Trainer Petkovic in der Kritik: Läuft seine Zeit bei Frisch Auf vorzeitig ab? Foto: Baumann

Velimir Petkovic, der Trainer von Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen, gerät immer stärker in die Kritik. Eine vorzeitige Ablösung steht im Raum.

Die Fans planen eine Protestaktion. Die Mannschaft ist  verunsichert. Und  Trainer Velimir Petkovic droht beim Handball-Bundesligisten Frisch Auf Göppingen nach 11:21 Punkten der Rauswurf. Die Krise wirft viele Fragen auf. Wir geben Antworten auf die wichtigsten.
 
Stuttgart - Sitzt Petkovic am kommenden Samstag gegen die HSG Wetzlar noch auf der Bank?
Das ist offen. Wie schon auf der Rückfahrt vom 28:31 in Minden tauschten sich Geschäftsführer Gerd Hofele und Aufsichtsratschef Ulrich Weiß auch am Montag intensiv aus und analysierten die prekäre Lage. Eine endgültige Entscheidung gab es noch nicht. Hofele wiederholte lediglich den Standardsatz: „Ich gehe davon aus, dass ­Petkovic weiter auf der Bank sitzt.“
Ist ein Rücktritt Petkovics denkbar?
Nein. Dafür ist der gebürtige Bosnier viel zu stolz. Er wird auch nicht freiwillig auf sein Gehalt bis Ende Juni 2014 verzichten. „Es kann nicht sein, dass nur der Trainer schuldig ist. Ich bin ein Kämpfer und bin fleißiger als andere. Ich gebe immer 100 Prozent“, sagte Petkovic am Montag.
Was sind die Ursachen für die Krise?
Schon die Ausgangsposition vor der Saison war ungünstig: Frisch Auf verkürzte den bis 2015 laufenden Vertrag mit Petkovic um ein Jahr – offiziell in beiderseitigem Einvernehmen. Leichter machte das die Arbeit nicht. Hinzu kam eine unglückliche Personalpolitik mit einem Überangebot an Torhütern und Kreisläufern, aber zu wenig Abwehrstrategen nach den Abgängen von Pavel Horak und Michael Haaß. Prompt setzte sich die Talfahrt der vergangenen zwei Bundesliga-Spielzeiten in der laufenden Vorrunde fort. Es fehlt jegliche Konstanz. Erfahrene Spieler auf Schlüsselpositionen wie Michael Kraus oder Tim Kneule leisten sich regelmäßig technische Fehler.
Hat Petkovic den richtigen Zeitpunkt für den Absprung verpasst?
Definitiv ja. Er hat ohne Zweifel seine Verdienste um Frisch Auf, doch zuletzt brachte er das Team nicht mehr voran. Spätestens nach dem zweiten EHF-Pokal-Titel 2012 hätte er seine seit 2004 andauernde Ära bei Frisch Auf beenden müssen. Offenbar fehlte es ihm aber an lukrativeren Angeboten.
Ab 1. Juli 2014 wird der Schwede Magnus Andersson Trainer bei Frisch Auf. Würde sein Vertrag auch für die zweite Liga gelten?
Nein. „Darüber haben wir gar nicht gesprochen. Frisch Auf spielt nächste Saison erste Liga. Punkt“, sagte Andersson am Montag. Einen vorzeitigen Einstieg schloss er aus: „Das kommt überhaupt nicht in Frage. Ich habe bis Ende Mai 2014 Vertrag in Malmö.“
Welche Übergangstrainer wären denkbar?
Wahrscheinlichste Variante wäre, dass der künftige sportliche Leiter Aleksandar Knezevic das Amt übernimmt. Das Problem: Er trainiert auch das Göppinger Frauen-Bundesligateam. Denkbar ist auch, dass Aufsichtsratsmitglied Kurt Reusch aushilft.
Was sagt der Kapitän?
Christian Schöne spielt seit 2005 für Frisch Auf – und er musste nicht lange überlegen, um zu der Erkenntnis zu gelangen: „In einer solch schwierigen Lage steckten wir noch nie. Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern kurz nach zwölf.“ Woran es liegt? „Wir machen immer wieder primitive Fehler. Die Abgeklärtheit fehlt uns“, sagte der Rechtsaußen. Dass der Kampf gegen den Abstieg droht, ist ihm klar. „Jeder muss das kapieren. Es wäre vermessen, jetzt noch nach oben zu schauen.“ Schöne führte das Beispiel Gummersbach an: „Der VfL hat vergangene Saison auch nicht damit gerechnet, unten reinzukommen und rettete sich erst am vorletzten Spieltag.“
Was sagen die Fans?
Der überwiegende Teil ist mit der Geduld am Ende. „Sollte es bis diesen Mittwoch keine Reaktion des Vereins in Sachen Trainer geben, wird gegen Wetzlar eine Protestaktion stattfinden. Darauf haben sich die vier Fan-Clubs verständigt“, erklärte Georg Weidmann, Sprecher des Fan-Clubs „Evergreen“. Der Punkt, sich von Petkovic zu trennen, sei endgültig erreicht. „Seit drei Jahren geht es in der Liga abwärts. Der Schlendrian muss raus, eine andere Ansprache her“, forderte Weidmann, „ich erwarte von einem Trainerwechsel keine Wunderdinge, aber eine befreiende Wirkung, eine andere Stimmung.“
Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: