Alfred Stöckle sitzt nur noch wenige Tage im Chefsessel des FSG-Rektorats. Foto: Eva Herschmann

Alfred Stöckle vom Friedrich-Schiller-Gymnasium geht in den Ruhestand und hat viele Pläne: Ein Umzug steht an, und der scheidende Direktor liebäugelt damit, sich einen Hund zuzulegen.

Fellbach - Eigentlich wäre Alfred Stöckle schon im vergangenen Jahr pensioniert worden. Doch ein Jahr hat der Direktor des Fellbacher Friedrich-Schiller-Gymnasiums (FSG) angehängt. Schließlich war zum Ende des vergangenen Schuljahres schon Konrektor Joachim Schopper aus Altersgründen aus dem Schuldienst ausgeschieden. „Und ich wollte außerdem noch bei den Umbauplänen mitarbeiten.“

Mit 66 Jahren und nach 19 Jahren als Chef am FSG ist Schluss

Doch jetzt ist Schluss. Mit 66 Jahren – und nach 19 Jahren als Chef am FSG – geht der Pädagoge in den Ruhestand. Mehr noch. Alfred Stöckle wird als Pensionär auch die Gegend verlassen. „Meine Frau und ich ziehen an die Ostsee, und wir werden uns wohl wieder einen Hund zulegen, wahrscheinlich einen Hovawart“, verriet er.

Eigentlich wollte Alfred Stöckle Bauer werden. „Ich komme aus dem Bayerischen Wald und bin als Bub am liebsten mit dem Traktor gefahren oder habe Pferde geführt.“ Im Alter von neun Jahren kam er dann mit seinen Eltern aus der ländlichen Idylle in die Großstadt Stuttgart. „Der Abschied aus Bayern damals war hart, aber seitdem fällt es mir leichter, irgendwo wegzugehen.“ Und Alfred Stöckle ist in seinem Leben schon häufiger umgezogen.

Alfred Stöckle verbringt 1988 vier Wochen an einer deutschen Schule in Istanbul

1988 verbrachte er vier Wochen an einer deutschen Schule in Istanbul. Anschließend ging er mit seiner Familie nach Singapur. „Ich war als Senior Officer für den Staat Singapur tätig und habe Deutsch am National Junior College unterrichtet, das war unsere schönste Zeit.“ Drei Jahre lehrte er die Elite des Landes und wäre gerne länger geblieben. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Schorndorf wurde er stellvertretender Schulleiter des Bildungszentrums Unterweissach. „Von dort bin ich dann 1998 nach Fellbach gekommen.“

Abitur hat Alfred Stöckle am Stuttgarter Kepler-Gymnasium gemacht, dann seinen Wehrdienst absolviert. Anschließend studierte er Anglistik („Dabei hatte ich Englisch in der Schule abgewählt“) und Germanistik auf Lehramt in der Landeshauptstadt – in acht Semestern. „Als Arbeitersohn habe ich mir mein Studium überwiegend selbst finanziert. Noch in der Nacht vor dem Examen habe ich bei der Post gearbeitet.“ Dass er eigentlich viel lieber Physik studiert hätte, hat er mittlerweile verkraftet, doch in seiner Freizeit beschäftigt er sich am liebsten mit Astrophysik.

Wie schon bei seiner ersten Lehrerstelle am Waiblinger Staufer-Gymnasium löste er auch am FSG Claus Bergmann ab. Damit schloss sich beruflich der Kreis. „So lange wie in Fellbach war ich an keiner Stelle“, sagt Alfred Stöckle. Dennoch muss er nicht viel zusammenpacken, bevor er am 31. Juli, seinem letzten Arbeitstag, die Tür hinter sich zumacht. Zwei persönliche Bilder hängen im Chefzimmer. Die zahlreichen Bücher und alles andere – inklusive des Porträts von Namensgeber Friedrich Schiller – gehören der Schule. Während seiner Zeit als FSG-Direktor habe sich viel verändert, erzählt der 66-Jährige. Offensichtlich sind die Änderungen am Haus, vor allem durch den Umbau des ehemaligen offenen Atriums zur Aula des Maickler-Schulzentrums. „Wir haben außerdem andere Lehrpläne, vor allem aber haben wir zunehmend angenehmere Schüler.“ Drogen seien kein Problem, Alkohol finde in der Schule kaum mehr statt, und auch die Raucher seien immer weniger geworden.

Die Schule ist gut aufgestellt: „Mein Nachfolger kann auf den fahrenden Zug aufspringen“

Der Unterricht habe sich ebenfalls verändert, werde zunehmend digitalisiert., sagt Alfred Stöckle. „Allerdings können wir vieles nicht machen, weil uns der Datenschutz Grenzen setzt, da muss noch manches geklärt werden.“ Finanziell seien sie indes in Fellbach „hervorragend versorgt“. Die Schule sei wahnsinnig gut aufgestellt. „Mein Nachfolger kann auf den fahrenden Zug aufspringen.“

Alfred Stöckle wird derweil den Zug verlassen – und gen Norden weiterreisen. Allerdings nicht ohne eine offizielle Verabschiedung, die am Montag, 24. Juli, 17.30 Uhr, in der Aula sein wird.

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