Auch nicht abgeholte Fundräder werden inzwischen gespendet. Foto: /Gottfried Stoppel

Der Freundeskreis für Flüchtlinge in Fellbach hat im vergangenen Jahr 342 Fahrräder auf Vordermann gebracht und an geflüchtete Menschen im Kreis verteilt.

Zum Sprachkurs, aufs Amt, einkaufen – es gibt viele Orte, an die geflüchtete Menschen in ihrem neuen Alltag gelangen müssen. Ohne fahrbaren Untersatz kann das aber ganz schön mühselig sein. Der Freundeskreis für Flüchtlinge in Fellbach schafft deshalb schon seit 2015 Abhilfe in Form von Fahrrädern. Diese werden gebraucht eingesammelt, auf Vordermann gebracht und dann für wenig Geld an geflüchtete Menschen verteilt.

 

Viel Unterstützung und hohe Nachfrage

Wolfgang Kunrath ist einer der ehrenamtlichen Helfer und von Beginn an mit dabei. „Ich ging damals in Rente und habe nach etwas gesucht, wo ich mich einbringen konnte“, erzählt er. Da bot sich ein Ehrenamt an, das sich den Hunderttausenden widmete, die damals nach Deutschland kamen. Zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Fellbacher Politiker Knut Matzen stellte Kunrath die Fahrradwerkstatt auf die Beine. Das Projekt ist Teil des Freundeskreises für Flüchtlinge Fellbach und trifft seit seiner Entstehung auf viel Unterstützung, aber auch eine große Nachfrage.

So wurden im vergangenen Jahr 342 Fahrräder verteilt, ein Wert, der vergleichbar mit denen aus vorherigen Jahren ist. Insgesamt wurden bisher etwa 1800 Räder unter die Leute gebracht. Wann immer jemand ein Rad abzugeben hat, sammelt Kunrath es ein und macht es mit den anderen Helfern fahrbereit. „Dabei geht es um solche Dinge wie Reifen wechseln, den Sattel anpassen und das Rad richtig einzustellen. Richtige Reparaturen führen wir nicht durch“, betont er.

Eine Werkstatt im alten Freibad

Die Hilfsbereitschaft der Menschen hat sich laut Wolfgang Kunrath in den letzten Jahren gewandelt: „Sie ist noch da, aber nicht mehr so offensiv wie das noch vor zwei Jahren der Fall war.“ Man merke, dass viele Leute inzwischen andere Dinge im Kopf haben. „Viele spenden aber immer noch ihre Räder, weil sie sie loswerden wollen und es ein sinnvoller Zweck ist.“

Meldet sich jemand, um ein Rad abzugeben, holt Wolfgang Kunrath es ab und bringt es in die Werkstatt. Anfangs werkelten die freiwilligen Helfer, darunter auch mehrere Menschen aus Syrien, im alten Fellbacher Hallenbad. Als dort 2020 Renovierungsarbeiten anfielen, zog die Werkstatt ins alte Freibad um, wo sie auch heute noch residiert. Die Umkleiden und Gastronomieräumlichkeiten wurden in eine Werkstatt umgewandelt. „Im Winter pausiert die Werkstatt, weil wir dort keinen Strom haben und es einfach zu kalt wäre“, erklärt Kunrath. Das sei jedoch kein Problem, da der Bedarf an Rädern im Winter sowieso eher gering sei.

Die Suche nach freiwilligen Helfern

Für die Verteilung der Räder veranstaltet der Freundeskreis einmal im Monat sonntags einen Verkauf. Pro Rad fallen in der Regel zehn Euro Bearbeitungsgebühr an, um die Kosten für die Instandsetzung zu decken. „Einmal hatten wir vier E-Bikes, die haben wir dann für etwas mehr verkauft, um die hohe Nachfrage so zu regeln“, berichtet Kunrath. Oft würden sehr hochwertige Räder allerdings mehr Probleme als Freude bereiten, eben weil sie so begehrt seien. Deshalb entscheiden sich die ehrenamtlichen Helfer in solchen Fällen manchmal dazu, das Rad anderweitig zu verkaufen und den Erlös in Ersatzteile zu investieren.

Doch auch ein vorhandenes Budget für neue Reifen oder Sattel reicht nicht aus, um das Projekt am Laufen zu halten. „Wir haben nie genug freiwillige Helfer“, sagt Kunrath. Das Ausmaß seines eigenen Ehrenamts variiere von Jahreszeit zu Jahreszeit, liege in den wärmeren Monaten aber bei etwa zehn bis zwanzig Wochenstunden. „Wer mitschrauben möchte, ist herzlich eingeladen“, betont der ehrenamtliche Helfer.

Wer ein Fahrrad hat, dass er gerne spenden möchte, oder Interesse an einem Ehrenamt in der Fahrradwerkstatt hat, kann sich unter der Telefonnummer 0171/86 16 55 3 bei Wolfgang Kunrath melden.