Pfarrer Christoph Fritz (links) und Walter Ramsayer vor der Trauerweide. Foto: Andreas Gorr

Der große Baum direkt neben der Kirche muss weichen. Der Platz soll neu gestaltet werden.

Friolzheim - Seit 57 Jahren lebt Walter Ramsayer in direkter Nachbarschaft zur Agapitus-Kirche. Zwischen seinem Wohnhaus und dem Gotteshaus steht eine mächtige Trauerweide. Ihre Zweige reichen bis zu den Dächern der beiden großen Gebäude. Der Baum, der viel älter ist als der heute 59-jährige Ramsayer, hat dem Friolzheimer sein Leben lang sozusagen zur Seite gestanden. Entsprechend groß ist nun auch seine Empörung darüber, dass die letzten Tage der Trauerweide gekommen sind. Noch diese Woche soll sie gefällt werden.

Warum muss der imposante Baum weichen? Schon vor Jahren hatten die Gemeinde Friolzheim und die evangelische Kirchengemeinde im Zusammenhang mit der Neugestaltung der Zehntscheune Grundstücke rund um die Agapitus-Kirche getauscht. Damals ging der Platz, auf dem das Denkmal für die Weltkriegsgefallenen und eben die Trauerweide stehen, an die Kirchengemeinde. Vertraglich hatte sich Friolzheim nach einem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss verpflichtet, dieses Grundstück geräumt zu übergeben, so Bürgermeister Michael Seiß. Und das bedeutet, dass demnächst nicht nur das Denkmal an den Friedhofsrand versetzt wird, sondern dass die Fläche komplett abgeräumt wird. Eine Eibe wurde bereits gefällt – und nun ist die Trauerweide dran.

Ein Baumfachmann vom Enzkreis habe der Weide durchaus noch eine gewisse Lebensdauer bescheinigt, so Seiß, der betont, dass der Baum inzwischen Eigentum der Kirchengemeinde sei. Und die hat vor einigen Jahren beschlossen, die eingetauschte Fläche vor ihrem neuen Gemeindehaus neu zu gestalten, erklärt Christoph Fritz, seit 2012 evangelischer Pfarrer im Ort.

Was genau dort gemacht werden soll, werde zurzeit beraten, sagt Fritz. Auf jeden Fall sollen zwei Behindertenparkplätze kommen und ein Großteil der jetzigen Grünfläche soll geplättelt werden, so wie bereits der Vorplatz des Gemeindehauses.

Und die Weide, an der Walter Ramsayers Herz so hängt? Ja, es habe mehrere Gespräche mit der Kirchengemeinde gegeben, um den Baum doch noch zu retten, bestätigen Bürgermeister Seiß und Pfarrer Christoph Fritz. Auch der Kirchengemeinderat habe mehrmals darüber beraten. Doch das Wurzelwerk hätte die Neugestaltung eingeschränkt, so Fritz. „Wir haben auch über die Laubbeseitigung gesprochen“, sagt Seiß. Lässt doch der riesige Baum einiges an Blättern fallen, die auch in der Rinne des Kirchendachs landen. Die Kirchengemeinde blieb schließlich bei ihrer Haltung, dass das Grundstück, wie vereinbart, geräumt werden muss.

Demnächst rückt im Auftrag der Gemeinde ein Baumspezialist an und fällt die Weide – für Seiß eine „unschöne Aufgabe“. Für Walter Ramsayer ein Unding, denn „der Amazonas fängt auf dem Marktplatz in Friolzheim an“, sagt er und meint damit den Klimaschutz vor der Haustür.

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