Frieder Burda vor seinem ersten Sammlungsstück, Lucio Fontanas „Concetto spaziale“ Foto: dpa

Eigentlich ist alles ganz einfach. „Die Aufgabe heißt, den Leuten mit schönen Bildern eine Freude zu machen“, sagt Frieder Burda gern. Es ist eine typische Aussage für den Sammler und Stifter – ehrlich, aber doch auch ein wenig untertreibend.

Baden-Baden - „Ich bin“, sagt Frieder Burda, „Sammler aus Leidenschaft.“ Und so heißt denn auch die anlässlich des 75. Geburtstags von Frieder ­Burda erschienene Biografie von Stefan Kohldehoff, „Sammler aus Leidenschaft“, die Bekenntnis im doppelten Sinn ist. „Ich bin ja eigentlich ein Quereinsteiger“, sagt Burda, der in verschiedenen Bereichen des Druck- und Verlagsimperiums Burda tätig ist, bevor er 1986 – nach dem Tod des Vaters wie sein Bruder Franz mit einem Beteiligungspaket versehen – seinem Bruder Hubert die Führung des Unternehmens überlässt. „Einen Verlag“, begründet Frieder Burda seine damalige Entscheidung, „kann man nicht zu zweit führen.“

Burdas Bekenntnis zur „Leidenschaft“ schafft zugleich Freiräume für offene Begeisterung. 1968 sieht Frieder Burda auf der Weltkunstausstellung Documenta IV in Kassel Lucio Fontanas Bild „Concetto spaziale“ – „ein unglaubliches Erlebnis für mich“, wie Burda als Gast der Gesprächsreihe „Über Kunst“ unserer Zeitung 2011 in der Galerie Klaus Gerrit Friese in Stuttgart ­betont. „Andere gingen demonstrieren, ich habe einen Fontana gekauft“, sagte er seinerzeit. Der erwartete Zorn seines Vaters aber sei ausgeblieben. Im Gegenteil: „Er fand es sogar ganz gut.“ Der Preis: 3500 Mark.

Werke des deutschen Expressionismus umgeben Frieder Burda im Elternhaus, und das Ausdrucksstarke beschäftigt ihn in der Kunst bis heute besonders. Auch im „Über Kunst“-Gespräch lässt der Sammler immer wieder das Expressive als Ausgangspunkt seines Interesses an Kunst erkennen. Und auch diese Position bleibt: „Ich komme vom Bild.“

Frieder Burda sammelt Bilder von Künstlern seiner Generation

Frieder Burda interessiert sich für den abstrakten Expressionismus der New York School um Jackson Pollock, und er sammelt Arbeiten von Künstlern „der eigenen Generation“, vor allem von Gerhard Richter, Sigmar Polke und Georg Baselitz. Wie aber würden sich einmal all diese Werke zu einem Ganzen fügen, wie sich präsentieren lassen?

Am 20. April 1998 wird die Stiftung Frieder Burda gegründet. Das Ziel: der Bau eines eigenen Museums. Wo aber soll es entstehen? Im Ausland? In einer Metropole? Frieder Burda entscheidet sich für Baden-Baden. Das Areal, unmittelbar angrenzend an die traditionsreiche Staatliche Kunsthalle Baden-Baden – in den 1960er Jahren eine der ersten Bühnen internationaler Gegenwartskunst in Deutschland –, stellt das Land Baden-Württemberg in Erbpacht zur Verfügung. Die Baukosten selbst wie auch die Finanzierung des Betriebs wird die Stiftung tragen. Das bringt Respekt, doch der Widerstand gegen einen zunächst favorisierten Entwurf des Schweizer Büros Steib + Steib (in Stuttgart erarbeiteten sie den Erweiterungsbau der Staatsgalerie Stuttgart für die Graphische Sammlung) bleibt.

Im eigenen Museum hält sich Burda im Hintergrund

Die Lösung kommt überraschend, zeichnet doch der US-Amerikaner Richard Meier einen geometrischen weißen Baukörper, der sich gegenüber der Lichten­taler Allee bewusst zurücknimmt. Im Inneren überzeugt der Bau ebenso, ergeben sich doch über zwei Ausstellungsgeschosse und die erschließenden ­Besucherrampen immer wieder neue Blickachsen.

Lange hält sich Frieder Burda im eigenen Museum im Hintergrund. Der Chef, heißt es in Baden-Baden, stehe nicht gern im öffentlichen Rampenlicht. Aber da ist noch etwas anderes. „Ich bin kein Kunsthistoriker“, sagt Burda als „Über Kunst“-Gast, „ich brauche jemanden, der meine Ideen umsetzt.“ Rat geben Klaus Gallwitz, Götz Adriani vor allem (seit 2014 im Kuratorium der Stiftung), aber auch Gastkuratoren wie Werner Spies und Jean-Louis Prat. Seit 2014 lenkt Helmut Friedel, langjähriger Direktor des Münchner Lenbachhauses, das Programm im Museum Burda. Noch bis zum 29. Mai ist Gerhard Richters Bildzyklus „Birkenau“ zu sehen, künstlerischer Reflex auf das Morden im deutschen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Und wieder steht Frieder Burda, der Sammler, Stifter und Museumsgründer, im ersten Obergeschoss am Rand der Besucherrampe. Beiläufig wirkt das, unauffällig ist es, und Burda selbst gefällt es. „Ich mag es, wenn sich die Leute vor den Bildern bewegen“, sagt er. Der Blick von dieser Position ist auch der Blick des Kapitäns. Burda kann es sich – wie in all den Jahren zuvor – leisten, leise zu sein.

Das Museum in Baden-Baden feiert 2019 sein 15-jähriges Bestehen

Eingreifen, wenn es nötig ist, das sagt sich so leicht. Als Frieder Burda glaubt, das Steuer auch nach außen sichtbar an einen eingesetzten Direktor übergeben zu können und das Experiment scheitert, ist er konsequent. Ein Intendant, ein künstlerischer Leiter auf Zeit ja, ein Direktor nein.

An diesem Freitag wird Frieder Burda 80 Jahre alt. Sein Museum ist noch immer jung, feiert 2019 sein 15-jähriges Bestehen. Für Frieder Burda ist das Herausforderung und Ansporn, weiter der eigenen Lust an „starker Kunst“ zu folgen, aber auch offen zu bleiben für die Impulse, die etwa Götz Adriani oder nun vor allem Helmut Friedel geben.

Es gibt viel zu entdecken – da ist sich Frieder Burda sicher – „immer wieder und immer wieder neu für mich selbst“. Man glaubt es ihm sofort. Immerhin ist da einer, der mit 60 Jahren das initiierte, was er jetzt zwar „mein Lebenswerk“ nennt, was aber nach gerade 20 Jahren noch viel verspricht.

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