Die Dürre in Katalonien führt dazu, dass die Weinreben verdorren. Der Cava-Produzent Freixenet hat deshalb nun Kurzarbeit beantragt.
Die Geschäfte laufen gerade wunderbar. Im vergangenen Jahr wurden in der Welt knapp 252 Millionen Cava-Flaschen verkauft, so viele wie nie. Der wichtigste Exportmarkt ist Deutschland, da gingen mehr als 31 Millionen Flaschen des spanischen Schaumweins über die Ladentheke, ein Plus von gut 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Davon profitierte auch die deutsche Sektkellerei Henkell, die sich vor sechs Jahren die Hälfte des Marktführer Freixenet kaufte und seitdem hauptsächlich Freude an der spanischen Tochter hat. Nun die schlechte Nachricht: Freixenet hat bei der katalanischen Regionalregierung Kurzarbeit für 615 seiner 778 Beschäftigten beantragt. Das liegt am Wetter. Oder am Klima.
Im Penedès in den katalanischen Provinzen Barcelona und (zum kleineren Teil) Tarragona hat es seit drei Jahren nicht mehr ordentlich geregnet. Der Penedès ist die spanische Champagne, hier wird der Wein angebaut, der in den Bodegas der Gegend zu Cava heranreift. Der Wechsel von trockenen und regnerischen Jahren ist in dieser Mittelmeerregion nichts Ungewöhnliches, aber drei Jahre Trockenheit sind es doch. Im Rest Spaniens, vor allem in der nördlichen Hälfte, sind die Stauseen gut gefüllt, im Landesdurchschnitt zu zwei Dritteln, etwas mehr als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Doch im äußersten Nordosten Spaniens stehen die Pegel auf unter 25 Prozent, in Barcelona auf gerade noch gut 13 Prozent. „Wenn es nicht bald ordentlich regnet“, sagt der Penedès-Weinbauer Joan Pons im Gespräch mit der Zeitung „El País“, „sind wir jodidos.“ Elegant übersetzt heißt das: aufgeschmissen.
Eine Lösung zu Lasten der Artenvielfalt?
Pons und alle anderen Weinbauern werden sich umstellen müssen. Ob es im Penedès auf lange Sicht weniger regnen wird als früher, ist ungewiss, aber ziemlich gewiss ist, dass die Niederschläge unzuverlässiger werden. Sie sind es schon. Dazu steigen mit dem Klimawandel die Temperaturen, weswegen die Böden schneller austrocknen. Wie alle spanischen Landwirte können sich auch die Weinbauern nicht (mehr) auf die Natur verlassen. Wenn das Wasser nicht vom Himmel fällt, müssen sie es sich woanders herholen. Und sie müssen es effizienter einsetzen.
„Auf den Feldern mit Bewässerungssystemen, die leider noch die Minderheit sind, haben wir Feuchtigkeitssensoren installiert, um den Wasserverbrauch zu optimieren“, berichtet Mireia Pujol-Busquets vom Familienunternehmen Alta Alella. In ihrer Not hat die Familie aber noch zu einem anderen Mittel gegriffen: „Wir mussten die gesamte Vegetationsdecke entfernen, um die Konkurrenz mit den Reben so weit wie möglich zu reduzieren.“ Sie meint die Konkurrenz ums Wasser. Eine gute Lösung ist das nicht. Sie geht zu Lasten der Artenvielfalt.
An der künstlichen Bewässerung dagegen führt kein Weg vorbei, zumindest in Zeiten wie diesen, in denen es nicht regnet. Der Verband der Weinbauern der D. O. Cava – ein Gütesiegel, dem sich die meisten Weinbauern des Penedès angeschlossen haben – verspricht auf seiner Website, dass „viele die Installation von Tropf- oder unterirdischen Bewässerungssystemen erwägen“. Dass es viele der Weinbauern erwägen, ist nicht genug: Sie müssen es tun, alle. Ricard Fusté von der Bodega Sumarroca gibt der Zukunft einen Namen: „Präzisionslandwirtschaft, die aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht nachhaltiger ist. Die Digitalisierung ermöglicht es uns, die Bedürfnisse der einzelnen Parzellen besser zu verstehen, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Traktorfahrten zu reduzieren und unnötige Kosten zu vermeiden.“ Es ist der Weg in eine bessere Weinbauwelt.
Forderung nach direkten Hilfen
Noch ist sie nicht da. Die Bauern sind in Not. Sie bitten um Subventionen, aber vor allem um Wasser. Woher auch immer. Aus Wasserbassins, die hier und dort angelegt worden sind, aus tieferen Grundwasserschichten. Dass mindestens die Weinstöcke nicht absterben, wenn die Ernte auch gering ausfallen mag. Gerade geht es ums wirtschaftliche Überleben, nicht um zukunftsweisende Lösungen. „Ein gutes Bewässerungssystem ist mit Kosten verbunden“, sagt Jordi Bolet vom Bauernverband ASAJA, „und es ist eine Sache, sie durchzuführen, wenn die Reben in gutem Zustand sind, und eine andere, diese Kosten nach zwei schlechten Jahren zu tragen.“ Als guter Verbandsfunktionär fordert er „direkte Hilfen“, also öffentliches Geld.
Auch noch so effiziente Bewässerungssysteme brauchen das Eine, was gerade fehlt: Wasser. „Es ist nicht normal, dass es in Katalonien nur zwei Entsalzungsanlagen gibt“, sagt Joan Pons, der Weinbauer, der fürchtet, dass er und seine Kollegen jodidos sind, wenn es nicht bald regnet. Ohne Wasser, sagt er, bleibt nur noch eins: aufgeben. „Einige haben es schon getan.“