Erfolgreicher Protest von trauernden Angehörigen: Die Stadt Fellbach geht auf die vielfach geäußerten Wünsche ein. Blumengaben sind jetzt auch bei Kolumbarien möglich.
Auf Friedhöfen ist man in der Regel in sich gekehrt, es geht um die stille Trauer, um das Gedenken an die Verstorbenen. Manchmal allerdings kann auch dort schon mal die Gefühlswelt in Wallung geraten und sich fast schon zu einem „heiligen Zorn“ aufschwingen. Wie im vergangenen Jahr auf dem Fellbacher Kleinfeldfriedhof.
Mehrere Angehörige bezeichneten seinerzeit gegenüber unserer Redaktion als Ursache ihrer Verstimmung diverse Regelungen der Stadtverwaltung, die speziell die Urnenwände betrafen. Ein älterer Mann etwa hatte regelmäßig ein Grablicht unter die Ruhestätte seiner verstorbenen Frau gestellt. Doch möglichst schnell verfrachteten Friedhofsmitarbeiter das Licht in den Abfall.
Angehörige „einmal mehr geschockt“
Im November wiederum erwähnte eine Friedhofsbesucherin das Grab ihrer Eltern in der Urnenwand. Kurz zuvor sei sie „einmal mehr geschockt“ gewesen, nachdem die an Allerheiligen auf dem Kleinfeldfriedhof gesegneten Kerzen und liebevolle Blumengrüße auf den Müll geworfen worden seien.
Einige verärgerte Angehörige starteten eine Unterschriftenaktion in Richtung Stadt. Ein Passus aus dem Text: „Wir wünschen uns eine menschliche Betrachtung und Bewertung von Trauer auf einem Friedhof und ein Entgegenkommen oder einen Kompromiss, mit dem alle Beteiligten leben können.“
Im Fellbacher Rathaus hingegen verwiesen die Verantwortlichen auf Bedenken anderer Angehöriger, die sich über zu viele Blumen, Kerzen oder andere Dinge beschwert hätten. Außerdem hätten fest angebrachte Gegenstände oder auch Kerzenwachs die Kolumbarien beschädigt.
Inzwischen jedoch darf man konstatieren: Das hartnäckige Argumentieren, Insistieren und Mahnen hat bei den Entscheidungsträgern zum Einlenken geführt. Das ergibt sich aus einer aktuellen Information aus dem Büro der Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull.
Demnach hat man in der Verwaltung erkannt, dass kleinere Blumensträuße oder das Anzünden einer Gedenkkerze für manche Trauernde eben doch Grundbedürfnisse sind. Bisher sei dies bei Urnenwänden auf den Fellbacher Friedhöfen nicht möglich gewesen.
Künftig allerdings werden mit Gedenksteinen jene Bereiche markiert, in denen solche Gedenkrituale auch bei Kolumbarien einen würdigen Rahmen finden sollen. Das Projekt wird zunächst auf dem Kleinfeldfriedhof umgesetzt und bei positiven Rückmeldungen, auch in Schmiden und Oeffingen übernommen.
Die Fellbacher Baubürgermeisterin Beatrice Soltys erklärt: „Wir nehmen damit einen vielfach geäußerten Wunsch auf.“ Sie verweist auf die Petition einiger Angehöriger vom März 2025 an die Stadtverwaltung bezüglich der geltenden Friedhofsordnung. Diese erlaubt an Urnenwänden grundsätzlich keine Beigaben. Da diese Beigaben aber trotzdem erfolgten und sich andere Angehörige über das „ungeordnete und zum Teil wenig schöne Aussehen der Urnenwände“ beschwerten, räumte die Friedhofsverwaltung die Beigaben ab.
„Dies war und ist für einen Teil der Trauernden schwer nachzuvollziehen“, räumt die Baudezernentin nun ein. Der Hinweis, dass Urnenwände bewusst so aufgebaut seien, damit sie einheitlich und pflegearm seien, habe wenig Gehör gefunden. „Wir weisen jetzt mit den Gedenksteinen an den Urnenwänden acht Bereiche aus, in denen Grabbeigaben abgestellt werden können“, erläutert Beatrix Pfotenhauer, die zuständige Abteilungsleiterin. Ein direktes Ablegen am Urnengrab selbst wird aber weiterhin nicht erlaubt sein.
Verwelkte Blumen und abgebrannte Kerzen entfernen
Die neuen Ablagesteine ermöglichen nach Auskunft der Stadt künftig Erinnerungskerzen oder kleinere Sträuße. Die Trauernden werden aber gebeten, verwelkte Blumen und abgebrannte Kerzen zu entfernen.
Friedhofsmitarbeiter werden gegebenenfalls derangierte Gegenstände oder abgebrannte Kerzen aufräumen. Die Friedhofsverwaltung bittet, dass die Gegenstände ausschließlich an den Gedenksteinen drapiert werden und andere Trauernde nicht beeinträchtigen.