Die Friolzheimer Räte wollen Ökostrom lieber selbst produzieren. Foto: 30479725

Die Frage nach einem neuen Lieferanten der Elektrizität wird im Gemeinderat zur Gretchenfrage. Nach kontroverser Diskussion über die Art der Stromlieferung bekommt der Ökostrom lediglich vier Stimmen

Friolzheim - Die Verträge mit dem Stromlieferanten EnBW für die Abnahmestellen der Gemeinde Friolzheim laufen zum Jahresende aus. Ein neuer Stromliefervertrag muss unterzeichnet werden. Dabei geht es um rund 119 000 Euro Stromkosten pro Jahr (Wert aus 2014).

In der Heckengäugemeinde setzt man seit Längerem schon auf die Bündelausschreibung des Gemeindetages Baden-Württemberg. Der schreibt im Auftrag der beteiligten Orte europaweit aus. Der wirtschaftlichste Stromlieferant bekommt den Zuschlag. Durch die Teilnahme an der Bündelausschreibung ermächtigt die Gemeinde den Kommunalen Landesverband kreisangehöriger Städte und Gemeinden, dann auch in ihrem Namen den Stromliefervertrag zu unterzeichnen.

Nur vier Stimmen für den Ökostrom

Am Montagabend ging es im Gemeinderat eigentlich nur darum, ob Friolzheim sich erneut an einer Bündelausschreibung beteiligen soll oder nicht. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 824 Euro. Doch die Diskussion geriet dann mehr zur Gretchenfrage darüber, ob man Ökostrom beziehen sollte oder wie bisher konventionellen Strom, sprich Strom aus Kernenergie, Öl- und Kohlekraftwerken. Mit nur vier Stimmen für den Ökostrom entschied sich das Gremium am Ende klar für die konventionelle Energie.

Nachdem der Friolzheimer Kämmerer Matthias Britsch erklärt hatte, warum es sinnvoll ist, sich nach 2012 erneut an der Bündelausschreibung des Gemeindetags zu beteiligen und nicht mit hohem Aufwand selbst offen auszuschreiben, fragte Michael Welsch (Freie Wähler Vereinigung), ob man hier zwischen Ökostrom und normalem Strom wählen könne. „Da wir eine Gemeinde sind, die nicht am Hungertuch nagt, könnten wir dann doch Ökostrom nehmen. Wir sollten darüber nachdenken“, sagte Welsch. Nach dessen Berechnungen würde der Bezug von ökologisch hergestelltem Strom aus Wind-, Wasser- und Sonnenenergie für Friolzheim gerade einmal 6000 Euro im Jahr mehr kosten als ein konventioneller Strommix. „Wir haben darüber diskutiert und uns dann aber entschlossen, auf andere Maßnahmen zurückzugreifen, um die Umwelt zu schonen, wie beispielsweise Solarthermie“, entgegnete Britsch und machte deutlich, dass er als Kämmerer auf die Finanzen achte und die günstigere Variante vorschlagen müsse. Der Bürgermeister Michael Seiß zeigte sich in der Diskussion offen: „Wenn Sie als Gemeinderäte meinen, wir sollen Ökostrom beziehen, dann müssen wir das heute entscheiden.“

Kontroverse Diskussion

Die Räte diskutierten kontrovers. Rainer Benzinger (Bürgerliste) plädierte dafür, den Ökostrom lieber selbst zu produzieren. „Wenn wir auf Ökostrom gehen, dann machen wir unseren eigenen Strom mit Fotovoltaik-Anlagen. Bei der Ausschreibung würde ich nicht auf Ökostrom gehen“, sagte er. „Das eine schließt das andere nicht aus. Wenn wir unsere eigenen Anlagen bringen, nehmen wir eben weniger gelieferten Strom ab“, plädierte Welsch erneut für den grünen Strom. Auch Fraktionskollegin Ellinor Schmidt machte sich für die Ökoenergie stark: „Strom zum Beispiel aus Windkraft, das hat schon eine Qualität“, sagte sie. Eine klare Absage erteilte Ferry Kohlmann (CDU) der grünen Energie: „Es gibt ja keine zwei Leitungen. In einer ist Ökostrom, in der anderen ist Atomstrom. Wenn wir die 6000 Euro nehmen und selber damit Anlagen bauen, dann können wir sicher sein, dass es Ökostrom ist“, sagte Kohlmann.

Am Ende entschieden sich die Räte einstimmig für die Teilnahme an der Bündelausschreibung des Gemeindetages für die Lieferjahre 2017/18 und mit vier Gegenstimmen für den Mix aus Kohle-, Öl- und Atomenergie. „Dann bleibt es beim konventionellen Strom für Friolzheim“, schloss der Bürgermeister Michael Seiß den Tagesordnungspunkt.

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