Fury in the Slaughterhouse Samstagabend am Killesberg Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Optimismus statt Krisenstimmung: Fury in the Slaughterhouse feiern auf dem Killesberg in Stuttgart eine Party für die Hoffnung. Vor dreißig Jahren klang das noch anders.

Was das Wort „Mono“ bedeutet, wissen Teenager heute vielleicht gar nicht mehr. „Mono“ nannte man nicht nur den flachen Einkanalton alter Schallplattenpressungen, „Mono“ war auch der Titel jenes Albums, mit dem die Hannoveraner Band Fury in the Slaughterhouse 1993 den internationalen Durchbruch schaffte.

 

Ihr düsterer Song „Every Generation Got It’s Own Disease“ beschrieb das Lebensgefühl Jugendlicher in den hedonistischen 1990ern, einer seltsamen Dekade, in der die Welt nach dem Ende des Kalten Kriegs einerseits weit und voller Möglichkeiten erschien, in der Popkultur jenseits von Techno, Eurodance und Hip-Hop, aber besonders im Grunge von Bands wie Nirvana oder Pearl Jam negativ gespiegelt wurde. „Every Generation“ trug keine politische Botschaft, sondern handelte von der Ratlosigkeit, wie man ein Leben abseits der Dauerparty überhaupt noch führen soll; ein Hilferuf nach Sinn.

Die Welt hat sich inzwischen massiv verändert, der alte Hit trifft aber immer noch, als Fury in the Slaughterhouse am Samstagabend auf der Freilichtbühne Killesberg das vorletzte Konzert ihrer Open-Air-Tour durch Deutschland geben.

Nach „Mono“ hat die Band noch einige Alben veröffentlicht, 2008 trennten sich die Mitglieder im Krach, 2017 fanden sie wieder zusammen. „Seitdem brummt es“, freut sich Leadsänger Kai Wingenfelder auf der Bühne. Nach der Pandemie und mitten im Krieg haben die sechs Musiker ein neues Album namens „Hope“ veröffentlicht – ausgerechnet. Auf dem Killesberg spielen sie eine Mischung aus aktuellen Titeln wie „Better Times Will Come“ oder „Don’t Give Up“ und einigen alten Krachern von „Mono“ wie „Radio Orchid“ oder dem trotzig donnernden „Dead and Gone“, das vor allem wegen der euphorischen Mandoline von Gero Drnek bis heute tief ins Ohr kriecht.

Herzliche Bindung zu den Fans

Fury in the Slaughterhouse sind in ausgelassener Spielfreude, die Verbindung mit den Fans ist ungebrochen herzlich. Kai Wingenfelder und der Gitarrist Christof Stein-Schneider haben nette Anekdoten auf Lager, von Irrfahrten mit der Deutschen Bahn zum Beispiel. Und Wingenfelder erklärt, warum sie keine alte Band, sondern eine „Heritage Band“ seien, eine Gruppe mit Vermächtnis also. All das macht Spaß; der druckvolle Sound, das Meer aus Handylichtern, dieses Hochgefühl, das die Band an diesem lauen Sommerabend auf den idyllischen Killesberg zaubert.

Da kann man durchaus überhören, dass die neuen Songs von den Alben „Now“ (2020) und „Hope“ im Vergleich zu den historischen „Mono“-Stücken meist gleichförmig fröhlich stampfen und angesichts der aktuellen Krisenstimmung allzu naiv Zuversicht propagieren.

„Mono“ war seines Titels zum Trotz vielschichtiger, ein Produkt seiner Zeit, das mit dem Abstand von dreißig Jahren ein bittersüßes Wiederhören beschert. Die Stücke von „Hope“ beschwören dagegen einen aus der Zeit gefallenen Optimismus, laden zu einer Party ein, die längst vorbei ist. Fury in the Slaughterhouse erweisen sich an diesem Abend als Meister der Verdrängung, aber vielleicht sind sie damit wie einst mit „Every Generation“ zu Chronisten eines Lebensgefühls geworden.