Sitran Sidar Senol gratuliert Michael Seiß. Foto: Brunhilde Arnold

Der Bürgermeister von Friolzheim, Michael Seiß, erhält 60,2 Prozent der Stimmen, die Gegenkandidatin Sitran Sidar Senol 36,5 Prozent.

Die Auszählung der Stimmen für die Bürgermeisterwahl zieht sich hin am Sonntagabend, müssen die Wahlhelferinnen und -helfer doch zuerst die Wahlergebnisse der Landtagswahl ermitteln. Als schließlich Hauptamtsleiter Eberhard Enz, der Leiter des Wahlausschusses für die Bürgermeisterwahl, sowie der erste stellvertretende Bürgermeister Michael Welsch im Wahlbezirk II im Rathaus die Wahlurne ausleeren und die gelben Stimmzettel auf die Tische flattern, herrscht gespannte Stille.

 

Die beiden Kandidierenden Sitran Sidar Senol und Michael Seiß sind frühzeitig gekommen und beobachten das Auszählen der Stimmzettel. Mit ihnen zusammen warten rund 30 Neugierige, Bürgerinnen und Bürger, Angehörige der Kandidaten sowie Gemeinderäte auf das Ergebnis. Sitran Sidar Senol, die sich zum ersten Mal für ein Bürgermeisteramt bewirbt, ist zuversichtlich. „Ich habe an jeder einzelnen Tür in Friolzheim geklingelt und sehr viele gute Gespräche gehabt“, erzählt sie. Nachdem sich abzeichnet, dass die Stimmzettel-Ergebnisse aus den Wahlurnen doch zugunsten des Mitbewerbers sprechen, hofft sie noch auf die Zahlen aus der Briefwahl.

Eberhard Enz leert die Wahlurne. Foto: Brunhilde Arnold

Auch einige Bürgermeister aus den Nachbargemeinden sind gekommen, Mario Weisbrich aus Wimsheim etwa, der selbst am 22. März als einziger Kandidat zur Wiederwahl steht, Jörg-Michael Teply aus Wurmberg sowie Thomas Fritsch, der bis 2022 24 Jahre Bürgermeister von Mönsheim war. Sie können am Ende eines langen Wahlabends schließlich ihrem Friolzheimer Kollegen Michael Seiß zur Wiederwahl gratulieren. Denn obwohl es zunächst so aussieht, als ob die Papierstapel für Sitran Sidar Senol und Michael Seiß gleich hoch sind, sprechen die Zahlen eine andere Sprache und es reicht doch gut für den Amtsinhaber: Seiß, der seit 24 Jahren die Geschicke der Gemeinde maßgeblich mitprägt und Chef der Gemeindeverwaltung ist, gewinnt die Wahl mit deutlichem Vorsprung. Mit 60,2 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen wird er zum dritten Mal wiedergewählt und kann im Mai in seine vierte Amtszeit starten, der letzten, wie der 57-Jährige schon zuvor angekündigt hatte.

Konkret haben 783 Wählerinnen und Wähler auf den Wahlzetteln ihr Kreuz bei der Pädagogin und Unternehmerin Sitran Sidar Senol gemacht, was 36,5 Prozent entspricht. 1292 Wahlberechtigte votierten für Michael Seiß. Die Wahlbeteiligung bei der Bürgermeisterwahl liegt an diesem Superwahlsonntag bei 66,8 Prozent.

Für die Bewerberin Sedol hat es zwar nicht auf Anhieb geklappt, auf den Bürgermeistersessel zu kommen, doch ein Achtungserfolg mit mehr als einem Drittel der Stimmen ist es allemal. Das sieht sie selbst auch so und zeigt sich zufrieden damit. Auf die Frage, ob und wie es mit ihrem Engagement für Friolzheim weitergeht, sagt sie: „Ich möchte auf jeden Fall weitermachen. Ich habe so viele Ideen und so viele tolle Menschen kennengelernt, mit denen ich etwas bewegen kann.“

Michael Seiß ist am Ende des Abends naturgemäß in bester Stimmung. Zusammen mit seiner Frau und seinen Söhnen stößt er mit den Gästen auf seinen Sieg an. Ein Sieg allerdings, der weniger deutlich war als etwa der bei der letzten Wahl vor acht Jahren, als er 84 Prozent der Stimmen erhielt. Damals hatte er es nur mit der Vielfachbewerberin Fridi Miller aus Sindelfingen als Gegenkandidatin zu tun.

Die Friolzheimerin Pädagogin und Unternehmerin im Bildungsbereich Sedol hingegen hat ihn diesmal mit ihrem engagierten Wahlkampf vor Ort und ihrem inhaltlichen Fokus auf Transparenz, Dialog und aktive Mitgestaltung herausgefordert und viel Zustimmung erfahren. Michael Seiß, der im Wahlkampf schwerpunktmäßig konkrete Projekte in Vergangenheit und Zukunft sowie seine Verwaltungserfahrung in die Waagschale warf, musste doch etliche Stimmen an die 34-jährige Sitran Sidar Senol abgeben. „Das ist Demokratie, das kann ich gut akzeptieren“, sagt er dazu auf die Frage, wie es ihm mit dem Ergebnis gehe. Seine Mitbewerberin habe einen engagierten Wahlkampf gemacht.

Zeit für eine Pause? Gibt’s nicht bei Michael Seiß

Und was steht jetzt als nächstes beim wiedergewählten Bürgermeister an? „Die Arbeit geht morgen direkt weiter“, sagt er. Zeit für eine Pause gebe es nicht. Etliche größere Projekte warten auf ihn und den Gemeinderat, dessen Vorsitzender er ist. So muss etwa der Haushalt 2026 beraten werden, der Neubau der Krippe ebenso vorbereitet werden wie die Planungen für das von der Firma Porsche zurückerworbene Gewerbegebiet Reute.