Die Schülerin Greta Thunberg ist Foto: dpa

Die junge schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg irritiert mit Äußerungen zur Nutzung der Kernenergie. Ist sie dafür? Oder doch nicht?

Stockholm - So hatte sich das Greta Thunberg sicherlich nicht vorgestellt. Die 16-jährige Klimaaktivistin aus Schweden hat in dieser Woche erfahren müssen, dass man als Person des öffentlichen Lebens jedes Wort auf die Goldwaage legen muss. Die Stockholmer Schülerin, die mit ihrem Schulstreik für das Klima zu einer Ikone des weltweiten Protests gegen den Klimawandel geworden ist, hatte in einem Facebook-Eintrag vor einer Woche fast beiläufig gefordert, die schon ewige Debatte um die Atomkraft zu beenden. Mehr noch: Sie schrieb, die Atomenergie sei möglicherweise ein „kleiner Teil“ bei der Suche nach „einer sehr großen kohlenstofffreien Energielösung“.

Thunberg, die kommende Woche mit einer Goldenen Kamera für ihr Engagement für den Klimaschutz ausgezeichnet werden soll, berief sich in ihrem Facebook-Eintrag auf den Weltklimarat (IPCC) und unzählige Wissenschaftler, die schon seit Längerem die Nutzung der Atomenergie als eine Maßnahme sehen, um die CO2-Emissionen drastisch zu senken. Doch dass das Vorbild vieler zehntausend Schülerinnen und Schüler auf der ganzen Welt für die Nutzung der Kernkraft eintritt, löste wilde Diskussionen aus.

„Einige haben meine Aussagen auf die Goldwaage gelegt“

Wie kann eine Vorkämpferin für den Klimaschutz für die Atomkraft werben, fragten sich viele. Erstmals bekam die Schülerin, die seit vergangenem August jeden Freitag vor dem schwedischen Parlament für die Umsetzung der Pariser Klimaziele protestiert und tausende Nachahmer auf der ganzen Welt gefunden hat, Gegenwind zu spüren.

Es sollte nicht lange dauern und Greta Thunberg ruderte zurück. Zumindest ein wenig. Denn Mitte der Woche ergänzte die Schülerin ihren Facebook-Eintrag, weil „einige Leute und sogar Zeitungen meine Aussagen auf die Goldwaage gelegt und Teile weggelassen haben“, wie sie die Korrektur ihres ersten Statements begründete. Nun schreibt die junge Schwedin: „Ich bin persönlich gegen Atomkraft, aber nach dem IPCC könne sie tatsächlich ein kleiner Teil einer großen, neuen CO2-freien Energielösung sein“. Offenbar hatte die Initiatorin der „Friday For Future“-Bewegung die Reaktionen auf ihren Facebook-Eintrag unterschätzt.

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