Der neue Trainer Hartmut Mayerhoffer ist sich sicher: „Ich passe zu Frisch Auf.“ Foto: Baumann

Nach zwei enttäuschenden Bundesliga-Spielzeiten steht Frisch Auf Göppingen in der neuen Saison unter Druck. Wie der neue Trainer Hartmut Mayerhoffer damit umgeht, was er von seinem Team erwartet und welche Ziele er hat, erklärt er im Interview.

Göppingen - Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen startet an diesem Dienstag (17.30 Uhr) in der EWS-Arena in die Vorbereitung auf die am 23. August mit dem Heimspiel gegen EHF-Pokal-Sieger Füchse Berlin beginnende Saison. Der neue Trainer Hartmut Mayerhoffer brennt auf die neue Aufgabe: „Ich möchte Frisch Auf da hin führen, wo Frisch Auf hingehört.“

Herr Mayerhoffer, wie aufmerksam verfolgt ein Handball-Trainer die Fußball-WM?
Wenn es meine Zeit erlaubt, schon sehr aufmerksam. Ich bin fußballbegeistert, habe selbst auch in der Jugend gespielt, außerdem spielen alle Handballer ja gerne Fußball (lacht).
Wie fanden Sie es, dass Bundestrainer Joachim Löw weitermacht?
Es war die richtige Entscheidung. Man muss doch auch die Strecke seiner bisherigen Amtszeit sehen – er leistet unterm Strich gute Arbeit.
Wenn sie so fußballbegeistert sind, dann haben Sie bestimmt auch einen Lieblingsclub?
Ich traue mich das im Schwäbischen kaum zu sagen: Es ist der deutsche Rekordmeister.
Der FC Bayern München.
Ja, aber ich hege durchaus auch Sympathien für den VfB Stuttgart und den FC Augsburg, bei dessen Heimspielen ich ab und zu im Stadion bin.
Sie waren früher beruflich im Rennradgeschäft tätig. Da dürfte Sie die Tour de France auch interessieren.
Stimmt, ich war früher als Vertriebsleiter für einen Hersteller von Rennrädern tätig. Wir haben auch an großen Rundfahrten teilgenommen. Da es jetzt mit dem Training bei Frisch Auf los geht, wird es schwierig die Tour zu schauen. Aber ich bin allgemein ein sehr sportinteressierter Mensch.
Das Jahr 2018 dürfte für Sie nicht nur wegen der Wahl zum „Zweitliga-Trainer des Jahres“ immer etwas Besonderes bleiben.
Also aus sportlicher Sicht ist es bisher auf jeden Fall ein fantastisches Jahr. Es war ein Riesenerfolg, mit der SG BBM Bietigheim in die Bundesliga aufzusteigen.
Und dann legen Sie dank Frisch Auf Göppingen noch einen echten Karrieresprung hin.
Ich bin stolz, künftig für diesen Traditionsverein arbeiten zu können. Vor allem weil ich zu 100 Prozent davon überzeugt bin, dass ich zu dem Verein passe. Ich bin heiß auf diese neue Aufgabe bei Frisch Auf, der Club ist eine der Top-Adressen in Deutschland.
Wären Sie ohne die Zusage von Frisch Auf mit Beginn der neuen Saison ohne Trainer-Engagement da gestanden?
Nein, Es gab Alternativen, aber natürlich bin ich froh, dass der Weg nach Göppingen führte.
Sie haben diesen traditionsreichen Handball-Standort schon als Spieler erlebt.
Ja, zu Zweitligazeiten. Mit leuchtenden Augen war ich mit dem VfL Günzburg in der damaligen Hohenstaufenhalle am Ball. Vor lauter Stimmung flog in diesem Hexenkessel damals ja fast das Hallendach weg.
Zuletzt war die Atmosphäre bisweilen frostig, Frisch Auf steht vor einer Schlüsselsaison.
Warum?
Weil die Zuschauer mit den beiden zehnten Plätzen in den vergangenen zwei Bundesliga-Spielzeiten ganz und gar nicht einverstanden waren.
Damit ist der Verein sicherlich etwas hinter den auch eigenen Erwartungen zurückgeblieben, sonst wäre ich ja auch nicht der dritte Trainer innerhalb einer kurzen Zeitspanne. Unser Ziel ist es natürlich, eine bessere Runde zu spielen. Ich möchte Frisch Auf dahin bringen, wohin Frisch Auf gehört.
Manche träumen von Platz fünf.
Ich bin kein Träumer. Ich bin ein Realist, der mit harter Arbeit die Mannschaft weiterentwickeln will. Ich verspreche keine Platzierungen oder Ergebnisse. Aber ich verspreche, dass wir mit voller Leidenschaft, alles dafür tun werden, um mit attraktivem, temporeichem und erfolgreichem Handball das Bestmögliche zu erreichen. Wir alle wollen, dass die Zuschauer mit einem Lächeln nach Hause gehen.
Aufbruchstimmung hätte der Verein auch dringend nötig.
