Dynamischer Linkshänder mit viel Zug zum Tor: Frisch-Auf-Neuzugang Nicolai Theilinger. Foto: Baumann

Linkshänder Nicolai Theilinger gewinnt mit seinem neuen Verein Frisch Auf Göppingen das Marktplatzturnier in Esslingen und will nach großem Verletzungspech in der alten Heimat an alte Stärke anknüpfen, die ihn bis in die Handball-Nationalmannschaft brachte.

Die Sonne brannte erbarmungslos vom Himmel. Es war kein Vergnügen für die Handballprofis, bei 33 Grad Celsius auf dem Esslinger Marktplatz ihre Leistung abzurufen. Schon gar nicht für einen Sportler mit roten Haaren und heller Haut. Doch Nicolai Theilinger von Frisch Auf Göppingen strahlte trotz der Strapazen am frühen Samstagabend übers ganze Gesicht: Der Neuzugang hatte beim 28:24(12:13)-Endspielsieg des Handball-Bundesligisten gegen die MT Melsungen das letzte Tor erzielt und den Turniersieg der Grün-Weißen perfekt gemacht.

Premierensieg für Frisch Auf in Esslingen

„Natürlich war das Wetter gerade für mich nicht optimal, aber letztendlich freut es mich sehr, dass wir hier so erfolgreich aufgetreten sind“, sagte der Linkshänder. Besser hätte der Einstand für den 27-Jährigen nicht sein können. Denn erstmals hat Frisch Auf das Freiluftspektakel vor historischer Altstadtkulisse für sich entschieden und den Reichsstadt-Pokal gewonnen.

Bereits am Freitag hatte es in Altbach gegen Theilingers Ex-Club HC Erlangen ein 27:22 gegeben. Am Samstag kam ein 24:15 gegen Zweitligist SG BBM Bietigheim hinzu. Höhepunkt war dann der Erfolg gegen die hoch gehandelte MT Melsungen mit den deutschen Nationalspielern Kai Häfner, Tobias Reichmann, Finn Lemke und Julius Kühn, der allerdings am Samstag nicht zum Einsatz kam. Genauso wenig wie bei Frisch Auf Sebastian Heymann, der bei der U-21-EM in Spanien derzeit für Deutschland am Ball ist. Auf seiner Position im linken Rückraum machte Ivan Sliskovic im Endspiel gegen das nordhessische Starensemble von Trainer Heiko Grimm ein überragendes Spiel und acht Treffer.

Theilinger fügt sich gut ein

Theilinger hatte im rechten Rückraum weniger Einsätze als Nemanja Zelenovic, dennoch war Trainer Hartmut Mayerhoffer mit seinem neuen Mann zufrieden. „Nicolai hat sich super eingefügt. Dass nach so kurzer Zeit die Abstimmung noch nicht optimal passen kann, ist völlig normal.“

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Für Theilinger ist der Wechsel zu Frisch Auf ein Neuanfang in alter Heimat. Der Student (Internationales Management) stammt aus Köngen und hatte zuletzt beim HC Erlangen viereinhalb Jahre mit Höhen und Tiefen hinter sich. Sportlich und persönlich. Er stieg mit den Franken aus der Bundesliga ab. Ein Jahr später stieg er mit dem Team sofort wieder auf, avancierte zu einer Identifikationsfigur. Im März 2017 feierte er sein Debüt im Dress der Nationalmannschaft gegen Schweden. Im Oktober 2017 riss in der Fußsohle die Plantarfaszie. Er kämpfte sich zurück, machte nur fünf Spiele – und im September 2018 riss das Syndesmoseband. „Eine ganz, ganz schwierige Zeit war das für mich“, sagt er im Rückblick. Seine Freundin Sophie und seine Familie haben ihm aus dem Tief herausgeholfen. Schon zuvor hatte er mithilfe eines Mentaltrainers mehr Stabilität in seine bisweilen schwankenden Leistungen bringen wollen. Selbst Jugendzeiten, in denen er wegen seiner feuerroten Haare auch gehänselt wurde, kamen in den Sitzungen zur Sprache. Inzwischen sieht er sich im positiven Sinne als etwas Besonderes und tritt selbstbewusst auf.

Stark in der Defensive

Dazu hat er auch allen Grund. Er steht in der Abwehr stabil, im Angriff geht er gerne im Kampf eins gegen eins in die Tiefe und bedient oft den besser postierten Mitspieler. Seine Ziele sind klar: Verletzungsfrei bleiben, mit Frisch Auf international spielen und, wenn’s optimal läuft, auch noch mal ans Tor zur Nationalmannschaft anklopfen. Der Auftritt in Esslingen mit dem Frisch-Auf-Premierensieg beim Marktplatzturnier verlief schon einmal vielversprechend.

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