„Wir spielen Musik, die nicht im SWR läuft“, sagt Rainer Bocka. Beim zweiten Freikonzert treten drei Bands auf. Das Bild entstand beim ersten. Foto: Nina Ayerle

Wegen unerwarteten Andrangs verlegt der Verein Freikonzert sein zweites Konzert auf den Schillerplatz. Ziel des Vereins ist es, Musik zu spielen, die so nicht im SWR gespielt wird.

S-Mitte - Vordergründig ist das Erfolgskonzept schlicht: Wie es der Name des Vereins Freikonzert schon ahnen lässt, ist der Eintritt zu den Konzerten frei. Dies würdigte das Publikum beim ersten Versuch in der Marienkirche eindrücklich. Das erste Freikonzert dort war gleichsam dreieinhalb mal ausverschenkt. 800 Besucher fanden Platz in der Kirche. 2000 hörten vor ihr zu. Dies keineswegs enttäuscht darüber, dass im Inneren im Wortsinn noch der letzte Platz belegt war. „Ich durfte dabei sein“, sagt die Grünen-Bezirksbeirätin Andrea Leonetti. „Die Atmosphäre war wundervoll.“ Sie durfte wohlgemerkt vor der Tür dabei sein.

Finanzierung durch Spenden und Getränkeverkauf

Reiner Bocka und Tobias Reisenhofer haben jenen Verein zur Förderung kostenloser Kultur gegründet. „Wir jammern nicht, wir tun einfach“, sagt Bocka. Was sie tun, finanziert sich mit Spenden und vor allem mit dem Getränkeverkauf während der Konzerte. Die Initiatoren haben offenbar nicht damit gerechnet, überrannt zu werden. „Ursprünglich hatten wir eine kleine Reihe indoor geplant“, sagt Reisenhofer. Damit nicht die Mehrzahl der Besucher vor einer Tür zuhören muss, ist nun schon der zweite Versuch ins Freie verlegt. Am zweiten Mai, dem Brückentag, spielen drei Bands auf dem Schillerplatz. Der Bezirksbeirat Mitte – ansonsten allem eher abgeneigt, was unter dem Begriff Stadtbeschallung einzuordnen ist – hatte gemäß Leonettis Erfahrungsbericht keine Einwände.

Hintergründig hat das Erfolgskonzept mit Geld nichts gemein. Der Verein hegt den Wunsch, „Musik zu spielen, die nicht im SWR läuft“, sagt Bocka. Bös und klar formuliert: Musik für Menschen, die es satt haben, danach die Uhr stellen zu können, wenn Stairway to Heaven, Highway to Hell oder Judith Holofernes gesendet wird. Beim Konzertabend auf dem Schillerplatz spielen L’Aupair, Oscar and the Wulf und Sizarr. Zumindest Letztere können Musikfreunde durchaus kennen, die im Radio andere Frequenzen finden als die der allfälligen Normgeschmack-Sender. Das Freikonzert beginnt um 17 Uhr und endet um Mitternacht. Vor, nach und zwischen den Bandauftritten legen DJs auf. Das genaue Programm steht im Internet unter www.freikonzert.de.

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