Die wollen wir erzeugen. Und zwar gemeinsam: Trainer, Spieler, Vereinsverantwortliche. Wir müssen den Funken der Begeisterung entfachen, der auf die Tribüne zu den Fans überspringt. Wir brauchen diese Unterstützung ganz dringend.
Sie müssen das mit einem Kader hinbekommen, auf den Sie gar keinen Einfluss hatten. Ist das ein großes Problem?
Als Trainer muss man flexibel sein. Wenn die Mannschaft in meinen Augen nicht die Stärke hätte, die ich mir vorstelle, hätte ich das Angebot nicht angenommen. Ich denke, wir haben eine gute Basis und einen guten Kader, mit dem man gut arbeiten kann.
In Bietigheim hatten Sie größtenteils mit Nobodys zu tun, die Sie auch individuell weiterentwickelt haben wie zum Beispiel Paco Barthe, Patrick Rentschler oder Gerdas Babarskas. Bei Frisch Auf arbeiten Sie auch mit gestanden Nationalspielern zusammen. Wie groß ist die Umstellung?
Es gab schon auch in Bietigheim erfahrene Spieler, mit denen ich zu tun hatte. Torwart Darko Stanic zum Beispiel.
Der exzentrische, skandalumwitterte Paradiesvogel war nicht lange da…
…aber wenn man mit ihm zusammengearbeitet hat, kann einen nichts mehr schocken (lacht). Ich hatte in Bietigheim zum Beispiel auch den ehemaligen Nationalspieler Timo Salzer im Kader. Von der Erfahrung solcher Spieler profitiert jeder Trainer und jede Mannschaft. Und weiterentwickeln kann sich ein Spieler in Teilbereichen immer. Nur die Schritte nach vorne werden mit zunehmendem Alter vielleicht etwas kleiner, aber die Zielsetzung muss immer sein, besser zu werden.
Im Frisch-Auf-Kader…
… gilt dies für erfahrene Spieler wie Tim Kneule, Allan Damgaard oder Ivan Sliskovic genauso wie für Spieler mittleren Alters wie Marco Rentschler, Joscha Ritterbach oder Tim Sörensen. Und dann haben wir auch den 20-jährigen Junioren-Nationalspieler Sebastian Heymann in unserer Mannschaft, der sehr viel Potenzial hat. Die Mischung in unserem Kader stimmt.
Sie persönlich stehen aber deutlich stärker unter Druck als in Bietigheim. Die Erwartungshaltung ist um einiges höher.
Frisch Auf Göppingen ist eine andere Hausnummer, aber es ist nicht so, dass bei der SG BBM kein Druck da war. Man musste sich ohne große Investitionen mit weitgehend erstligaunerfahrenen Spielern – in einem auch nicht immer einfachen Umfeld im Schatten der Frauen – in der zweiten Liga behaupten.
Sie haben rumänische Wurzeln, haben unter Vlado Stenzel, dem deutschen Weltmeistertrainer von 1978, in Günzburg gespielt. Wer hat Sie am meisten geprägt?
Vlado war ein sehr erfahrener Trainer. Ich habe viel von ihm gelernt, aber ich habe von allen meinen Trainer etwas mitgenommen. Zumal ich mich früh für den Trainerberuf interessiert habe.
Herbert Müller, der mehrfache Frauen-Meistertrainer des Thüringer HC, ist Ihr Cousin. Wie häufig tauschen Sie sich aus?
Wir haben einen engen Draht, wir telefonieren mindestens ein-, zweimal die Woche. Erst vor kurzem verbrachten wir einen gemeinsamen Urlaub in der Türkei. Wir haben die Akkus wieder aufgeladen.
Das Startprogramm mit Frisch Auf hat es ja auch in sich.
EHF-Pokal-Sieger Füchse Berlin, der deutsche Meister SG Flensburg-Handewitt, dann geht’s gegen den Vorjahres-Sechsten TSV Hannover-Burgdorf – das ist schon ein ganz schönes Brett. Aber es ist ja eine Binsenweisheit, dass man ohnehin gegen alle spielen muss.
Was trauen Sie Ihrem Ex-Club und dem dritten württembergischen Vertreter TVB 1898 Stuttgart zu?
Ich glaube schon, dass der TVB Stuttgart eine bessere Rolle spielen wird, als in der vergangenen Saison (Platz 14, Anm.d.Red.). Die SG BBM hat realistische Chancen, den Klassenverbleib zu schaffen. Nach unserem ersten Aufstieg gab es in der Saison 2014/15 sogar vier Absteiger aus der Bundesliga, jetzt sind es nur noch zwei. Die Eulen Ludwigshafen sind so etwas wie ein Mutmacher. Sie haben es vergangene Saison als Aufsteiger vorgemacht, dass es auch ein Außenseiter packen kann.
2018 verlief für Sie bisher fantastisch. Wann wäre die Saison 2018/19 für Sie mit Frisch Auf eine erfolgreiche?
Wenn am Ende die Erkenntnis steht, dass sich das Team weiterentwickelt hat und es mit begeisterndem Handball gelungen ist, das gesamte Umfeld mit ins Boot zu bekommen.

