Diese Visualisierung vermittelt einen Eindruck, wie das Lammquartier nach der Umgestaltung ausschauen wird. Foto: MMS Immobilien GbR

In Steinheim (Kreis Ludwigsburg) steht ein Quartier in der Altstadt vor der Modernisierung. Ein markantes Gebäude wird man deshalb bald nicht mehr wiedererkennen.

Das schlauchförmige Areal zwischen dem Gasthaus Lamm und der Pfarrstraße in Steinheim befindet sich in allerfeinster innerstädtischer Lage. Der Haken ist nur, dass die Gebäude in dem Quartier ihre Blütezeit längst hinter sich haben. Vor allem das markante Eckhaus am Übergang von der Lammgasse in die Pfarrstraße hat von seinem Erscheinungsbild her den zweifelhaften Charme eines Schmuddelkindes. Doch wenn die aktuellen Pläne tatsächlich umgesetzt werden, dürfte das Gebiet bald schon wieder ein Aushängeschild sein. Die Stadt selbst möchte im vorderen Teil das verwaiste Gästehaus zu einem Wohnheim umgestalten. Den Bereich in der zweiten Reihe wollen mit Tim und Robin Maier sowie Laurin Schulze drei Steinheimer herausputzen.

 

Das Trio hat dazu eigens eine Immobiliengesellschaft gegründet und in einem ersten Schritt das Gelände im Jahr 2021 gekauft. „Wir wollten in Steinheim etwas machen. Hier hätte zwar auch jeder klassische Bauträger aktiv werden können. Aber dann wäre nicht so etwas sensibel Abgestimmtes entstanden“, erklärt Tim Maier. Man wolle nicht jeden Quadratmeter des Grundstücks ausmosten, sondern sogar eine kleine grüne Lunge in Form eines Gartens schaffen.

13 neue Wohnungen sind geplant

Tim Maier will auch aus Verbundenheit zu seinem Wohnort das Lammquartier mit seinem Bruder Robin und Kompagnon Laurin Schulze herausputzen. Foto: Werner Kuhnle

Am Ende sollen auf dem Areal der drei Investoren zwei komplett neue Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 13 Wohneinheiten entstehen, zudem das noch bestehende, marode Anwesen in kleinen Teilen abgerissen, aber im Kern generalsaniert und umgestaltet werden. Ziel ist hier, das Dachgeschoss auszubauen, auf drei Ebenen zwei Wohnungen zu realisieren, an die sich ein Reihenhaus anschmiegen soll.

Längst abgerissen sind die Scheunen und anderen Ensemblestücke des einstigen landwirtschaftlichen Gehöfts. „Es war komplett zerfallen, weil da schon ewig nichts mehr passiert ist. Bei dem früheren Bauernhaus war hinten stellenweise schon die Außenwand offen“, erklärt Tim Maier.

Freie Hand haben und hatten der 32-Jährige, sein Bruder Robin und Laurin Schulze bei dem Projekt in der Innenstadt nicht. Der Denkmalschutz und andere Ämter haben ein gehöriges Wörtchen mitzureden. Das macht es nicht einfacher, das Lammquartier zu modernisieren – und offenbar auch teurer. „Durch die langwierigen Abstimmungsprozesse und mehrfache Sachbearbeiterwechsel bei den Genehmigungsbehörden entstehen hohe Kosten, welche letztlich von privatwirtschaftlicher Seite getragen werden, aber durch effizientere Prozesse vermeidbar wären und so schneller und günstigerer Wohnraum entstehen könnte“, erklärt Tim Maier.

Am Ende wird nur die Hülle stehen bleiben

Die Wohnungen sollen zwischen 44 und 141 Quadratmeter groß werden. Foto: MMS Immobilien GbR

Dabei ist die Aufgabe für ihn und seine Mitstreiter insbesondere bei dem bestehenden Anwesen schon ohne amtliche Vorgaben kompliziert genug. Frühere Eigentümer und Mieter hätten an dem Objekt über die Jahre einiges verändert, zum Beispiel hier und da angebaut, einen einstigen Zugang zugemauert, Wände eingezogen und zwei ehemals getrennte Wohneinheiten per Durchbruch vereint, erklärt Tim Maier. Deshalb müsse manches zurückgebaut werden. Und letztlich werde eigentlich nurmehr die Hülle des Gebäudes stehenbleiben.

Ein Komplettabbruch samt Neuüberplanung wäre somit einfacher und deutlich kostengünstiger gewesen – sei jedoch aus Denkmalschutzgründen nicht gestattet gewesen. Die gute Nachricht ist, dass der Ausschuss für Technik und Umwelt des Steinheimer Gemeinderats das Vorhaben in seiner jüngsten Sitzung abgesegnet hat.

Die beiden neuen Mehrfamilienhäuser und das generalsanierte Gebäude werden nach Abschluss aller Arbeiten hufeisenförmig angeordnet sein, mit der offenen Seite zur Marktstraße hin. Der großzügige Garten soll im Innern angelegt werden.

„Es entsteht ein schönes Ensemble aus Neubauten und denkmalgeschütztem Gebäude, das den Stadtkern aufwertet und für Jung und Alt etwas bietet.“

Tim Maier, Investor aus Steinheim

Tim Maier hofft, dass sämtliche erforderlichen Genehmigungen von den Behörden bald vorliegen und 2026 die Bagger anrücken können. Man müsse dann mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren rechnen. „Meistens geht es aber doch schneller“, sagt er. Die Wohnungen werden zwischen 44 und 141 Quadratmeter groß sein. Die Preise für die drei Einheiten an der Ecke Pfarrstraße/Lammgasse müssen noch festgezurrt werden. Für die anderen Wohnungen in den Mehrfamilienhäusern werden zwischen 315.000 und 699.000 Euro aufgerufen. 15 Stellplätze sollen in einer Tiefgarage zur Verfügung stehen.

„Wir haben schon viele Anfragen. Das Interesse ist grundsätzlich groß“, sagt Tim Maier. Für ihn kommt das nicht von ungefähr. „Es entsteht ein schönes Ensemble aus Neubauten und denkmalgeschütztem Gebäude, das den Stadtkern aufwertet und für Jung und Alt etwas bietet“, betont der 32-Jährige. Man befinde sich in ruhiger Lage mit wenig Verkehr, habe sogar mitten im Zentrum einen Garten. Und doch sei die Marktstraße mit ihren Einkaufsmöglichkeiten nur einen Steinwurf entfernt.