Szene aus der Show „Magic Unlimited“ Foto: Veranstalter

„Magic Unlimited“ mit Oscar, Renzo und Mara Kazàn ist eine Zauberrevue mit flotten Tricks, aber ohne roten Faden und Witz.

Stuttgart - „Haben Sie Angst?“, fragt Oscar Kazàn die Freiwillige. Ihr Arm ruht in einer Öffnung, über der ein Beil baumelt. Selbiges hat zuvor eine Gurke guillotiniert. Ja, sagt die Dame. „Ich auch, ich auch“, seufzt der Magier, als die Klinge herabstürzt.

Die Hand bleibt aber dran. Man braucht sie später ja auch noch, um Beifall zu klatschen. „Magic Unlimited“ heißt die Show des Trios, das bis zum 17. Juni das Friedrichsbau-Varieté verzaubert und am Mittwoch erstmals in Stuttgart zu sehen war: Oscar, Renzo und Mara Kazàn. Die beiden Brüder Oscar und Renzo sind Söhne des niederländischen Magiers Hans Kazàn. Mara Kazàn ist Renzos Frau.

Dass die drei schon in Las Vegas und auf dem in diesen Kreisen bekanntlich unbedeutenden Rest der Welt Zuschauer verblüfften, merkt man der Darbietung an: Handwerklich läuft alles einwandfrei. Mara steigt mit drei-Finger-breitem Lächeln in die Kisten, die Kollegen wirbeln mit weiten Tüchern, rammen noch zwei, drei Schwerter hinterher - doch die Frau bleibt heil. Später wird sie zerteilt, zum Schweben gebracht und in die Länge gestreckt. Keine Ahnung, wie das geht. Zuvörderst beim Finale erstaunt die Geschwindigkeit, mit der beispielsweise Oscar und Mara die Plätze tauschen: Eben noch war sie, eine Sekunde später ist er im Glaskasten gefangen.

Allein: So richtig in Fahrt kommt dieser Abend nie. „Magic Unlimited“ ist eine Revue aus flotten Tricks, die allerdings einen roten Faden, Charme und Witz zu häufig vermissen lässt - dem niederländischen Akzent der Protagonisten zum Trotz.

Einzig Mara Kazàn sorgt etwa mit Sandmalerei und Schattenspielen für Abwechslung - aber man ist ja eigentlich wegen der Zauberei da. Und die wirkt nachgerade altbacken. Illusionisten, die ihre Nummern souverän runterspielen, einander mit Siegerposen fort- und zurückhexen, waren vor vielen Jahren angesagt. Längst haben Avantgardisten der Zunft ironisch mit diesem Klischee gebrochen. Hier wird es voll bestätigt. Immerhin: Nach diesem Gastspiel wird man die dramaturgisch überlegenen Hausproduktionen des Friedrichbau-Varietés in der nächsten Spielzeit wieder zu schätzen wissen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: