Kürzlich erst sind die Sanierungsarbeiten im Schwabtunnel abgeschlossen worden. Doch mit der Regelung des Verkehrs und der Aufteilung des Straßenraums sind die Radfahrer nicht zufrieden. Foto: Georg Friedel

In einem Verkehrstest soll der Schwabtunnel für ein halbes Jahr nur noch in eine Richtung für Kraftfahrzeuge befahrbar sein. Auf diese Weise wird eine Spur frei, die für Radfahrer und den Linienbus reserviert wäre.

S-Süd - Mit Magengrimmen und einer hauchdünnen Mehrheit hat der Bezirksbeirat Süd am Dienstag einem Verkehrsversuch im Schwabtunnel zugestimmt. Für sechs Monate soll dort eine Fahrspur zur Radspur umgewidmet werden. Man kann dann mit dem Auto nur noch vom Westen in den Süden fahren und nicht mehr von Süd nach West. Der Versuch könnte schon in diesem Herbst beginnen.

Hintergrund ist, dass Radfahrer sich auf der normalen Fahrspur im Tunnel nicht wohlfühlen. Es gibt dort zwar fast keine Unfälle – nicht einer seit 2016, an dem ein Fahrradfahrer beteiligt war. Doch berichtete beispielsweise Jens Hermann von den Stadtisten, dass er als Radfahrer häufig im Tunnel überholt werde, obwohl das verboten ist. Andere radelnde Bezirksbeiräte bestätigen das.

Unbehagen der Radfahrer

Die Problematik ist seit Jahren bekannt, und die Verwaltung hat etliche Lösungsvorschläge geprüft und alle verworfen. So war überlegt worden, Tempo 30 im Tunnel vorzuschreiben. Das aber verbietet die Straßenverkehrsordnung. Um die Geschwindigkeit herunterzuregeln, müsste der Tunnel ein Unfallschwerpunkt sein. Die Idee, anstatt zweier Fußwege eine Radspur einzurichten, wurde ebenfalls fallen gelassen, weil der Platz nicht ausreicht und die Fußgänger an den Tunnelenden die Straßenseite wechseln müssten.

Nun liegt die Idee einer einseitigen Sperrung auf dem Tisch. Hintergrund sind die Erfahrungen, die man mit der Sperrung in den Sommerferien 2020 gemacht hat, als der Schwabtunnel renoviert wurde. Rainer Wallisch vom Stadtplanungsamt sagte in der Sitzung am Dienstag, dass entgegen aller Erwartungen der umgeleitete Ausweichverkehr „relativ geräuschlos vonstatten gegangen“ sei. Deswegen habe man den Verkehrsversuch überhaupt in Erwägung gezogen.

Umwege für Süd-Bewohner

Dabei würde der Autoverkehr in Süd-West-Richtung über die Böheim-, Hauptstätter-, Paulinen- und Rotebühlstraße umgeleitet. Der Schleichweg über Straßen am Hasenberg könnte durch eine Einbahnstraßenregelung unterbunden werden. Die Zahl der täglichen Fahrzeuge im Tunnel würde sich auf etwa 5000 halbieren. Die frei werdende Spur wäre dem Radverkehr vorbehalten sowie dem Bus, der weiterhin in Richtung Westen fahren dürfte. Die West-Süd-Befahrung bliebe für den Kraftfahrzeugverkehr erhalten.

„Dass die Sperrung nicht gestört hat, kann nur behaupten, wer nicht selber da wohnt“, sagte die SPD-Bezirksbeirätin Ulrike Holch. Und auch der Bezirksvorsteher Raiko Grieb widersprach vehement der Darstellung, dass die sechswöchige Sperrung im Sommer 2020 reibungslos verlaufen sei. Zahlreich hätten sich Anwohner über Staus und Schleichverkehr durchs Wohngebiet beklagt. Sollte der Test durchgeführt werden, müssten dieses Mal auch die Bewohner befragt werden.

Grüne, Linke und Stadtisten zeigten sich zwar nicht gerade begeistert von dem Verkehrsversuch, akzeptierten ihn aber als letzte und einzige Möglichkeit, eine Verbesserung für den Radverkehr im Schwabtunnel zu erwirken. Allerdings, mahnte Philipp Buchholz von den Grünen: „Es muss vorher festgelegt werden, wann der Versuch ein Erfolg ist. Dafür muss es klare Kriterien geben.“

Schwache Mehrheit

Heftiger Gegenwind kam von den übrigen Fraktionen. „Damit ein Rad durch den Tunnel fahren kann, müssen 25 Autos großräumig umgeleitet werden. Das ist eine Umweltsünde!“, sagte FDP-Mann Karl Stahr. Auch Ulrike Holch meinte, es „stört mein ökologisches Grundempfinden, wenn man Verkehr weiträumig durch die Stadt leitet wegen 125 Metern“. Hans-Dieter Meißner von den Freien Wählern verstand den „ganzen Aufstand“ nicht: Im Tunnel gelte ein Überholverbot, hielten sich alle daran, gäbe es keine Probleme. „Man darf nicht Verkehrsteilnehmer ausschließen, nur weil sich ein paar nicht dran halten.“

Die CDU und die SPD führten an, dass Bewohner im Süden große Umwege fahren müssten, um in den Westen zu gelangen. Marion Eisele von der SPD fragte: „Wieso müssen Radler durch den Tunnel fahren? Die können doch über den Hasenberg oder die Silberburgstraße fahren. Hier wird der Bock zum Gärtner!“

Neun Räte stimmten für den Verkehrsversuch, sieben dagegen. Zu einem ähnlichen Abstimmungsergebnis war im Mai auch der Bezirksbeirat West gekommen. Diese Ergebnisse sind eine Handreichung für die Stadträte, die letztendlich über den Versuch entscheiden werden.

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