Timo Parker, Friseurmeister aus Leinfelden-Echterdingen, hat vor zehn Jahren Naturkosmetik für die Haare herausgebracht. Sein Antrieb: krebskranken Kundinnen und Kunden zu helfen.
Die Liste hat Timo Parker ausgedruckt in seinem Friseursalon liegen, damit seine Kundinnen und Kunden darin blättern können, während sie sich die Haare schönmachen lassen. Manche Wörter hat er mit einem Leuchtstift hervorgehoben. Parabene sind darunter, synthetische Farb- und Duftstoffe, Mineralöle, Sulfate, Silikone. „Liste von Schadstoffen und bedenklichen Inhaltsstoffen in Kosmetika“ steht über der langen Tabelle. Diesen Stoffen hat Timo Parker quasi Hausverbot erteilt.
Vor etwa 20 Jahren hat der Friseurmeister begonnen, sich mit den Zutaten von Kosmetika auseinanderzusetzen. „Man ist ja auch kein Chemiker“, sagt er. Der Grund für die Recherche: die Kundschaft. Timo Parker erzählt, dass er den Salon in Unteraichen 2003 übernommen hat – und mit ihm einen Stamm von Kundinnen und Kunden, die wegen einer Krebserkrankung Perücken benötigten, also eine durchaus sensible Klientel. „Die Kunden haben mich dann angesprochen: Hast du auch was ohne Parabene?“, erzählt er, und so habe er begonnen, sich mit dem, was in Shampoo, Haarspray und Co. steckt, und der Wirkung auf die Kopfhaut und den Körper zu befassen. „Mein Gewissen hat es dann nicht mehr zugelassen, den Leuten das anzubieten“, sagt Timo Parker heute.
Timo Parker vertreibt die Haarpflegeprodukte unter seinem eigenen Namen
In der Tat gilt vieles, was in handelsüblichen Shampoos zu finden ist, als kritisch. 2022 etwa hat Ökotest 40 Repair-Shampoos beäugt, fünf sind durchgefallen – wegen potenziell allergener, reizender, in der Umwelt schwer abbaubarer und möglicherweise krebserregender Duft-, Konservierungs- und anderer Inhaltsstoffe.
Timo Parker betont, solchen Dingen abgeschworen zu haben. Stattdessen vertreibt er unter seinem Namen diverse eigene Naturprodukte: Shampoos, Conditioner, Masken, Seren, Sprays und Festiger. Sie alle enthielten keine künstlichen oder tierischen Inhaltsstoffe, sondern Zutaten aus kontrolliert ökologischem Anbau wie Aloe Vera, Sanddorn-, Himbeersamen- oder Teebaumöl.
Zehn Jahre habe er mit Fachleuten an den Rezepturen getüftelt und in der Zeit „ein Schweinegeld“ investiert. Seit 2015 sind eine Profilinie sowie eine günstigere Linie für Privatleute online und im Unteraicher Friseurladen erhältlich. Neben dem Inhalt habe er Wert aufs Design gelegt. „Ich wollte nicht, dass es so öko-langweilig aussieht. Ich wollte die Naturbranche raus aus den Birkenstock bringen.“ Abgefüllt wird in Norddeutschland. Parker spricht von bis zu 20.000 Flaschen im Jahr. Im Vergleich zu den Branchenriesen seien das Kleinstmengen.
Naturkosmetik kommt an: Timo Parker will aber nicht größer werden
Naturkosmetik boomt. Das Branchenmagazin BioHandel sprach schon 2022 davon, dass jede und jeder Dritte Naturkosmetik kaufe. Laut dem New Yorker Marktforschungsunternehmen Zion Market Research hatte der globale Markt für Natur- und Biokosmetik im Jahr 2023 einen Wert von rund 21,48 Milliarden US-Dollar mit einer prognostizierten jährlichen Wachstumsrate von etwa 7,19 Prozent auf rund 37,44 Milliarden US-Dollar bis 2032. Der Grund für den Hype seien veränderte Verbraucherpräferenzen.
Trotz dieses Potenzials sagt Timo Parker, er sei mit seinem kleinen Unternehmen glücklich. Kaufangebote von großen Playern habe er abgelehnt. „Ich brauche nicht unbedingt mehr Arbeit“, zumal für die große Expansion die lange Haltbarkeit der Produkte wegen fehlender synthetischer Konservierungsstoffe nicht gegeben sei. „Das große Geld mache ich damit nicht. Ich bin nicht so gewinnorientiert“, sagt Timo Parker, doch er sei zufrieden. Er habe ein gutes Gewissen. „Wenn ich die Welt etwas verbessern kann, warum nicht.“