Kultusministerin Susanne Eisenmann setzt sich für die Pflege jüdischer Gräber ein. (Archivbild) Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Das Land will gemeinsam mit dem Saarland und Rheinland-Pfalz in den Erhalt und die Pflege jüdischer Friedhöfe in Frankreich investieren. Doch das ist nicht alles.

Karlsruhe - Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland haben vereinbart, sich gemeinsam für den Erhalt und die Pflege der Gräber deportierter Juden in Frankreich einzusetzen. Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) und der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD) stellten am Montag in Karlsruhe eine entsprechende Vereinbarung vor.

Am 22. und 23. Oktober 1940 hatten die Nationalsozialisten 6676 jüdische Bürgerinnen und Bürger aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland nach Gurs in Südfrankreich deportiert. Die meisten von ihnen starben in einem Lager aus Holzbaracken und wurden auf dem angrenzenden Lagerfriedhof beigesetzt. Andere kamen in Außen- und Vernichtungslagern um. Nur wenige kehrten zurück in ihre deutsche Heimat.

2000 Gräber auf 30 Friedhöfen

Heute erinnern rund 2000 Gräber auf über 30 Friedhöfen an die Opfer der Deportation. Einige der Gräber sind in schlechtem Zustand, manchen droht eine Auflassung. Ziel der neuen Vereinbarung ist es, die Gräber mit Hilfe jüdischer Sachverständiger entsprechend der jüdischen Begräbniskultur neu zu gestalten und aufzuwerten. Auf drei Friedhöfen haben die Arbeiten bereits begonnen. Koordiniert werden die Arbeiten vom Kultusministerium Baden-Württembergs. Der deutsche Botschafter in Frankreich unterstützt die Bundesländer und stellt die Kontakte zu den französischen Behörden her.

In Frankreich ist zudem der Bau eines neuen Dokumentationszentrums am Rande des ehemaligen Lagers geplant. Auf kommunaler Ebene besteht bereits seit den 1950er Jahren eine ähnliche Kooperation zur Unterhaltung und Pflege des Lagerfriedhofs in Gurs. Anlässlich des 80. Jahrestags der Deportation im Oktober 2020 haben die drei Bundesländer bei der Gedenk- und Bildungsstätte „Haus der Wannseekonferenz“ in Berlin eine Wanderausstellung in Auftrag gegeben, die in über 30 Städten im Südwesten Deutschlands sowie in französischen Städten zu sehen sein wird.

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