Im Herbst 2017 wurden die ersten Grabkammern saniert. Foto: factum/Granville

Seit mehr als einen Jahr ist klar, warum in manche Grabkammern auf dem Hemminger Friedhof unkontrolliert Wasser eingedrungen ist. Die Sanierungsarbeiten beschäftigen die Gemeinde noch Jahre. Und sie sind teuer.

Hemmingen - So wichtig und nützlich die Grabkammern auf dem Hemminger Friedhof auch sind, so viel Ärger bereiteten sie der Gemeinde bisher – und tun das noch weitere Jahre: Seitdem seit Herbst 2017 klar ist, warum einige Grabkammern teils zentimeterhoch mit Wasser vollgelaufen sind, rollen jetzt regelmäßig die Bagger an.

Die Mitarbeiter des Bauhofs heben den Bereich zwischen zwei sich gegenüberliegenden Grabkammerzeilen aus, kratzen von außen Bauschaum aus den Fugen der Kammerelemente an den Stirnseiten zwischen zwei Grabkammern und verlegen eine Folie, damit das Wasser abfließen kann – und nicht länger in die Kammern läuft. Die Arbeiten kosten die Gemeinde viel Zeit – und Geld: Der Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU) spricht von 6000 Euro je Reihe. Bei 270 Grabkammern kommen so rund 80 000 Euro zusammen.

Gemeinde bleibt auf den Kosten sitzen

Auf den Kosten bleibt die Gemeinde sitzen – obwohl das Unternehmen, das die Grabkammern für 1,3 Millionen Euro im Zuge der Friedhofserweiterung vor etwa zehn Jahren eingebaut hatte, gepfuscht hatte: Der Bauschaum stellte sich als so unnötig wie schlecht angebracht heraus. Doch kurz nachdem der Friedhof fertiggestellt war, ging besagtes Unternehmen pleite. „Da gab es nichts mehr zu holen“, meint der Bürgermeister, außerdem seien Fristen verstrichen. Die Gemeinde hatte erst im Herbst 2015 bemerkt, dass in manche Kammern Wasser gedrungen war. Und erst zwei Jahre später war der Grund dafür klar. Die Reihen der Grabkammern werden nun nach und nach saniert, jedes Jahr eine.

Die Grabkammern waren damals gebaut worden, weil die Leichen im Lösslehmboden extrem langsam verwesen – die Bodenart konserviert Leichnam und Holzsarg sehr gut. Sogenannte Wachsleichen entstehen. Diese bleiben Experten zufolge bis zu 300 Jahren relativ gut erhalten im Boden. Das verhindert, dass die Gräber nach Ablauf der Mindestruhezeit von 20 Jahren wiederbelegt werden können. Daher kommen in Hemmingen Särge inzwischen grundsätzlich in die Grabkammern.

Neue Bestattungsformen in Hemmingen sind gefragt

Die Gemeinde ist mit ihrem Problem im Übrigen nicht allein: Laut Experten haben die Hälfte aller Kommunen in Baden-Württemberg und alle, die in Letter-Keuper-Landschaften liegen, derart schlechte Friedhofsbedingungen. Aus diesem Grund hat zum Beispiel auch Hemmingens Nachbargemeinde Schwieberdingen zahlreiche Grabkammern gebaut.

In Hemmingen sind derzeit 60 dieser Betontröge belegt. Freie Kammern dürfte es noch eine ganze Weile geben, denn viele Hemminger ziehen der Erdbestattung die Urneneinäscherung vor: Im vorigen Jahr verzeichnete die Gemeinde 44 Erstbestattungen, davon waren vier Fünftel Urnenbegräbnisse. Den Trend zu Urnenbestattungen erklärt sich der Bürgermeister unter anderem mit weniger Aufwand für die Angehörigen bei der Pflege. „Noch weniger Aufwand ist bei einem Baumgrab oder Urnengrab in der Urnenwand nötig“, sagt Thomas Schäfer. Auf dem Hemminger Friedhof können die Bürger mittlerweile zwischen diversen Urnenbegräbnissen wählen, seit 2017 sind Baumgräber möglich. Auch deswegen wurde der historische Friedhofsteil im Sommer 2016 umgestaltet. Bald kommt der nördliche Teil dran: Dort sollen Bäume gepflanzt werden, um weitere Baumgräber anbieten zu können. Grundsätzlich will Hemmingen mehr Urnenbestattungen ermöglichen – an den Stellen, wo die Ruhezeit abgelaufen ist.

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