Zur Person

Hartmut Mayerhoffer ist am 26. Juli 1969 geboren.

Er wächst in der Nähe von Timişoara im Banat auf. Mit neun Jahren kommt er nach Deutschland. Er selbst spielt in der zweiten Liga für den VfL Günzburg, später wechselt er zum TSV Aichach, wo er als Spielertrainer und später ausschließlich als Trainer agiert. Nach zwei Bayernliga-Aufstiegen schließt er sich dem TSV Friedberg an und gewinnt die Meisterschaft in der dritten Liga. Der Club im Osten Augsburgs verzichtet aber auf den Aufstieg, weil für die Zweitklassigkeit das Geld fehlt.

Im Sommer 2013 wechselt er zur SG BBM Bietigheim. 2014 und 2018 geling jeweils der Aufstieg in die Bundesliga.

Mayerhoffer ist verheiratet mit Alexandra, das Paar hat zwei Töchter (Leonie/17 und Jannie/11). Die Familie hat ihren Lebensmittelpunkt in Leitershofen, einem Ortsteil der Stadt Stadtbergen in der Nähe von Augsburg. Der A-Lizenz-Inhaber sucht derzeit noch eine Wohnung in Göppingen.

Frisch-Auf-Trainer seit dem Wiederaufstieg

2001 bis Dezember 2003: Christian Fitzek

Dezember 2003 bis Februar: 2004 Milorad Mijatovic

Februar bis Juni 2004: Marc Nagel/Kurt Reusch

Juli 2004 bis Dezember 2013: Velimir Petkovic

Dezember 2013 bis Juni 2014: Aleksandar Knezevic

Juli 2014 bis September 2017: Magnus Andersson

September 2017 bis Juni 2018: Rolf Brack

Seit 1. Juli 2018: Hartmut Mayerhoffer

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