Maria Hecht und Bernd Michael Nicklas sichten alte Akten. Foto: Rebstock

Die 26 Jahre alte Maria Hecht sichtet und erfasst zurzeit rund 60 laufende Meter historischer Dokumente im Gemeindearchiv. Tatkräftige Unterstützung hat sie in Bernd Michael Nicklas gefunden, der ehrenamtlich bei der Mammutaufgabe hilft.

Friolzheim - Die neue Expertin für die Geschichte Friolzheims ist 26 Jahre alt, blond, zierlich und sie stammt ursprünglich aus Sachsen. Seit Mai sichtet und sortiert Maria Hecht die Berge historischer Akten und Bücher im Keller des Friolzheimer Rathauses. „Da werden zum Schluss schon einige Monate Arbeit drinstecken“, sagt sie. Immerhin gebe es unter den Amtsstuben nach groben Schätzungen 60 laufende Meter historisches Material, vor allem Gemeinderatsprotokolle und Rechnungen, beispielsweise von Zehntscheuer und Kirche.

Maria Hecht ist natürlich nicht bei der Gemeinde angestellt. Für einen kleinen Ort wie Friolzheim würde sich eine eigene Archivarin auf Dauer nicht lohnen. Weil der Heckengäuort seine Bestände aber dennoch auf einen neuen Stand bringen muss – und die Archivordnung von 2003 umsetzen will – haben die Friolzheimer die Geschichtsexpertin vom Landkreis ausgeliehen. „Ich bin quasi geleast“, sagt Maria Hecht und lacht. „Die jeweilige Gemeinde fragt uns beim Kreisarchiv an, wenn ein Termin frei ist, kommen wir vorbei.“ In Neuhausen ist Maria Hecht schon tätig gewesen, in Mönsheim ist derzeit einer ihrer Kollegen mit der Ordnung der Akten betraut. „Zu unseren Aufgaben gehört es, alle Titel zu erfassen, den Inhalt zu prüfen und eine Systematik zu erstellen, nach der später die Bände wiedergefunden werden können“, erklärt sie. Das sei dann dem Ordnungssystem einer Bibliothek nicht unähnlich. „Außerdem schaue ich natürlich, ob es Schäden an den Bänden gibt“, ergänzt Maria Hecht, die an der Fachhochschule Potsdam Informationswissenschaften mit der Spezialisierung Archivwesen studiert hat, bevor sie beim Baden-Badener Stadtarchiv und danach – seit 2010 – beim Kreisarchiv des Enzkreises eine Anstellung gefunden hat. Kleine Schäden könne sie selbst beseitigen. „Wenn es viel zu tun gibt, die Schimmelbildung beispielsweise zu stark ist, kommen die Bücher zu einer Restauratorin.“ Einige Bände werfe sie allerdings auch weg. „Rechnungsbeilagen beispielsweise oder Mehrfachausfertigungen.“ Bei der vielen Arbeit hat Maria Hecht indes tatkräftige Unterstützung: Der 64 Jahre alte Friolzheimer Bernd Michael Nicklas hilft ihr beim Sichten und Ordnen der Bestände – und zwar ehrenamtlich, nur für einen Ehrensold. „Ich bin ohnehin sehr an Heimatgeschichte interessiert“, sagt er. „Und hier kann ich mich sinnvoll einbringen und außerdem etwas über die Historie des Ortes erfahren, auch meine eigenen Wurzeln ergründen.“

Das Team Hecht-Nicklas hat schon einige Schätze in den Tiefen der Friolzheimer Archive gefunden. Da gibt es beispielsweise jene Unterlagen, die belegen, dass in das Schulhaus nahe der Kirche um 1810 herum ein Schweinestall eingebaut wurde. „Die Lehrer waren damals ja nicht so gut bezahlt, sie benötigten ein Zubrot“, erläutert Bernd Michael Nicklas. Da gibt es auch die Geschichte von einem Friolzheimer Boten, der sich ebenfalls Anfang des 19. Jahrhunderts mit dem König einen Rechtsstreit lieferte – weil er in dessen Auftrag sein Pferd zuschanden geritten hatte. Das älteste Buch in den Friolzheimer Archivbeständen stamme übrigens aus dem Jahr 1555, berichtet Maria Hecht.

Ein weiteres Fundstück stellt die beiden Forscher allerdings vor ein großes Rätsel: Sie haben eine geheimnisvolle Flagge gefunden, oder besser: eine Art Wimpel. Darauf stehen die Zahl 1790 geschrieben und die Worte: „Schultheiß und Friolzheim“. Die Funktion dieses Stückes sei ihr nicht ganz klar, sagt Maria Hecht. „Man könnte meinen, er stammt aus dem 18. Jahrhundert und wäre zu offiziellen Anlässen aufgestellt worden. Aber für dieses Jahr wirkt er eigentlich zu neu.“

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