Erin Lang hatte die Aufgabe des musikalischen Eisbrechers. Foto: Robin Daniel Frommer

Am Nikolausabend wurde so der Stuttgarter Wilhelmsplatz zur Open Air-Bühne, trotz winterlicher Temperaturen. Schon das insgesamt vierte Freikonzert veranstalten der 49-jährige Reiner Bocka und sein 32 Jahre alter Kompagnon Tobias Reisenhofer.

S-Mitte/ S-Süd - Schon das insgesamt vierte Freikonzert veranstalten der 49-jährige Reiner Bocka und sein 32 Jahre alter Kompagnon Tobias Reisenhofer – im wohlgemerkt ersten Jahr ihres gemeinsamen Projekts. Dies in Eigenregie und ohne öffentliche Fördermittel. Am Nikolausabend wurde so der Stuttgarter Wilhelmsplatz zur Open Air-Bühne, trotz winterlicher Temperaturen.

Die Vision der beiden Macher erläutert Tobias Reisenhofer: „Wir wollen bei freiem Eintritt eine öffentliche Plattform zur Verfügung stellen, auf der sich gerade regionale DJs einem breiteren Publikum präsentieren können“. Die Live-Bands des Open Airs – beim vierten Freikonzert gastierten Feral and Stray aus Montreal, Jack Beauregard und als Thomas Azier, angereist aus Berlin – sind bereits international unterwegs, beispielsweise gastiert Azier am 20. Dezember in Moskau und am 21. Dezember in St. Petersburg, jedoch durchweg auf Events, bei denen die Zuschauer für ihre Eintrittskarten bezahlen müssen.

Die Konzerte werden nun über Getränke finanziert

Die Stuttgarter Freikonzerte werden hingegen allein aus dem Getränkeverkauf und freiwilligen Spenden finanziert. Reiner Bocka ergänzt in Anspielung auf computergesteuerte Playlists beim Rundfunk: „Wir holen genau die Leute nach Stuttgart, die sonst hier nicht stattfänden. Das Freikonzert transportieren wir mittels Flyer und Programmheften, vor allem aber via Facebook, wo wir schätzungsweise 40 000 bis 50 000 Fans elektronischer Musik erreichen“. Er ist sicher: „Das profiliert natürlich nebenbei auch Stuttgart als Veranstaltungsort“.

Als erste singt die kanadische Singer/Songwriterin Erin Lang für „Feral & Stray“ auf der Bühne am oberen Ende des Wilhelmsplatzes gegen die schneidende Kälte an. Weder wegen der Lichtshow noch wegen der Lautstärke ergibt sich hier ein Problem mit der Nachbarschaft: Der rechteckige Platz beim Sigmundbrunnen wird fast ausschließlich von Versicherungsgebäuden und gastronomischen Betrieben eingefasst. Die Lautsprecher sind nicht auf das Hotel am Wilhelmsplatz ausgerichtet, und das mit der Stadt ausgehandelte Konzertende um 22.30 Uhr wird exakt eingehalten.

Erin Lang startet bereits um 17.30 Uhr mit federleichten, zerbrechlichen Eigenkompositionen, deren Texte sie mehr haucht als singt. Angesichts der Außentemperaturen tut sie sich natürlich mit der ihr zugedachten Aufgabe als „musikalischer Eisbrecher“ schwer. Wer jetzt wenigstens eine Körperhälfte an einem der von den Veranstaltern auf dem Wilhelmsplatz vorsorglich in Position gebrachten Heizpilze wärmen kann, bleibt erst einmal, wo er ist.

Die Kälte schreckt die Zuhörer nicht ab

Doch mit dem immer stärker werdenden Zustrom junger Zuschauerinnen und Zuschauer füllt sich der Platz immer mehr. Was ebenfalls wärmt: Im Gastro-Bereich gibt es Apfelpunsch und Glühwein. Und so erleben die DJs DibdIB, Banali und Jakob Mäder, und die beiden anderen Live-Bands – das Elektropop-Duo Jack Beauregard, namentlich Daniel Schaub und Pär Lammers, sowie der Niederländer Thomas Azier – den Wilhelmsplatz als von bestens gelaunten Menschen voll besetztes Open Air-Areal.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: