Im Mai eröffnet das erste spartanisch ausgestattete Trekking-Camp in der Region Stuttgart im Filstal. Kein Strom, kein Wasser und vor dem Campingvergnügen muss online gebucht werden.
Wild zu zelten ist in Deutschland nicht erlaubt, doch wer zu Fuß und mit dem Zelt unterwegs ist, muss nicht mehr zwangsläufig einen Campingplatz aufsuchen: In immer mehr touristisch gefragten Regionen werden für Wanderer sogenannte Trekking-Camps mit einfachster Infrastruktur angelegt, so etwa im Schwarzwald, im Oberen Donautal, im Odenwald oder auch im Schwäbisch-Fränkischen Wald nördlich von Lorch und Schwäbisch Gmünd. Im Kreis Göppingen wird jetzt das erste derartige Camp in der Region Stuttgart als Modellprojekt geplant, es befindet sich auf Gemarkung der Gemeinde Gingen und eröffnet zu Saisonbeginn im Mai. Von der Region Stuttgart gibt es dafür einen finanziellen Zuschuss.
„Langfristiges Ziel ist es, hier ein Weitwandererlebnis mit eigenem Zelt möglich zu machen.“
Susanne Leinberger,Sprecherin Landratsamt
Der Planungsausschuss der Region hat in der vergangenen Woche die Kofinanzierung von 16 Landschaftsparkprojekten beschlossen, die Fördersumme beläuft sich für 2026 auf 1,57 Millionen Euro. Im Fokus der frei zugänglichen Projekte stehen die Aufwertung der bestehenden Freizeitwege durch attraktive Rastplätze sowie Bewegung im Freien und siedlungsnahe Erholung. Im Landkreis werden neben dem Camp zwei weitere Projekte gefördert.
Das Camp in Gingen hat Modellcharakter
Das Trekking-Camp bei Gingen wird von der Gemeinde gemeinsam mit dem Landkreis und der Erlebnisregion Schwäbischer Albtrauf umgesetzt. Es soll perspektivisch aber nicht alleine bleiben, teilt Susanne Leinberger von der Pressestelle des Landratsamts mit: „Das Camp in Gingen hat für die Region Stuttgart Modellcharakter, weil es das erste ist, welches hier eingerichtet und betrieben werden soll. Es wird auch im ersten Jahr als Test gesehen, um dann bestenfalls weitere Camps folgen zu lassen. So könnte ein echtes ,Trekking-Weitwandern‘ ermöglicht werden.“
Im Gegensatz zu einem Campingplatz ist die Ausstattung der Camps spartanisch: Strom oder fließendes Wasser gibt es nicht, lediglich eine einfache Trockentoilette und Sitzmöglichkeiten. In der Regel sind aber eine Feuerstelle sowie Brennholz vorhanden. Der genaue Standort wird erst bei der Buchung mitgeteilt, die Camps sind nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar. „Voraussichtlich 15 Euro pro Nacht und Zelt“ werden beim Gingener Camp berechnet, sagt Leinberger. Maximal drei Zelte finden dort Platz, man darf höchstens eine Nacht bleiben und muss seinen Platz vorher online buchen.
Die Standortsuche war aufwendig
Mit der Standortsuche wurde laut Leinberger bereits 2022 begonnen. „Zunächst ist die Standortwahl relativ aufwendig gewesen, da es eine ganze Reihe zu beachtender Kriterien gibt“, berichtet sie. So sollte der Standort möglichst nah an den Fernwanderwegen liegen, die durch den Landkreis laufen. „Langfristiges Ziel ist es, hier ein echtes Weitwandererlebnis mit dem eigenen Zelt möglich zu machen.“ Der Standort sollte zudem nicht zu nah an einer Straße oder Siedlung und möglichst im Wald liegen. Dann kam die Bürokratie ins Spiel: Benötigt wurde eine forstrechtliche Genehmigung nach dem Landeswaldgesetz. Leinberger: „Wichtige Eckpunkte sind die Verkehrssicherungspflicht, die Kontrolle des umliegenden Baumbestands oder auch die Waldbrandgefahr.“
Aufgrund möglicher Beeinträchtigung der im Gesetz genannten Waldfunktionen seien außerdem das Umweltschutzamt sowie das Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landratsamts angehört worden. „Der Standort in der Gemeinde Gingen an der Fils hat sich am Ende als optimaler Standort herausgestellt, um mit dem Camp als Modellprojekt für den Landkreis Göppingen zu starten“, teilt Leinberger mit.
Eröffnung Das Camp bei Gingen wird im Mai eröffnet, ein Platz kann künftig auf www.mein-albtrauf.de gebucht werden.
Förderung für Ebersbach und Deggingen
Erholung
In Ebersbach geht es um das Projekt Rast- und Spielplatz Alleenpark, bei dem die Umgestaltung einer öffentlichen Grünanlage zu einem Erholungsraum in räumlicher Nähe zur Filstalroute und zur Route der Industriekultur mit 100.000 Euro unterstützt wird.
Flusserlebnis
In Deggingen steht das Projekt Filsoase mit 25.000 Euro auf der Förderliste. Dazu gehören unter anderem ein Naturklassenzimmer nahe dem Filstalradweg und der Route der Industriekultur, mit Sitzmöglichkeiten, einem Zugang zur Fils und einem Trinkbrunnen.