Goodbye, Freund und Kupferstecher! Foto: 7aktuell/Robert Dyhringer

Am Wochenende wird im Freund und Kupferstecher der letzte Tanz gefeiert. Wir haben mit Besitzer Felix Klenk gesprochen, der sich an besondere Highlights erinnert und erklärt, wieso jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um Abschied zu nehmen.

Wir sitzen vor dem Suessholz unter der Markise. Es nieselt leicht und die Sommerluft ist drückend. Vor acht Jahren eröffnete Felix Klenk gemeinsam mit Christoph Warstat das Freund und Kupferstecher am Berliner Platz. Zuvor waren sie lange selbst als Veranstalter tätig, aber es lief nicht immer so, wie sie es sich vorstellten. Feste Eintrittspreise oder vorgeschriebene Musikstile engten die zwei in ihrer Vision ein. Also musste ein eigener Laden her.

 

Die Geburtsstunde

Im Freund und Kupferstecher konnten Klenk und Warstat ihre Ideen endlich so umsetzen, wie sie es sich erträumt hatten. Am Anfang hostete das Kupferstecher vor allem Beatproducer:innen. Später fanden dort auch viele Künstler:innen aus der Cloudrap- und Trap-Szene Ihre Bühne. Unter anderem hatte Rapper Rin einen seiner ersten Auftritte hier im Club. Er war damals einer von drei Nachwuchstalenten, die vor fast hundert Leuten spielten. Der nächste Auftritt von Rin im Club war bereits ausverkauft, die Schlange reichte damals bis zum Dönerladen, so Klenk.

Wie groß der Schritt zum eigenen Club rückblickend war, darüber seien sich die zwei Gründer mit Ende zwanzig gar nicht bewusst gewesen: „Es war ein Step, von dem wir gar nicht wussten, wie groß er eigentlich ist“, so Klenk.

Es waren gute Zeiten

Die Frage, ob es besondere Highlights in der Historie des Kupfis gibt, ist für Felix schwierig zu beantworten, denn es gab viele, egal ob mit der Crew, dem Publikum oder besonderen Künstler:innen. Ein Wendepunkt für den Club ist ihm jedoch sehr präsent, und zwar der Gig von Mike Skinner im Jahr 2014. Mike Skinner hatte damals bereits ein recht großes Publikum und sollte aus London eingeflogen werden. Das Konzert war im Vorfeld ausverkauft, etwas Besonderes, nachdem die letzten Monate im Kupferstecher von recht mittelmäßigem Erfolg geprägt waren.

Aber das Wetter drohte das Konzert zum Ausfallen zu bringen: „Es gab ein Schneechaos am Heathrow Airport und wir wussten nicht, ob der Flieger abheben würde - und sollte der Flieger abheben, war unklar, ob Mike Skinner am Flughafen gewartet hatte“, erzählt Felix. Letztendlich gab es Entwarnung. Mike Skinner saß im Flugzeug, das trotz Wetterlage abheben konnte und der Abend wurde ein voller Erfolg.

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Mittwoch: Kupferstechertag

Nach den ersten paar Jahren lief der Club so richtig an, für das Booking und die Organisation war man bis dahin selbst verantwortlich gewesen. Das Kupferstecher wurde zum Club und Veranstaltungsort, um den man in Stuttgart nicht mehr drumherum kam. Wer mittwochs in Stuttgart feiern wollte, landete eigentlich immer im Kupferstecher. Den Hip-Hop Mittwoch übernahm man vom Vorgängerclub „Stereo“ 

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Aber auch Veranstaltungsreihen wie Zelle60 entwickelten sich über die Zeit zum Publikumsliebling. Bei den Mitarbeiter:innen war die Veranstaltungsreihe Beefcake immer sehr beliebt, denn „die Menschen waren immer super angenehm, die Stimmung geil und das Trinkgeld gut“.

Der Anfang vom Ende

Die Coronapandemie selbst war nicht der Auslöser für das Ende des Clubs, da ist sich Felix sicher. Dennoch haben die vom Lockdown erzwungenen Pausen für den Inhaber allerlei Erkenntnisse mit sich gebracht. Er habe realisiert, wie zehrend der Arbeitsalltag schon vor Pandemiebeginn war. Man sei älter geworden, es werde immer anstrengender, mehrere Nächte die Woche bis um fünf Uhr morgens im Club zu stehen. Felix trinkt frischen Minztee zu seiner Zigarette. Er ist braun gebrannt und blickt in die Ferne: „Wir haben mit dem Club was Besonderes für Stuttgart, vielleicht sogar für die ganze Szene in Deutschland, geschaffen, aber wir wollen das Pferd nicht totreiten.“

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Bereits im Jahr 2019 hätten er und Warstat beschlossen: noch ein Jahr, aber dann ist Schluss. Langweilig wird es ihm sicher nicht, denn neben dem Kupferstecher widmet er sich weiterhin dem Suessholz am Wilhelmsplatz, dem Freund und Kupfer Studio und er organisiert die Westallee, welche nächstes Wochenende stattfindet. Neue Pläne gibt es erst einmal nicht, schließlich hat er noch genug andere Projekte, die seiner Zeit bedürfen.