An warmen Tagen sind Wasserziele beliebt – sei es für eine Erfrischung oder einen kleinen Ausflug auf dem See. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Etwa 8,5 Millionen Übernachtungen gibt es jährlich in Stuttgart und der Region. Hinzu kommen rund 100 Millionen Tagesausflügler. Doch das Potenzial könnte laut Experten noch besser genutzt werden.

Stuttgart - Jährlich haben die Deutschen im Schnitt 2591 Stunden Freizeit. Das ist knapp 30 Prozent der Zeit, die pro Jahr insgesamt zur Verfügung steht. Aber wie gestaltet man sie? Eine Frage, die sich vor allem am Wochenende viele stellen. Man würde gern mit Familie oder Freunden einen Ausflug machen – doch ein geeignetes Ziel kommt einem partout nicht in den Sinn. Also bleibt man oft beim Altbewährten. Dabei gäbe es so viele Möglichkeiten.

Fragt man Armin Dellnitz, den Geschäftsführer der Stuttgart Marketing GmbH, nach den Vorzügen der Region, nennt er sofort den Abwechslungsreichtum: „Zwei einzigartige Automobilmuseen in Stuttgart, faszinierende Städte in direkter Nachbarschaft, dazu ein reiches Kulturangebot.“ Innerhalb von maximal einer Stunde Fahrtzeit erlebe man unterschiedlichste Landschaften: „Weinberge, Streuobstwiesen, Wälder. Nur selten gibt es diese Vielfalt innerhalb einer Region.“

35 Prozent sind Freizeittouristen

Nach Einschätzung des Experten ist die Region touristisch auf einem guten Weg. Es gebe es ein stetiges Wachstum. Das Gros von 65 Prozent liege zwar bei den Geschäftstouristen, sagte Dellnitz unserer Zeitung. Freizeittouristen machten inzwischen aber 35 Prozent aus – Tendenz steigend. Was nach Ansicht von Andreas Hesky, Oberbürgermeister von Waiblingen und Vorsitzender des Vereins Regio Stuttgart Marketing- und Tourismus, auch daran liegt, dass ein Umdenken im Reiseverhalten stattfindet. Urlaub und Kurztrips in der näheren Umgebung haben an Stellenwert gewonnen, Laut Umfragen war 2016 das eigene Land das beliebteste Reiseziel der Deutschen. „Man prahlt nicht mehr mit dem Urlaub in der Karibik, sondern punktet auch mit Erzählungen über die Wanderung auf der Schwäbischen Alb“, fasst Hesky den Trend zusammen.

100 Millionen Tagesausflügler im Jahr 2016

Die Zahlen sind entsprechend: 2016 wurden 3,7 Millionen Übernachtungen in Stuttgart verzeichnet. Gut 8,5 Millionen Übernachtungen sind es im Schnitt pro Jahr in der Region. „Wir gehen davon aus, dass es in fünf Jahren deutlich über neun Millionen sein werden“, so Dellnitz. Hinzu kommen noch nahezu 100 Millionen Tagesausflüge innerhalb der Region. „Und dieser Tagestourist muss erkennen, dass es sich lohnt, öfter zu kommen – und länger zu bleiben“, sagt Andreas Hesky. Die Stärke der Region liege in ihrer Vielfalt – die Vermarktung klappe auch deshalb, weil man in Stuttgart und der Region gemeinschaftliche Konzepte erarbeit habe.

Stuttgart muss den Neckar besser nutzen

Die Kommunen können mit der Entwicklung Schritt halten. Beispiele für Städte, die den Ball gut aufnehmen, sieht der Tourismuschef Dellnitz unter anderem an und auf der Schwäbischen Alb. Dort hätten klassische Heilbäder wie Bad Urach, Beuren und Bad Ditzenbach „mittlerweile den Hebel umgelegt und sich mit kreativen Angeboten gut aufgestellt“. Und Vaihingen habe es geschafft, die Enz touristisch für sich zu nutzen. Keine Selbstverständlichkeit, weiß der Fachmann. Für Stuttgart sieht er Nachholbedarf: „Der Neckar spielt bislang eine Nebenrolle“, beklagt der Tourismus-Experte. Deshalb gefielen ihm Ideen wie die „Neckarwelle für Surfer“. Überhaupt schlummern seiner Meinung nach in einigen Kommunen ungenutzte Potenziale. Fünf Milliarden Euro Umsatz werden in der Region bereits jährlich mit Tourismus erzielt, und angesichts der zu erwarteten Steigerung bei den Übernachtungszahlen stehen die Chancen auf einen Zuwachs auch hier nicht schlecht. Die Hotels in der Region seien gut ausgelastet, auch an Wochenenden, sagt Dellnitz. Aber es gebe ausreichend Kapazitäten, um den Freizeittourismus weiter auszubauen.

Doch: „Die Politik kann sich noch nicht in allen Kommunen dazu durchringen, den Tourismus angemessen zu fördern“, so Dellnitz. Bevor der Stein und damit der Rubel ins Rollen kommen kann, muss eine Attraktion erst einmal zum Leben erweckt und zum touristischen Angebot ausgebaut werden. „Sie muss gut betreut und mit professionellem Marketing groß gemacht werden. So etwas geht nicht nebenbei“, macht Dellnitz deutlich. Es koste Geld. „Ich wünschte mir manchmal mehr Mut, in den Tourismus zu investieren.“ Der sei schließlich nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein Wohlfühlfaktor, der den Einheimischen zugute komme.

Ihre Tipps, bitte!

Umfragen zeigen es seit Jahren: Der Deutschen liebste Freizeitbeschäftigung ist das Fernsehen. Doch 60 Prozent wünschen sich laut einer Umfrage der Hamburger BAT-Stiftung für Zukunftsfragen auch „mehr Ausflüge“. Die meisten würden also gern aktiv etwas unternehmen. Um Sie beim Erfüllen dieses Wunsches zu unterstützen, haben wir in unserer Serie Freizeitatlas 96 lohnenswerte Ziele in Stuttgart und der Region zusammengetragen. Von Dienstag, 2. Mai, an heißt es „Nichts wie raus!“: Vier Wochen lang stellen wir dreimal die Woche jeweils acht Ziele vor. Unterteilt ist der Freizeitatlas in zwölf vielfältige, abwechslungsreiche Kategorien. Wasserziele, Wanderwege, Schlösser und Burgen, Kinderspaß, Aussichtspunkte, Höhlen und Co., Historisches, Radrouten, Bäder-Paradiese, Altstadt-Trips, tierische Ausflüge sowie Aktiv-Touren: Ob Familie mit kleinen Kindern oder älteres Semester, ob Genießer oder Sportler mit Anspruch, jeder dürfte einen passenden Tipp finden.

Da Stuttgart und die Region ein üppiges Angebot bieten, hat die Redaktion eine Auswahl getroffen – Geheimtipps wie Klassiker, auf die Region verteilt, facettenreich, aber dennoch subjektiv. Deshalb sind nun Sie gefragt: Schicken Sie uns Ihre Tipps und Lieblingsziele – an freizeitatlas@stzn.de.

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