohne Angestellte. Ein Umstand, der sich in der Coronazeit als Vorteil erwiesen hat. „Ich muss niemanden in Kurzarbeit schicken“, sagt die 53-Jährige. Auch in der Zeit nach dem ersten Lockdown sei ihr Eine-Frau-Betrieb ein Glücksfall gewesen: „Ich habe neue Kunden bekommen, die extra zu mir gekommen sind, weil sie mit mir alleine im Raum sind.“

Damit ist schon seit einigen Wochen wieder Schluss. Einfach ist der berufliche Stillstand für Sabine Lehmann nicht. „Man steht nicht mehr auf, macht sich nicht zurecht, man verliert seinen Rhythmus.“ Heimlich Kunden zu bedienen, kommt für sie aber nicht infrage. Seit Mitte Dezember habe sie nur zwei Menschen die Haare geschnitten: ihrem Freund und sich selbst. „Wenn ich durch Möhringen laufe, begegne ich immer wieder Kunden, die sagen: Ich muss die Haare geschnitten kriegen. Aber da bin ich ganz strikt.“ Leid tun ihr vor allem alte Menschen, die sonst zu ihr zum Haarewaschen kommen, weil sie es alleine nicht mehr können. Deren Haare bleiben nun wohl ungewaschen.

Reserven für ein Vierteljahr

Finanziell kommt die Friseurmeisterin gut über die Runden – noch. Das liegt daran, dass sie vorgesorgt hat. „Als Unternehmer sollte man so viel auf der Seite haben, dass man ein Vierteljahr durchhalten kann“, sagt sie. Schließlich könne es auch ohne Corona passieren, dass man sich ein Bein breche und eine Weile kein Einkommen habe.

Angst hat sie trotzdem – und zwar vor der Zeit nach dem Lockdown. „Wie soll ich das stemmen, wenn es wieder losgeht?“, fragt sie. „Ich weiß, ich arbeite dann wieder zwölf Stunden am Tag und überlaste mich.“ So sei es ihr und vielen anderen Kollegen nach dem ersten Lockdown ergangen. „Erst gar nicht arbeiten, dann zu viel – das ist brutal.“

Bislang fließt kein Geld

Längst nicht alle Friseure kommen so gut durch die Krise wie Sabine Lehmann. Rainer Balle kennt die Nöte seiner Berufsgruppe: Er vertritt seine Kollegen in der Friseur-Innung Stuttgart-Ludwigsburg und führt selbst ein Haarstudio in Vaihingen. Er weiß um die Existenzängste vieler Saloninhaber. Ein großes Problem sei, dass die dritte Überbrückungshilfe für die Zeit ab Januar nicht nur nicht fließe, sondern noch nicht einmal beantragt werden könne. „Das Formular gibt es noch nicht“, sagt Balle. Bis also Geld bei den Friseuren ankommt, wird weitere Zeit vergehen. „Wenn man drei, vier Monate überbrücken muss, ist das lange. Das kann eng werden.“ Im ersten Lockdown, betont Balle, sei die Soforthilfe schnell geflossen. „Das wünsche ich mir jetzt auch.“ Trotz allem Frust dürfe man aber nicht vergessen, dass es in kaum einem Land so viel Unterstützung gebe wie in Deutschland.

Balle hofft, dass beim Coronagipfel am 10. Februar beschlossen wird, dass Friseure von kommender Woche an wieder arbeiten dürfen. „Sonst wird die Schwarzarbeit enorm steigen“, fürchtet er.

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