Kadir Simsek aus Tamm (Kreis Ludwigsburg) hat ein ehemaliges Paketauto zu einem Barber-Truck umgebaut. Warum das Frisier-Mobil derzeit in Kornwestheim steht und was der TÜV sagt.
Kadir Simsek ist erst 28 Jahre alt und hat sich doch schon einen ganz großen Traum erfüllt. Seit Kurzem hat der Friseur aus Tamm einen eigenen Barber-Truck. „Ich habe die Idee bestimmt schon zehn Jahre im Kopf“, sagt Simsek. Seit 2022 betreibt er einen Barbershop in Tamm in zentraler Lage unweit vom Rathaus.
Seiner Arbeit mobil nachgehen wollte er aber schon viel länger. „Ich habe das Prinzip eines fahrenden Barbershops in den USA gesehen und weiß, dass es so etwas auch in England gibt“, sagt der 28-Jährige. Nun gibt es einen Barber-Truck also auch im Landkreis Ludwigsburg.
Auf knapp zehn Quadratmetern in einem ehemaligen Paketauto hat Simsek einen echten kleinen Barbershop geschaffen. Es gibt zwei Waschbecken in Originalgröße, zwei Frisierstühle, Spiegel, Steckdosen und in den Schubladen jede Menge Handwerkszeug. Die Wände sind in Backsteinoptik gehalten und lustige Bilder, ein Kühlschrank und eine Espressomaschine runden den optisch guten Eindruck ab.
Das alles kam nicht von heute auf morgen. Von der Idee, dem Traum, bis zur Verwirklichung verging viel Zeit. „Ohne meine Freunde hätte ich das nie geschafft“, sagt Simsek. Elektroniker und Installateure halfen ihm, den rollenden Barbershop Wirklichkeit werden zu lassen. Er hat einen Wassertank mit 100 Litern, Deckenbeleuchtung wie in einem stationären Friseurgeschäft und für den Sommer sogar eine Klimaanlage. Eineinhalb Jahre hat ihn der Umbau in Eigenregie an Zeit gekostet. Über den finanziellen Rahmen schweigt Simsek, aber es habe ihn keine 10 000 Euro gekostet.
Erster Barber-Truck beim TÜV in der Region
Simsek strahlt wenn er „sein Baby“ präsentiert. Die Freiheit, damit überall seinem Beruf nachgehen zu können, macht ihn glücklich. „Frisieren kannst du überall“, sagt er und grinst. Der TÜV habe ihm bei der Abnahme gesagt, dass er der erste sei, der einen solchen Friseur-Truck habe. Ganz einfach sei die Abnahme nicht gewesen und einige Nachbesserungen musste Simsek machen, bevor er die Plakette erhielt. Jetzt sei dafür aber alles 100-prozentig sicher. Selbst die Bilder an den Wänden sind bombenfest montiert.
„Wir mussten bei allen Einbauten auch darauf achten, nicht zu viel Gewicht zu verwenden, damit wir unter 3,5 Tonnen bleiben, sonst wäre ein anderer Führerschein nötig geworden“, sagt Simsek. Den Praxistest hat er mit seinem Barber-Truck natürlich auch schon gemacht. Die beiden Frisierstühle sind so platziert, das jeweils ein Fenster Tageslicht bietet. Platz für zwei Kunden gleichzeitig ist da, weitere können es sich während der Wartezeit sogar auf den Bänken im vorderen Bereich bequem machen.
Derzeit steht der Wagen regelmäßig vor der neuen Moschee in Kornwestheim, auch zu Werbezwecken, wie Simsek gerne zugibt. Er wolle das Geschäft langsam hochfahren. Künftig will er mit seinem Truck überall dort präsent sein, wo viele Leute hingehen. „Wir können uns vorstellen zu großen Events zu kommen, aber auch private Feiern oder Firmenevents sind möglich“, sagt der Tammer. Für ältere Kunden sei es zudem eine Alternative, dass der Friseur zu ihnen kommt, wenn die Fahrt nach Tamm nicht mehr möglich sei.
Für Simsek geht der Traum weiter. Bei Erfolg kann er sich vorstellen einen weiteren Truck umzurüsten. „Ich würde jetzt einiges anders machen“, verrät er. Auch eine Tour durch Europa mit seinem Barber-Truck kann er sich in Zukunft vorstellen. Fürs Erste will er nun aber „sein Baby“ den Kunden in der Region präsentieren.