Philippe Bouveret und Géza Spiegel (Foto) haben die Freundschafts-Symbole der Partnerstädte Vaihingen und Melun geschaffen. Beide Werke gibt es an beiden Orten Foto:  

Kunst im öffentlichen Raum: Die Freundschafts-Symbole von Géza Spiegel und Philippe Bouveret. Morgen werden die beiden identischen Kunstwerke im Stadtgarten der französischen Partnerstadt übergeben, im Rahmen des Käsefestes Fête du Brie.

Vaihingen - Morgen werden zwei identische Kunstwerke im Stadtgarten der französischen Partnerstadt übergeben, im Rahmen des Käsefestes Fête du Brie. Eine Vaihinger Delegation ist dabei. Seit zwei Wochen symbolisieren die beiden Stahlplastiken gegenüber dem Seerosenteich im Stadtpark die Freundschaft zwischen Vaihingen und Melun. Sie waren in einem binationalen Wettbewerb von der Jury ausgewählt und mit vereinten Kräften privater Spender, der Kultur am Kelterberg, von Bezirk und Stadt finanziert und zum Vaihinger Herbst errichtet worden.

Kontakt entstand 2012

Die Idee hatte Harald Marquardt, der Vorsitzende der Kultur am Kelterberg. Er nahm 2012 Kontakt auf mit seinem Freund Jean Pierre Delaveau, dem Präsidenten der Künstlergruppe Les Arts Verts aus Melun, und mit Madame Colette Mélot, der Senatorin des Departements Seine et Marne, die seit vielen Jahren dort die treibende Kraft der 1985 besiegelten Partnerschaft ist. Auf Vaihinger Seite gewann Géza Spiegel den Wettbewerb, Grafiker und Maler und vieles mehr, dazu Marquardts Stellvertreter im Kelterberg-Verein. Bei den französischen Freunden fiel die Wahl der Juroren auf Philippe Bouveret.

Philippe Bouveret ist in Frankreich weit über Melun und die Ile-de-France hinaus ein bekannter Künstler. Internationale Beachtung fand er früh als junger Mitarbeiter an Jean Tinguelys 1969 begonnenem Kollektiv-Kunstwerk „Le Cyclop“ im Wald von Milly-la-Forêt, nicht gar so weit entfernt von Melun und Fontainebleau. Der Schweizer Jahrhundert-Künstler, 1991 gestorben, ist nicht nur durch seine Lebens- und Künstlerpartnerschaft mit Niki de Saint Phalle – die Frau mit den drallen bunten „Nanas“ - berühmt geworden, sondern gilt auch als einer der Pioniere kinetischer Kunst. Seine surrealistischen Maschinen, meist in rostigem Stahl verfertigt, sind Tinguelys bleibendes Markenzeichen geworden. Diese künstlerische Verwandtschaft ist auch in Philippe Bouverets Partnerschafts-Kunstwerk unverkennbar.

Bouveret glänzt durch leicht fassbare, fast verspielte Symbolik

Da sind zwei bewegliche durchbrochene Ringe aus unbearbeitet rostendem Stahl zu sehen. An ihren jeweiligen Enden leuchten in rostfreiem Edelstahlglanz die Umrisse der beiden Länder, Frankreichs und Deutschlands. Der kinetische Clou ist das sichtbar bleibende Innenleben der Ringe: Mit Alkohol gefüllte Behälter, die ihre Balance je nach einstrahlender Wärme verändern und die Länder-Silhouetten aufeinander zu oder voneinander weg bewegen – bis hin zur Überschneidung.

So leicht fassbare, fast verspielte Symbolik ist Géza Spiegels Sache nicht. Auch im Bildhauer bricht bei ihm der Grafiker durch und ein Konzept-Künstler, der seine Mittel zur knappsten Konsistenz konzentriert. Seine zwei stehenden Platten – aus behandeltem, gesteuert rostendem Corten-Stahl – haben Ausschnitte, in denen die Buchstaben M und V zu einer untrennbaren Einheit werden. Die schrägen Gravuren der Klarnamen Vaihingen und Melun auf der Vorderseite wirken fast als ein Zugeständnis an die vielen Menschen, denen solche Deutung das Verständnis der künstlerischen Zeichen erleichtert. Das darf sein, vielleicht soll es auch sein. Denn das Kunstwerk ist gerade hier als allen zugängliches Zeichen der Freundschaft gedacht, fast als ein Denkmal.

Ganz interessant ist, dass Bouverets bewegliche Installation sich mehr das deutsch-französische Verhältnis zum Thema nimmt, diese Geschichte einer jahrhundertealten „Erbfeindschaft“ zweier europäischer Völker und Kulturen mit den immer noch nicht ganz geheilten Wunden der deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. Géza Spiegel hingegen nimmt die auf lokaler Ebene gewachsene Verbundenheit zwischen den Städten und Menschen ins zeichenhafte Zentrum seines Werks.

Beides sind schöne Zeichen. In Vaihingen und in Melun. Im Stadtpark fügen sie sich geschmeidig und unaufdringlich in die Landschaft ein.

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