Besichtigung auf dem Kleinfeldfriedhof in Fellbach. Foto: Patricia Sigerist

Die Stadt stellt sich vermehrt auf andere Bestattungsformen ein. Die Bevölkerung nicht nur in Großregionen wie Stuttgart wird immer mobiler, die Verbindung an die Heimatstadt lässt nach.

Fellbach - Nahezu täglich holt Felix Merges aus seinem roten Ferrari das Maximum heraus. Doch es ist kein Sportwagen, mit dem er geradeaus oder um die Ecken kurvt. Das wäre auch nicht angemessen, denn sein Arbeitsplatz und der seiner drei Kollegen sind die drei Friedhöfe in Fellbach, Schmiden und Oeffingen. Orte der Trauer und des Abschiednehmens also, wo röhrende Superschlitten nur stören können. Stattdessen pflegt Merges dort mit seinem wendigen Vehikel regelmäßig die Gräser und Wiesen – auf einem Hochsitzrasenmäher aus dem Hause Gianni Ferrari.

Die Bevölkerung nicht nur in Großregionen wie Stuttgart wird immer mobiler

Das Trio – der vierte Kollege Thomas Ziegler ist urlaubsbedingt verhindert – sowie ihr direkter Chef Swen Lepke und weitere Vertreter der Stadtverwaltung stellten bei einem Pressetermin die aktuellen Entwicklungen auf den Friedhöfen vor. Die Bevölkerung nicht nur in Großregionen wie Stuttgart wird immer mobiler, die Verbindung an die Heimatstadt lässt nach. Die Menschen werden älter und sterben später – oft vereinsamt. All diese Faktoren wirken sich auf den Umgang mit dem Tod aus. „Es gibt einen Wandel im Bestattungswesen und in der Friedhofskultur“, stellt Baubürgermeisterin Beatrice Soltys fest. Daraus ergibt sich der Trend zu einem geringeren Platzbedarf und zu einem steigenden Interesse an alternativen Bestattungsformen.

„Der Gemeinderat hat im Jahr 2015 zwar einen Friedwald abgelehnt“, führte die Baudezernentin aus, „doch auf dem neuen Teil des Kleinfeldfriedhofs haben wir die Möglichkeit zur Bestattung von Urnen unter neugepflanzten Bäumen geschaffen – die Baumgräber.“ Verändern wird sich irgendwann auch der Umgang mit muslimischen Verstorbenen. Bisher seien die Toten in die Heimatländer geflogen worden, etwa in die Türkei. Doch die jüngere Generation, schätzt Soltys, werde vermutlich eines Tages hier begraben werden.

Im Februar 2016 wurde die Friedhofskonzeption für die nächsten Jahre fixiert. Nicht mehr nötig sein wird die beim Kleinfeldfriedhof vorgesehene Erweiterung gen Süden auf einen bisherigen Bolzplatz. Stattdessen soll das Areal nach Soltys’ Angaben für Wohnbebauung genutzt werden.

Die durch Bäume etwas abgedunkelt liegenden Kindergräber sollen mehr Helligkeit bekommen

Immer mal wieder gibt es von Friedhofbesuchern Beschwerden über die Rasenpflege oder den vermeintlich versäumten Heckenschnitt. Um hier besser reagieren zu können, gelten seit April gleitende Arbeitszeit eingeführt – Spitzenzeiten im Sommer können die fünf Friedhofsmitarbeiter durch Wenigerarbeit im Winter ausgleichen. Auf dem Kleinfeldfriedhof strebt die Verwaltung generell eine gewisse Auflockerung an. Querhecken sollen entfernt werden, um das Areal übersichtlicher zu gestalten, an anderen Stellen sollen mehr bunte Blumen gepflanzt werden. Die durch Bäume etwas abgedunkelt liegenden Kindergräber sollen mehr Helligkeit bekommen. Bereits aufgestellt sind die höheren Seniorenbänke, die erleichtertes Sitzen und Aufstehen ermöglichen. Neu gestaltet ist auch eine kleine parkähnliche Anlage an der Nordgrenze des alten Friedhofteils. „Die wird von Senioren gerne genutzt“, erläutert Tiefbauamtsleiter Thomas Stengel, „aber auch von Jugendlichen doch die sind dezent und wissen sich zu benehmen“.

Durchaus noch Handlungsbedarf besteht bei den Trittsteinen, die die Gräber begrenzen. Viele verschieben sich, werden durch Baumwurzeln nach oben getrieben und entwickeln sich zu heiklen Stolperfallen. „Bei 30 Kilomter verlegter Steine auf unseren Friedhöfen können wir nicht alles im Blick haben“, sagt Stengel, weshalb man dankbar für entsprechende Hinweise sei.

Ärger mit ungebetenen tierischen Gästen – das von Beatrice Soltys mit Entzücken registrierte Eichhörnchen gehört natürlich nicht dazu – gab es auch schon: „Wir hatten mal Füchse“, sagt Lepke, „einer hat seinen Bau ins Grab rein gebaut.“ Zum Glück sei er verschwunden. Verschwunden sein wird eines Tages auch der aktuelle Rasenmäher – aus Umweltgründen: „Wir testen gerade einen Elektro-Rasenmäher“, sagt Stengel, „wir wollen weg vom Benzin, hin zum reinen Elektrobetrieb.“

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