Zeichen des guten Willens: ELN-Kämpfer geben ihre Waffen ab. Foto: EFE

Die Regierung Kolumbiens hat den Start der Friedensgespräche mit der linken Guerilla-Gruppe ELN vertagt. Präsident Juan Manuel Santos ließ die Abreise seiner Unterhändler nach Quito verschieben. Erst müsse ELN einen früheren Kongressabgeordneten freilassen.

Bogota - Die kolumbianische Armee wirft der Guerillagruppe Nationales Befreiungsarmee (ELN) die Ermordung von zwei Lastwagen-Fahrern vor. Wenige Stunden zuvor hatte Präsident Juan Manuel Santos die Verschiebung der Friedensgespräche mit der Linksguerilla ELN bekannt gegeben. Santos stoppte die Regierungsdelegation am Donnerstag kurz vor Abflug in die ecuadorianische Hauptstadt Quito, weil die ELN nicht wie vereinbart die offensichtlich letzte Geisel in ihrer Gewalt rechtzeitig freigelassen hatte. „Die Aufnahme der formellen Gespräche bleibt solange ausgesetzt, bis Odín Sánchez unversehrt nach Hause zurückgekehrt ist“, sagte Santos verärgert.

Freilassung wird angeblich vorbereitet

Der frühere Abgeordnete Sánchez ist seit April in der Gewalt des „Ejército de Liberación Nacional“ (ELN). Seinerzeit ließ er sich gegen seinen Bruder Patrocinio Sánchez, Ex-Gouverneur des Departement Chocó austauschen, der zwei Jahre und neun Monate in Händen der Rebellen war. Entführungen gehören zu den wichtigsten Einnahmequellen der ELN.   Santos warnte die ELN, ihre Geisel bis zum 3. November freizulassen, wenn die erste formelle Gesprächsrunde in Quito ansteht. Pablo Beltrán, Verhandlungsführer der ELN, versicherte, dass „alle Zusagen eingehalten werden“. Allerdings nahm er zu dem verschleppten Politiker nicht konkret Stellung. Nach Angaben von Juan Camilo Restrepo, Leiter der Regierungsdelegation, und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) laufen die Vorbereitungen zur Freilassung von Odín Sánchez. Wann er allerdings nach Hause zurückkehren kann, ist nicht klar.

Am Donnerstag ermordeten laut dem kolumbianischen Militär Kämpfer der ELN zwei LKW-Fahrer im nordöstlichen Departement Arauca. Sie stoppten die Fahrzeuge, erschossen die Männer und zündeten anschließend die Lastwagen an. Diese Gewalttat könnte die Friedensgespräche weiter erschweren.  

Rückschlag für den Friedensnobelpreisträger

Die Vertagung des Auftakts der ELN-Verhandlungen ist ein weiterer Rückschlag für Präsident Santos, dem für seinen Einsatz für einen Frieden mit der großen Linksguerilla Farc kürzlich der Friedensnobelpreis zugesprochen worden war. Allerdings lehnte die Bevölkerung in einem Referendum am 2. Oktober das als historisch titulierte Übereinkommen ab.

Derzeit laufen Nachverhandlungen mit der Farc und der Rechtsopposition, deren Ausgang unvorhersehbar ist. Santos will noch vor Ende seiner Amtszeit in zwei Jahren einen umfassenden Frieden für sein Land erreichen. Und dafür muss er auch ein Abkommen mit der ELN schließen. Zwei Jahre lang hatten die kleinere der beiden Guerillas und die Regierung die Agenda der Friedensgespräche sondiert und sich auf sechs Themen geeinigt: Waffenstillstand, Opferentschädigung, Strukturreformen etwa zur Überwindung der Armut, Demokratisierung, Implementierung des Abkommens und vor allem die aktive Beteiligung der Bevölkerung am Friedensprozess.

Was ELN und Farc unterscheidet

In erster Linie beim letzten Punkt unterscheidet sich die ELN-Agenda inhaltlich von derjenigen mit der Farc.   Die ELN ist eine christlich und marxistisch orientierte Rebellenbewegung. Sie wurde 1965 nur ein Jahr nach den Farc gegründet. Anders als diese hat sie aber keine ländlichen Wurzeln, sondern war zunächst eher eine Stadtguerilla, die sich an der kubanischen Revolution orientierte. Nach Schätzungen von Experten hat die ELN noch rund 2000 aktive Kämpfer.

Zum Vergleich: Die Farc verfügt über rund 7000 Kämpfer zuzüglich ihrer Unterstützungsnetze in den Städten. Die ELN ist besonders stark in den Grenzregionen zu Ecuador (Departamento Nariño) und Venezuela (Arauca und Norte de Santander). Anders als die Farc finanziert sie sich deutlich weniger über den Drogenhandel und sehr viel mehr über Entführungen und Schutzgelderpressungen. Zudem verübt die ELN zahlreiche Anschläge auf Anlagen der Infrastruktur.

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